Das jameda-Interview: 9 Fragen an Herrn Dr. med. Jost Christian Deerberginfo_plain_20gr

Herr Dr. Deerberg praktiziert als Kinderarzt in Hamburg. (© Deerberg)

Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Dr. med. Jost Christian Deerberg interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Kinderarzt.

jameda: Herr Dr. Deerberg, was hat Sie motiviert, Kinderarzt zu werden, und warum haben Sie sich für Ihre Spezialgebiete entschieden? 

Herr Dr. Deerberg: Schon früh im 1. Semester meines Studiums habe ich die anthroposophische Medizin kennengelernt.

Von allen Ärzten waren die Kinderärzte die nettesten, die mit dem menschlichsten Blick auf ihre Arbeit, die mit dem weitesten Horizont und die, die neben dem leiblichen immer auch das seelische und geistige Wohl ihrer Patienten im Blick hatten. Und mir hat der Kontakt zu Kindern schon immer Spaß gebracht.

Als angehender Arzt musste ich mir die Frage beantworten: Mit wem möchte ich ein Leben lang zusammenarbeiten? Antwort: Kinder und Jugendliche  und deren Eltern!

jameda: Worin liegt Ihr Tätigkeitsschwerpunkt und was macht diesen so besonders?

Herr Dr. Deerberg: In der integrativen Medizin wie auch der anthroposophischen Medizin stellt sich immer die Frage: Wie wirkt meine Behandlung, Begleitung und Beratung im hier und jetzt und aber auch in der Zukunft? Bei Kindern und Jugendlichen ist diese Zukunft sehr groß.

Mich fasziniert der biographische Bogen, der über meinen Patienten steht, und die damit verbundene Aufgabe Gesundheit für ein ganzes Leben zu ermöglichen. Wenn die Eltern und ich als Kinderarzt schon gar nicht mehr hier auf der Erde weilen - also im hohen, hoffentlich gesunden Alter meiner jetzigen so jungen Patienten - dann erst beweist sich die beste Kindermedizin - im Senium! Nihil nocere gilt für mich an erster Stelle! Daraus ergibt sich: eine klare gute Diagnostik, möglichst die Symptome nicht unterdrücken und engen Kontakt zum Kind während der Krankheitsphase.

jameda: Gibt es im medizinischen Bereich ein Vorbild, das Ihre Laufbahn besonders geprägt hat?

Herr Dr. Deerberg: Alle meine medizinischen Lehrer und Lehrerinnen. Es ist eine ganze Zahl von Ärzten und Ärztinnen und auch anderen Persönlichkeiten, die mich geprägt haben, meine Wahrnehmung geschult haben und moralische Vorbilder sind.

jameda: Gibt es aktuell Hilfen oder Neuerungen, die Ihnen Ihren Praxisalltag erleichtern können?

Herr Dr. Deerberg: Ich will mal die online Terminvergabe ausprobieren. :-) Ich habe mir gerade ein ganz neues Sonogerät angeschafft. Das macht die bildgebende Diagnostik noch genauer und sicherer.

jameda: Wo sehen Sie in Ihrem Fachgebiet die größten Herausforderungen für die Zukunft?

Herr Dr. Deerberg: Wir dürfen in keinem Gebiet der Medizin unser humanistisches Urbild verlieren: der Mensch steht im Mittelpunkt mit all seiner Größe und aber auch Verletzlichkeit. Die Individualität gilt es zu schützen, zu stärken und zu verstehen. Wir dürfen nicht in Gruppen denken, sondern müssen uns ganz auf das Individuum konzentrieren. Diese patientenorientierte Sichtweise steht gerade in Gefahr verloren zu gehen.

jameda: Was wird an Ihrem individuellen Umgang mit Ihren Patienten besonders geschätzt?

Herr Dr. Deerberg: Das müssen Sie die Patienteneltern fragen. Im Ernst: die Möglichkeit auf Augenhöhe gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Das gibt es nicht so oft. Es ist aber auch eine Herausforderung für einige Patienteneltern, wenn diese merken – „Das muß ja ich entscheiden, das nimmt mir der Doktor nicht ab“.


Impressionen aus der Kinderpraxis Deerberg. (© Deerberg)
jameda: Was schätzen Sie an Ihren Patienten bzw. deren Eltern besonders?

Herr Dr. Deerberg: Den Mut, einen eigenen Weg zu gehen, Gesundheits- und Krankheitsfragen zu stellen, medizinische "Angebote" und Empfehlungen zu hinterfragen und das Zepter selbst in die Hand zu nehmen.

jameda: Gibt es ein besonderes Patientenerlebnis, das sie nie vergessen werden?

Herr Dr. Deerberg: Viele. Ich erinnere mich an ein Mädchen in der Klinik. Verschiedene KollegInnen standen um das Mädchen herum und wussten nicht genau, was als nächstes zu tun ist. Da sagte das Mädchen: "Tja, nun wisst ihr nicht, was ihr als nächstes tun sollt!" Das war so unfassbar genau erkannt, dass alle noch sprachloser waren als vorher.

Wir dürfen unsere Patienten niemals unterschätzen, doch sind „Profis“ aber immer wieder geneigt das zu tun.


jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Herr Dr. Deerberg: Senken Sie kein Fieber! Fieber ist das "Heilmittel". Finden Sie aber mit Hilfe Ihres Kinder- und Jugendarztes Ihres Vertrauens heraus, warum Ihr Kind Fieber hat.

Siehe: warmuptofever.org.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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