Hypnotherapie bei der Behandlung von sexuellem Missbrauch an Kindern

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Die jüngste Verfilmung der Geschichte der Odenwaldschule hat abermals das öffentliche Interesse auf die fast unglaublichen Vergehen, in diesem Fall an mindestens 132 Kindern und Jugendlichen in die Öffentlichkeit gerückt.

Die anschließende Gesprächsrunde bei Anne Will hat das Thema noch vertieft. Die Zahlen, die dort genannt wurden, sind unfassbar:

  • mindestens 1 Kind in jeder Schulklasse ist betroffen und
  • 3 von 4 Kindern werden im engsten häuslichen Umfeld, meist von Männern missbraucht

Zu Recht sagte der Sprecher der Betroffenengruppe der Odenwaldschule, dass er sich trotz allem in der privilegierteren Gruppe befindet, weil er sich mit anderen Opfern austauschen kann und auch therapiert wurde. Sein Mitleid gilt denjenigen, die im engen Umfeld durch Bezugspersonen missbraucht werden, weil deren seelische Qual als vermeintlich einzig Betroffene viel schlimmer ist.

Das kann ich in meinem Praxisalltag bestätigen. Häufig habe ich mit sexueller Gewalt an Kindern bzw. Jugendlichen durch enge Schutzbefohlene zu tun. Oft kommen die Menschen mit bestimmten Themen und sie wissen nicht, was der Grund dafür ist und was Ihnen möglicherweise in der Vergangenheit geschah. Manchmal ist es den bis dahin erwachsenen Opfern bereits bekannt, oder sie haben etwas geahnt.

Da mag man jetzt sagen: „Auf keinen Fall ist es ratsam, an diesem schweren Trauma zu rütteln, denn das Unterbewusstsein hat viel getan, um die Geschehnisse vergessen zu machen.“

Das ist dann in Ordnung, wenn man sich körperlich und seelisch gut fühlt. Oft genug haben die Betroffenen jedoch unter einer starken Einbuße der Lebensqualität zu leiden. Häufig tragen sie schwere psychische Schäden davon, wie:

  • Borderline-Persönlichkeitsstörung
  • Posttraumatische Belastungsstörung
  • Dissoziative Störungen

Mit das Schlimmste für die Opfer ist, dass sie das Gefühl haben, dass sie etwas falsch gemacht haben, dass sie schmutzig und schlecht sind und vor allem, dass sie schuld sind, auch weil sie oft Opfer von Schutzbefohlenen waren und denken, dass das so hat sein müssen. Sie schweigen aus Scham und machen sich klein und sie möchten ihren Familien nicht schaden.

Diese Folgen daraus und das oft schwere Leid sollte therapeutisch behandelt werden.
Eine gute ursachenorientierte Hypnose ist eine Möglichkeit, die hier besonders effektiv ist, weil mit diesem Instrument bei einem gut ausgebildeten Traumatherapeuten die Möglichkeit besteht, sich endgültig von dem „Dämon“ zu befreien. Das Leid kann häufig sehr wenigen Sitzungen beendet werden.

Hypnose ist kein Beweis, was wie genau stattgefunden hat. Wichtig ist hier, wie die betroffene Person, die Übergriffe gefühlt hat.

Das Entscheidende nach einer erfolgreichen Hypnotherapie ist nach meiner Erfahrung, dass den Betroffenen endlich klar wird, dass nicht sie falsch sind, denn das wurde ihnen sehr häufig glauben gemacht, sondern dass ihr schlechtes Gefühl und/oder ihr Anderssein einen Grund hat und das fühlt sich dann deutlich besser und befreiend an, unabhängig davon wie schlimm die Tatumstände gewesen sein mögen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (2)

Debbie, 01.11.2019 - 21:37 Uhr

Toller Artikel! Sehr häufig erlebe ich dieses Gefühl etwas falsch zu sein in meinem Alltag und es bestimmt auch meine momentane Situation. Wir stehen bereits in Kontakt und ich freue mich, wenn ich in meinen Augen die nötige Stabilität erreicht habe mit Ihnen dieses Thema anzugehen. Nicht um mich darin zu vertiefen sondern um loszulassen. Weil ich leben darf, will und werde! Ich bin auch nicht die Krise, ich bin ein Mensch der früh verletzt wurde und jetzt verletzt reagiert. Nicht jeder kann heute damit umgehen oder zuordnen. Es ist schön dass es Menschen gibt die sich an dieses Thema wagen :-)

Antwort von Angela Schnödewind, verfasst am 17.02.2020

Lieben Dank für Ihre Einschätzung. :-)

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