schuldistanz

Aufstehen - Frühstück - ab in die Schule! Das ist für die meisten Schüler in Deutschland eine morgendliche Selbstverständlichkeit. Wie sehr der Familienalltag durcheinander geraten kann, wenn ein Schüler nicht mehr zur Schule gehen möchte, erfahren Eltern von sogenannten Schulverweigerern oft schmerzlich.

Schuldistanz - der Unwille eines Schülers zum Schulbesuch - kann diverse Ursachen haben. Nachvollziehbar ist der Widerwille des Kindes oder Jugendlichen, wenn die Schule eine Überforderungssituation darstellt, z.B. hinsichtlich der kognitiven (geistigen) Leistungsfähigkeit des Kindes. Wer ständig erlebt, dass er dem Schulstoff trotz höchster Konzentration und Anstrengung kaum folgen kann, wer trotz Mühen und Fleiß meist schlechte Noten bekommt und sich im Vergleich zu den Mitschülern grundsätzlich als weniger leistungsfähig erlebt, der hat gute Gründe, irgendwann zu resignieren. Eine Überprüfung der kognitiven Leistungsfähigkeit (sogenannter Intelligenztest) kann hier relativ rasch und unkompliziert Klarheit schaffen.

Für manche Kinder und Jugendliche sind es dagegen eher die sozialen Anforderungen des Schulalltags, die ihnen wie unüberwindbare Hürden erscheinen. Mitschüler und Lehrer stellen jedes Schulkind täglich vor mannigfaltige Herausforderungen, die zwischen der Notwendigkeit der Anpassung und dem Wunsch nach Selbstbehauptung pendeln. Kommt es hierbei zu oft zu Misserfolgen und Frustrationen, können sich sozialer Stress und ein Selbstwertdefizit entwickeln. Viele Kinder reagieren darauf mit Rückzug und Verweigerung. Typisch sind solche Probleme z.B. bei Autisten, depressiven Schülern und sozial ängstlichen Kindern bzw. Jugendlichen. In diesen Fällen sollte daher unbedingt eine differenzierte kinder- und jugendpsychiatrische Diagnostik eingeleitet werden.

Mitunter ist der Grund für eine Schulverweigerung jedoch gar nicht in der Schule sondern in der Familie zu finden. Wenn es einem Elternteil seelisch oder körperlich schlecht geht, möchte das Kind die Mutter oder den Vater aus Fürsorglichkeit einfach nicht allein lassen. Auch hält es die sorgenvollen Gedanken an den belasteten Elternteil in der Schule vielleicht nicht aus, wo man eben nicht mal schnell nachschauen kann, ob mit Mutter oder Vater alles in Ordnung ist, und bleibt lieber daheim.

Vorsicht ist bei schuldistanziertem Verhalten hinsichtlich der Begründungen der Kinder selbst geboten. Die häufig berichteten körperlichen Symptome (Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Schwindelattacken o.Ä.), Mobbingerfahrungen oder Ängste werden nicht selten übertrieben und dramatisiert, um dem Schulbesuch zu entgehen. Man sollte die Angaben der Kinder natürlich ernst nehmen und ihnen nachgehen. Wenn der Arzt aber keine Ursachen für die Beschwerden findet oder wenn keine konkreten Mobbingtäter benannt werden können, ist ein kritisches Hinterfragen der wirklichen Gründe und Ursachen für die Schuldistanz angemessen.

Neben dem engen Austausch mit der Schule über die Situation des Kindes ist eine kinder- und jugendpsychiatrische Abklärung in der Mehrzahl der Fälle unabdingbar.

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