Chemotherapie bei Brustkrebs – ja oder nein? Genexpressionstests helfen bei der Entscheidung

Da eine Chemotherapie eine große Belastung für den Körper ist, sollte stets abgewogen werden, ob sie notwendig ist. (© Photographee.eu - fotolia)

Brustkrebs ist mit ca. 72.000 neu diagnostizierten Fällen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung in Deutschland. Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium wird nach einem chirurgischen Eingriff häufig eine Chemotherapie empfohlen, wenn unklar ist, ob der Krebs zurückkehren wird. Bei einer Chemotherapie treten jedoch häufig Nebenwirkungen auf. 

Die klassischen Kriterien, die bislang in der klinischen Praxis Grundlage für Therapieentscheidungen sind, haben keine prädiktive Aussagekraft. Das heißt, sie können nicht vorhersagen, ob eine Patientin von einer Chemotherapie profitiert.

Studien zeigen, dass 80 Prozent der Patientinnen mit HR+/HER2-negativem Brustkrebs im Frühstadium nicht von einer Chemotherapie profitieren. Durch den Einsatz eines Genexpressionstests kann nun 15.000 bis 20.000 Frauen pro Jahr mit Brustkrebs im Frühstadium eine Chemotherapie erspart bleiben.

Was ist ein Genexpressionstest?

Der Genexpressionstest ist ein Test, der die Aktivität bestimmter Gene aus einer Tumorprobe untersucht und Informationen über die individuelle Biologie des Brustkrebses liefert. Diese Information kann Ärzten helfen, eine sinnvolle Therapieentscheidung zu treffen und die Behandlung individuell abzustimmen.

Eine Chemotherapie zielt speziell auf schnell wachsende Tumorzellen ab. Wie schnell sich Tumorzellen vermehren können, ist in den Genen angelegt. Genexpressionstests wurden entwickelt, um – auf Basis eines speziellen Algorithmus und einer Auswahl bestimmter Gene – präzise festzustellen, welche Tumoren auf eine Chemotherapie ansprechen. 

Wie funktioniert ein Genexpressionstest?

Der Test wird an einem Biopsat oder an einer während der ursprünglichen Operation entnommenen Tumorgewebeprobe durchgeführt. Nach der Durchführung des Tests und einer Einschätzung, wie aktiv die krebsrelevanten Gene sind, erhalten Patientinnen ihr Recurrence-Score®-Ergebnis  – einen Wert zwischen 0 und 100. Ein Recurrence-Score-Ergebnis zwischen 0 und 25 bedeutet, dass eine Rückkehr des Krebses wenig wahrscheinlich ist und die Behandlung mit einer Antihormontherapie ausreicht. 

Bei diesen Anzeichen sollten Sie sich auf Brustkrebs untersuchen lassen. (© kowalska-art - iStock)
Was können die Tests?

Prognose

Die Prognose bezieht sich auf den natürlichen Verlauf der Erkrankung. Ein prognostischer Biomarker-Test informiert über den wahrscheinlichen Verlauf der Krebserkrankung (z. B. Rezidiv, Krankheitsprogression oder Tod), unabhängig von der erhaltenen Behandlung.

Prädiktion

Die Prädiktion (Vorhersage) des Chemotherapie-Effekts bezieht sich auf die Wirkung der Behandlung auf den Verlauf der Erkrankung. Es gibt einen prädiktiven Genexpressionstest, der die Behandlungswirkung bei der Therapieempfehlung einbezieht.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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