Erektionsstörungen durch Chemotherapie: Was jetzt hilft

Dr. Maria Niki Aigyptiadou

von
verfasst am

© Igor Mojzes - FotoliaErektionsstörungen gehören zu den typischen Nebenwirkungen einer ChemotherapieSie haben Krebs, machen eine Chemotherapie und fragen sich, ob die Potenz später wieder normal sein wird? Bei manchen Krebsarten stehen die Chancen gut. Aber auch wenn Sie weiterhin unter Erektionsstörungen leiden, gibt es viele Möglichkeiten, gegenzusteuern.

Warum es während oder nach einer Chemotherapie zu Erektionsstörungen kommen kann

Während einer Chemotherapie erhalten Sie Medikamente, die die Zellteilung von Krebszellen verhindern. Weil sie aber auch gesunde Zellen beeinflussen, haben sie viele Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Haarausfall, Blutarmut, Thrombosen, Entzündungen und Nervenschädigungen.

Ein Fünftel bis ein Drittel der Krebspatienten hat auch nach erfolgreich abgeschlossener Behandlung Erektionsstörungen. Männer mit Darmkrebs und einem künstlichen Darmausgang sind mit 72 Prozent stark betroffen. Männern mit Tumorerkrankungen der Geschlechtsorgane, wie zum Beispiel Hoden- oder Prostatakrebs, geht es ähnlich: Jeder zweite Mann mit Prostatakrebs leidet nach Abschluss der Behandlung unter Erektionsstörungen.

Die Erektionsstörungen treten entweder kurz- oder langfristig während oder nach der Chemotherapie auf. Mögliche körperliche Ursachen sind:

  • geschädigte oder durchtrennte Nerven oder Blutgefäße, die für eine Erektion wichtig sind
  • geschädigter Penisschwellkörper
  • niedriger Testosteronspiegel

Mögliche psychische Ursachen beinhalten:

  • Angst vor der Krankheit und deren Folgen
  • das Gefühl, nicht mehr leistungsfähig zu sein
  • Selbstzweifel oder verletztes Selbstwertgefühl
  • Versagensängste und Erfolgsdruck
  • Stress, Rollen- und Imageverlust

Medikamente gegen Erektionsstörungen

Der Arzt kann Ihnen Medikamente verschreiben, die eine Erektion ermöglichen, sogar bei verletzten Gefäßen und Nerven. Die Arzneimittel lassen mehr Blut in den Penis fließen und verhindern, dass es schnell wieder weniger wird. Allerdings wirken sie nicht, wenn die emotionale Erregung fehlt.

Die Medikamente sind verschreibungspflichtig und für bestimmte Patientengruppen ungeeignet, wie zum Beispiel Menschen mit Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzrhythmusstörungen, sehr hohem oder sehr niedrigem Blutdruck und schwerer Herzinsuffizienz.

© JanMika_iStockOb Medikamente im Einzelfall die richtige Behandlungsmethode sind, klärt der Arzt vor OrtDarüber hinaus verursachen die Medikamente Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Gesichtsrötung, Blutdrucksenkung, Schwindel, Benommenheit, Magen- und Verdauungsbeschwerden und Sehstörungen.

Gefäßerweiternde Medikamente können auch in die Harnröhre eingebracht oder in den Schwellkörper gespritzt werden. Im ersten Fall handelt sich um das „Medikamentöse Urethrale System zur Erektion“, kurz MUSE genannt.

Der Patient führt ein Stäbchen in die Harnröhre ein, damit es sich nach einer sanften Massage auflöst. Die Substanz gelangt so in die Schwellkörper und ermöglicht nach einigen Minuten eine Erektion.

Implantate und Erektionspumpen

Die zweite Lösung wird „Schwellkörper-Autoinjektions-Therapie“ genannt, kurz SKAT. Dabei spritzt sich der Betroffene mit einer sehr dünnen Nadel das Medikament in den Schwellkörper des Penis. Die Erektion tritt nach ungefähr 10 bis 20 Minuten ein.

Schwellkörperimplantate, die operativ eingebracht werden, sind manchmal ebenfalls hilfreich, auch wenn die Schwellkörper geschädigt sind und andere Lösungen nicht in Frage kommen. Verfügbar sind sowohl hydraulische Schwellkörperimplantate, die sich mit einem Pumpsystem versteifen lassen und eine natürliche wirkende Erektion verursachen, als auch biegsame Stabprothesen aus Silikon. Eine weitere operative Möglichkeit ist die Penisverlängerung.

Darüber hinaus gibt es Erektionspumpen, die einen Unterdruck erzeugen, der das Blut in die Schwellkörper strömen lässt. Ein Gummiring verhindert, dass das Blut zu schnell wieder abfließt.  

Der wichtigste Tipp: Verschonen Sie sich vor ,,Wundermitteln‘‘, die im Internet massenweise angeboten werden. Meistens sind sie nicht zugelassen und ineffektiv.  

Mit der Partnerin sprechen

Reden Sie mit Ihrer Partnerin, denn Ihr Schweigen belastet sie wahrscheinlich mehr als das gestörte Sexualleben. Versuchen Sie sich vom Erfolgsdruck zu befreien, indem Sie herausfinden, was Ihnen ein kraftvolles Gefühl gibt. Vielleicht muss es nicht immer eine Erektion sein.

Suchen Sie gemeinsam das Beratungsgespräch beim Urologen oder Sexualtherapeuten. Er wird Ihnen je nach allgemeinem Gesundheitszustand und persönlichen Vorlieben die besten Lösungsansätze vorschlagen.

© contrastwerkstatt - fotoliaTabuthemen anzusprechen, ist zwar schwierig, lohnt sich aber! Folgende Punkte sollten Sie mit Ihrer Partnerin besprechen, bevor Sie sich endgültig für die eine oder andere Lösung entscheiden:

  • Welche Möglichkeiten kommen für Sie als Paar infrage?
  • Inwiefern kann die eine oder andere Lösung zu Ihrer Lebensqualität beitragen?

Befragungen von krebskranken Männern mit Erektionsstörungen und ihren Partnerinnen zeigten, dass die Bedeutung des Geschlechtsverkehrs abnimmt, wobei die Partnerschaft selbst und Zärtlichkeiten einen hohen Stellenwert behalten. Oft ist das Ziel einer Paartherapie, das Verständnis von Sexualität zu erweitern und neue Formen von Körperkommunikation zu ermöglichen.

Fazit

Eine Chemotherapie bedeutet nicht unbedingt, dass das genussvolle Leben vorbei ist. Wenn Sie Erektionsstörungen haben, besprechen Sie das Problem mit Ihrer Partnerin und mit einem Spezialisten. Er wird Ihnen eine oder mehrere Lösungen anbieten. Nun liegt die Wahl bei Ihnen und Ihrer Partnerin. Ausschlaggebend für Ihre gemeinsame Entscheidung sollte die erwartete Verbesserung Ihrer Lebensqualität als Paar sein.

 

Quellen:

  • Rösing D, Berberich HJ. Krankheits- und behandlungsbedingte Sexualstörungen nach radikaler Prostatektomie – Eine bio-psycho-soziale Betrachtung. Urologe [A] 2004; 43: 291–5.
  • Bartels A. Neuronale Grundlagen der Partnerwahl und der Liebe. Sexuologie 2006; 13: 118–29.
  • Herkommer K, et al. Versorgung der erektilen Dysfunktion nach radikaler Prostatektomie in Deutschland. Urologe 2006; 45: 336–42.
  • Rösing D, et al. Sexualstörungen des Mannes: Diagnostik und Therapie aus sexualmedizinisch-interdisziplinärer Sicht. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(50): 821–8.

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