Neue gynäkologische Krebsvorsorge: So funktioniert der HPV-Test

Nutzen Sie die Krebsvorsorge mit HPV-Tests. (© DOC RABE Media - fotolia)

Für Patientinnen, bei denen der zytologische Zell-Abstrich unauffällig ist, aber das Virus HPV nachgewiesen wurde, gibt es keinen Grund zur Besorgnis, aufgrund der bei ihnen nachgewiesenen HPV-Positivität.

Dieses Virus könnten Sie schon seit vielen Monaten, Jahren oder Jahrzehnten gehabt haben. Der genaue Zeitpunkt der Infektion ist nicht nachvollziehbar. Das Virus befindet sich aktuell in der inaktiven Phase ("Schlummerzustand") und kann noch Jahre oder Jahrzehnte in diesem Zustand bleiben. Es kann passieren, dass der Organismus dieses Virus stillschweigend bekämpft, so dass es irgendwann verschwindet.

Wie wurde HPV bisher getestet?

Bis Anfang 2020 hat man die Testungen auf dieses Virus nur bei Frauen durchgeführt, bei denen Veränderungen beim zytologischen Zellabstrich (PAP-Abstrich) nachgewiesen wurden. Ab 2020 wurde die neue Vorsorge eingeführt. Sie setzt voraus, dass man alle drei Jahre zusätzlich zum zytologischen Abstrich eine Testung auf das HPV-Virus durchführt.

Ob die neue Vorsorge besser als die alte sein wird, wird die Zukunft zeigen. Die Auswertung der neuen Krebsvorsorge bei den Frauen soll erst 2030 erfolgen. Die neue Vorsorge generiert sicherlich große Kosten für die Krankenkassenbeitragszahler und stiftet viel Unruhe bei den Patientinnen, die HPV-positiv sind, aber keine Veränderungen in den Zellen haben. Die Durchseuchung mit HPV-Viren ist in der europäischen Gesellschaft sehr hoch. Das HPV-Virus wird sexuell übertragen.

Welche Arten von HPV gibt es?

Das HPV Humane Papilomma Virus ist sehr verbreitet. Es existieren ungefähr 100 Typen dieses Virus. Manche davon (wie Typ 1 oder 2) bilden Warzen an den Füßen, Händen, Zehen und Fingern, andere (wie Typ 6 und Typ 11) bilden hässliche und lästige blumenkohlartige Warzen im Genitalbereich. Nur 30 von diesen 100 bekannten Typen sind richtig gefährlich, weil sie Krebs verursachen können.

Der aktuelle Impfstoff gegen 9 Typen von HPV (davon auch nicht krebserregende 6, 11 als Genitalwarzenviren) wurde zwar um weitere krebserregende 3 Typen erweitert, verleiht aber immer noch nicht vollständigen Immunschutz gegen die restlichen krebserregenden Typen. Aufgrund der vermuteten Kreuzreaktion wird der Impfstoff aber auch gegen die noch nicht abgedeckten Typen empfohlen.

So kann gegen HPV geimpft werden

Die Impfung wird aktuell bei den Mädchen und Jungen ab dem 9. Lebensjahr, also vor der sexuellen Initiation durchgeführt.

Bei den Erwachsenen wird die Impfung zwar empfohlen, aber von den Krankenkassen kostenmäßig noch nicht übernommen. Auch Erwachsene, die HPV-negativ sind (oder positiv mit oder ohne Veränderungen in den Gebärmutterhalszellen vor oder nach der chirurgischen Therapie) sollten geimpft werden. Dem Organismus, seinem Immunsystem kann nur so beigebracht werden, wie der Kampf gegen das Virus erfolgen muss.

HPV kann Krebs auslösen

Die HPV-Infektion kann wie schon gesagt jahrelang symptomlos bleiben, ausgeheilt werden (vom Organismus erkannt und bekämpft werden), aber auch aktiv werden und die Zellen vom Gebärmutterhals allmählich verändern. Dieser Prozess der Veränderung von Zellen (Dysplasie) (genauer gesagt: der Kerne in den Zellen) dauert lange. Er kann auch vom Organismus erkannt und bekämpft werden. Deswegen wartet man manchmal unter strengen gynäkologischen Kontrollen zwei bis drei Jahre auf diese Heilung. Gegen die HPV-Viren gibt es keine Medikamente und deshalb bleibt nichts anderes, als auf die Abwehrreaktion des Organismus zu warten.

Bleibt diese Abwehr sehr lange aus oder verschlechtern sich die Zellveränderungen in den inakzeptablen Bereich, kurz vor der Krebsentstehung, ergreift man die medizinischen Gegenmaßnahmen. Und zwar, indem man ein Stück vom Gebärmutterhals zusammen mit veränderten und virusbefallenen Zellen rausschneidet. Meistens erreicht man durch dieses chirurgische Eingreifen die Heilung.

Die vom Virus befallenen Zellen im Gebärmutterhals weisen überwiegend Veränderungen an ihren Kernen auf. Je mehr die Zelle verändert ist, desto mehr bizarre Formen nimmt ihr Kern an. Die extremen Veränderungen sind mikroskopisch bei den Krebszellen zu beobachten. Der das mikroskopische Präparat beurteilende Zytologe vergibt, abhängig vom Zustand der Zellen, die PAP-Noten, welche eine frappierende Ähnlichkeit mit dem Schulnotensystem zeigen.

Bei der Note PAP I sind die Zellen einwandfrei und unverändert. PAP II ist auch eine gute Note, wobei die häufigeren Kontrollen meistens empfehlenswert sind. Ab PAP III sind schon leicht oder mäßig ausgeprägte Veränderungen an den Kernen der Zellen feststellbar. Hier sind häufige Kontrollen angesagt, wobei die Spontanheilung innerhalb von zwei Jahren zu erwarten ist. PAP IV ist analog zum Schulnotensystem eine Note, wo man tatsächlich schon eingreifen muss, bevor Note V mit der Diagnose "Krebs" gegeben wird.

An dieser Stelle muss man auch betonen, dass sogar die frühzeitig erkannten Gebärmutterhalskrebse heilbar sind und sehr gute Prognose haben. Und im Falle des Zervixkarzinoms werden nur "verschleppte" Fälle, wie auch oft bei vielen anderen Krebsarten, hoffnungslos.

Wie kann HPV übertragen werden?

Die Männer können HPV übertragen, entwickeln selbst aber deswegen selten Krebserkrankungen.

Es wird diskutiert, dass die Männer durch HPV-Penis-Krebs, durch sexuell-orale Praktiken Kehlkopfkrebs und vor allem homosexuelle Männer durch Analsex auch Analkrebs entwickelt könnten. Man muss aber berücksichtigen, dass z. B. beim Kehlkopfkrebs auch andere Faktoren wie Rauchen eine große Rolle spielen und HPV-Infektion lediglich begünstigend wirken könnten.

Welche Krebsarten können durch HPV ausgelöst werden?

Peniskrebs und Analkrebs sind aber so extrem häufig wie Gebärmutterhalskrebs. Hier können wir das mit sogenannter Affinität (Empfindlichkeit der gewissen Gewebearten auf die Viren) erklären. Auch bei den Frauen – das HPV-Virus "fühlt sich offensichtlich wohler" im Gebärmutterhalsbereich als im Vulva- oder Vaginabereich, so dass Gebärmutterhalskrebs häufiger als Vulvakrebs entsteht.

Betrachtet man die onkologischen Statistiken der Häufigkeit der bestimmten Krebsarten, kommt man zur Schlussfolgerung, dass Analkrebs, Kehlkopfkrebs und insbesondere Peniskrebs relativ selten entstehen. Abgesehen davon ist die Rolle von HPV-Viren bei der Entstehung von diesen Krebsarten nicht ausreichend untersucht, so dass das HPV lediglich als zusätzlicher begünstigender Faktor der Onkogenese (der Krebsentstehung) und nicht als der alleinige Faktor gilt.

Bei der Entstehung des Gebärmutterhalskrebses gelten die HPV-Viren als der alleinige Faktor (99,5 %). Daher betonen manche Wissenschaftler, dass ohne HPV kein Zervixkarzinom möglich ist. Dies ist aber nicht ganz korrekt, weil man die Plattenepithelkarzinome nicht berücksichtigt, die auch auftreten können.

Das HPV-Virus bei Männern

Vermutlich lebt das Virus bei den Männern kürzer und meistens unter der Vorhaut. Es gab Studien, die gezeigt haben, dass die beschnittenen Männer weniger betroffen waren und selbst auch weniger Frauen infizierten. Man vermutet, dass die Männer vor allem Überträger von HPV sind.

Sofern ich weiß, gibt es momentan keine HPV-Tests für die Männer. Konsequenzen für die Männer, deren Frauen HPV-positiv sind, gibt es kaum. Die nicht krebserregenden HPV-Typen Typ 6 und 11 können beim Mann wie bei der Frau auch Genitalwarzen verursachen, die zwar ästhetisch problematisch sind, aber zu keinem Krebs führen.

Es wäre aber ratsam, dass solche Männer sich den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen beim Urologen und ggf. HNO-Arzt unterziehen.

Eine HPV-Impfung lohnt sich

Eine HPV-Impfung sowohl für Sie als auch für Ihren Mann wäre natürlich empfehlenswert, um die körpereigenen immunologischen Abwehrkräfte zu aktivieren (Impfung bis jetzt nur als IGEL möglich). Die Abwehrkräfte können das Virus entweder erfolgreich bekämpfen oder weiter im Schlummerstadium ruhen lassen. Für die Erwachsenen gibt es drei Impfungen (Kosten mit Beratungen und Spritzen ca. 600 Euro pro Person und komplettem Impfzyklus)

Es lohnt sich für Sie, bei der Krankenkasse zu fragen, weil manche schon zurückerstatten. Bei den erwachsenen Männern sind die Kassen mit HPV-Impfung-Kostenerstattung lange noch nicht so weit. Nur die Mädchen und Jungen bis zum 18. Lebensjahr dürfen und sollen auf Kassenkosten geimpft werden.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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