Präzisionsonkologie: Medikamentöse Krebstherapien werden immer präziser

Die Erprobung von Substanzen in Kombinationstherapien bestimmen heute das Feld der klinischen Forschung. (© Photographee.eu - fotolia)

Zielgerichtete Therapien stehen derzeit im Mittelpunkt der Entwicklung onkologischer Arzneimittel und gelten als Eckpfeiler der sogenannten Präzisionsonkologie. Die Präzisionsonkologie versucht, das Wachstum und die Vermehrung sowie die Überlebensfähigkeit und die Ausbreitung von Tumoren zu verhindern. Und zwar mithilfe der Wechselwirkung von molekular definierten, an der Krebsentstehung beteiligten zellulären Zielstrukturen.

Die zielgerichteten medikamentösen Krebstherapien orientieren sich somit an bestimmten genetisch und/oder biologisch bzw. immunologisch erkennbaren Besonderheiten eines jeweiligen Tumors. Voraussetzung ist aber, dass diese Besonderheiten im individuellen Tumor nachweislich an der Krebsentstehung oder seiner Ausbreitung (Metastasierung) beteiligt sind.

Im Einzelfall spielen Kenntnisse über ein molekulargenetisches/biologisches Tumorprofil bei der strategischen Auswahl der Krebstherapeutika, die auf molekularer Ebene wirksam sind, eine bedeutsame Rolle. Und zwar immer dort, wo sie zu positiven und patientenrelevanten Ergebnissen geführt haben.

Es sind inzwischen zunehmend mehr zielgerichtete Therapien, einschließlich der Immuntherapien, für eine Vielzahl von Indikationen verfügbar. Zudem werden auch Therapiekombinationen dieser Substanzen untereinander und auch kombiniert mit Chemotherapeutika klinisch untersucht.

In der Medizin knüpfen sich enorme Erwartungen an die Therapie mit monoklonalen Antikörpern, kleinmolekularen Hemmstoffen und anderen innovativen Produkten. Diese Erwartungen resultieren aus ihrer Anwendung bei Erkrankungen, wie Krebs und Autoimmunerkrankungen, für die bislang keine befriedigenden Therapieoptionen verfügbar waren.

Eine Vielzahl dieser Arzneimittel hat heute bereits einen festen Stellenwert in der klinischen Anwendung gefunden, viele andere stehen vor der behördlichen Zulassung. Die Suche nach Indikationserweiterungen für einzelne Substanzen oder ihre Erprobung in Kombinationstherapien bestimmen heute das Feld der klinischen Forschung.

Die Therapiekosten mit zielgerichteten Substanzen liegen allerdings zum Teil erheblich über denen herkömmlicher Behandlungsformen. Daher ist eine strenge Kosten-Nutzen-Abwägung unabdingbar. Sollte der Einsatz zielgerichteter Strategien außerhalb von klinischen Studien in der Krebstherapie evidenzbasierten internationalen Richtlinien folgen, ist er vor dem Hintergrund der bereits jetzt verfügbaren erfolgversprechenden Datenlage gerechtfertigt.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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