Kreuzspinne trifft Brustimplantat: Neues aus der Biotechnologie

Die Seide der Kreuzspinne macht neue Hoffnung gegen die Kapselfibrose (© JPC-PROD - fotolia)

Von der Kreuzspinne zur Spinnenseide

Der Gedanke an eine Kreuzspinne mag den ein oder anderen ekeln. Aber was hat eine Kreuzspinne mit Brustimplantaten zu tun? Es ist die Seide, die das Interesse der Materialwissenschaftler und Mediziner geweckt hat. Ihre physikalischen Eigenschaften sind erstaunlich. Sie ist stabiler als Kevlar und gleichzeitig elastischer als Nylon. Biologisch betrachtet ist sie nicht weniger interessant, denn im Gewebe anderer Organismen löst sie keine Abstoßungsreaktion aus, d.h. sie ist biokompatibel. Um diese Eigenschaften nun aber für neue Anwendungen zu nutzen, war es notwendig, mehr über die "Herstellung" der Seide in der Spinne zu erfahren. Nach der Identifizierung des Gens, welches für die Seidenproduktion verantwortlich ist, wurde es in E.-coli-Bakterien übertragen. Wie bei der Herstellung von Medikamenten übernehmen diese nun die Produktion der Seide.

Spinnenseide als Biomaterial

Es stellte sich anschließend die Frage, wie man die Eigenschaften der "künstlich", d.h. außerhalb der Spinne hergestellten Spinnenseide zur Anwendung bringen könnte. Silikon ist eines in der Medizin am häufigsten eingesetzten Materialien. Dennoch löst es nicht selten eine Fremdkörperreaktion aus, die bei Brustimplantaten als Kapselfibrose oder Kapselkontraktur bezeichnet wird. Gerade Frauen nach einer Brustkrebsoperation und Rekonstruktion der Brust mit einem Brustimplantat belastet diese Komplikation sehr. Könnte eine Beschichtung mit Spinnenseide nicht eventuell die Verträglichkeit solcher Silikonimplantate verbessern? Unter der Leitung von Priv.-Doz. Dr. Zeplin ist eine Gruppe von Forschern aus Bayreuth, München und Leipzig dieser Frage nachgegangen und untersuchte den Einfluss der Spinnenseide auf das Gewebe über ein Jahr. Die Beobachtungen waren erstaunlich.
Die wasserabweisende Silikonoberfläche integrierte sich durch die Beschichtung deutlich besser in das umgebende Gewebe. Entzündungszellen, Fresszellen und Bindegewebe produzierende Zellen waren viel seltener anzutreffen als bei unbeschichteten Implantaten. Und: Dieser positive Effekt war auch noch ein Jahr nach der Implantation nachweisbar.

Aussicht für die Zukunft

Die Beobachtungen und die Innovation der Spinnenseidetechnologie sorgten in der Wissenschaft und Presse für großes Aufsehen. Die Ergebnisse wurde hochrangig publiziert und mehrfach ausgezeichnet - unter anderem mit der höchsten Auszeichnung der Deutschen Chirurgischen Gesellschaft, dem von-Langenbeck-Preis. Es bleibt spannend, welche Geheimnisse sich noch in der Spinnenseide verbergen und welche Anwendungen noch möglich werden. Es scheint, als wären beschichtete Brustimplantate nur der Anfang. Vielleicht erinnern Sie sich das nächste Mal an die herausragenden Eigenschaften der Spinnenseide, wenn Sie eine Kreuzspinne in Ihrem Garten eine Netz bauen sehen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel? 8

Kommentar abgeben oder Rückfrage stellen:

Kommentare (2)

Annett G.R., 15.04.2016 - 08:06 Uhr

Hallo, am 3.März wurden mir meine 10 Jahre alten Brustimplantate entfernt, da sich eine Kapselfibrose gebildet hatte. Neue Implantate wurden eingesetzt und eine Straffung sollte erfolgen. Es war jedoch schnell zu sehen, dass diese komplett misslungen ist. Auch die Ärztin bestätigte mir dies. Ich hatte zwei völlig verschiedene Brüste; ich wurde dann am 29.März noch einmal operiert, um die vorherige OP zu korrigieren. Jetzt im Heilungsprozess ist schon wieder zu erkennen, dass zwei völlig unterschiedliche Brustformen und Größen entstanden sind. Für mich ist das kein akzeptables Ergebnis und schon gar kein verbleibender Zustand. Ich bin Kassenpatientin, alle OPs wurden jedoch übernommen. Ich hatte keine Vorerkrankung und suche deshalb dringend ein kompetentes Ärzteteam, welches mir helfen kann. Danke. Annett G.R.

Antwort von Schlosspark Klinik Ludwigsburg Privatklinik für Plastische- und Ästhetische Chirurgie, verfasst am 18.04.2016

Sehr geehrte Patientin, ich würde Ihnen empfehlen, sich durch einen weiteren Plastischen Chirurgen unabhängig beraten zu lassen. Selbstverständlich stehen wir Ihnen hierzu ebenfalls zur Verfügung. Ihr Team der Schlosspark Klinik

Interessante Artikel zum Thema

Sie suchen einen passenden Arzt für Ihre Symptome?