Aquabeam: Robotergesteuerte Therapie der Prostata mit Wasserstrahl

Dr. Thiel

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© Ocskay Mark - fotoliaWelche Vorteile bringt die Aquabeam-Behandlung mit sich? (© Ocskay Mark - fotolia)Die gutartige Vergrößerung der Prostata (BPH) ist bei Männern über 50 die häufigste Ursache für Probleme beim Wasserlassen. Neben den etablierten medikamentösen und Standard-OP-Verfahren gibt es immer mehr moderne Techniken, die die Beschwerden verbessern können.

Das Spektrum reicht heute von der herkömmlichen TUR (transurethrale Resektion) – vom Laien gelegentlich als "Hobeln" bezeichnet – über Laserverfahren bis hin zu Enukleationsverfahren. Bei Enukleationsverfahren werden die Prostatalappen im Ganzen entfernt und in der Blase zerkleinert.

Daneben gibt es einige minimal invasive Verfahren für besondere Fälle wie sehr kranke und kaum operable Patienten. Alle dienen dem Zweck, das Wasserlassen wieder zu normalisieren und eine Katheterbehandlung zu vermeiden.

So läuft die robotergesteuerte Behandlung ab

Seit 2018 existiert in Deutschland eine neuartige Methode, bei der die Prostata von innen her mit einem kräftigen Wasserstrahl "wie mit einem Kärcher" ausgeschält wird. Bei der "Aquabeam" oder "Aquablation" genannten Technik wird zunächst die Prostata über Ultraschall vermessen. Anschließend wird das Operationsfeld mittels Computer nach Angaben des Chirurgen exakt markiert.

Ein Roboter steuert dann den beweglichen und einstellbaren Wasserstrahl und fräst eine individuell geplante Höhle in die Prostata, damit der Weg für das Wasserlassen wieder frei wird. Das Ganze geht in Narkose in einem kleinen stationären Krankenhausaufenthalt, wobei die Gewebeabtragung an sich in wenigen Minuten erledigt ist.

Der Chirurg verfolgt die Prozedur von innen per Video und von außen per Ultraschall. Es handelt sich also um ein nicht-thermisches Verfahren, bei dem keine Hitze zum Schneiden oder Ausflocken verwandt wird. Anschließend wird wie bei fast allen Prostata-Operationen für ein bis zwei Tage ein Katheter in die Blase eingelegt. Der Krankenhausaufenthalt beträgt zwei bis drei Tage.

Für welche Patienten bietet sich diese Methode an?

Geeignet ist die neue Methode für viele Patienten mit vergrößerter gutartiger Prostata im Bereich zwischen 30 und 150 ml. Die Patienten sollten aber möglichst keine Blutgerinnungshemmer nehmen müssen, da es sonst zu Komplikationen während oder nach der Operation kommen kann.

Entzündungen oder Steine in der Blase sind ebenfalls relative Ausschlusskriterien; gelegentlich auch die genaue Anatomie der Prostata.

Welcher Patient exakt für diese neue und noch wenig verbreitete Methode in Frage kommt, kann nur der Operateur selbst entscheiden. Die Entscheidung hängt auch noch von weiteren Faktoren ab. In der Regel ist eine persönliche Untersuchung in der behandelnden Klinik erforderlich.

Mit welchen Ergebnissen kann gerechnet werden?

Erste klinische Ergebnisse mit mehreren tausend Patienten weltweit und Nachuntersuchungen in Studien zeigen sehr gute Erfolge, teilweise sogar mit Schonung der Ejakulation. Mehr als 90 % der Patienten können nach dem Eingriff gut mit gebessertem Strahl Wasserlassen. Auch die Häufigkeit der Toilettengänge nimmt ab. Die Komplikationsraten sind in geübten Händen ähnlich wie bei den oben erwähnten herkömmlichen Methoden.

Trotzdem ist es ein operatives Verfahren, das noch neu ist und über das keine Langzeitergebnisse vorliegen. Derzeit kann noch nicht beurteilt werden, welchen Stellenwert es bei der operativen Therapie des Prostataadenoms in Zukunft haben wird. Dazu laufen weltweit noch Studien.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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