Behandlung des Sinus pilonidalis

Prof. Dr. Jacob

von
verfasst am

© jpbcpa - istock© jpbcpa - istockDer Sinus pilonidalis (lat.: sinus - Höhle; pilus - Haar; nidus - Nest) ist eine akute oder chronische Entzündung des Unterhautfettgewebes im Bereich der Steißbeinregion, die sowohl angeboren als auch erworben sein kann. Dabei bildet sich eine Entzündung im Bereich oberhalb der Analfalte (Rima ani) aus, die bei der erworbenen Form durch einwachsende Haare ausgelöst werden kann. Das Krankheitsbild betrifft meistens Männer mit starkem Haarwuchs zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Die Therapie ist immer chirurgisch und richtet sich nach dem aktuellen Entzündungsstadium.

In den meisten Kliniken wird nach wie vor eine radikale Ausschneidung der betroffenen Stelle durchgeführt, was aber für die Patienten eine langwierige Nachbehandlung von mehreren Monaten bis zu einem Jahr nach sich zieht. Tägliche Verbandswechsel sind erforderlich, da die offene Wundbehandlung zu einer starken Sekretion von Wundwasser führt. Dieses ist für die häufig berufstätigen Patienten zeitlich und nach mehreren Wochen auch psychisch sehr belastend. Daher sollten sich Patienten vor einem geplanten Eingriff in ihrer Umgebung über Chirurgen informieren, die sich auf die Behandlung dieser Erkrankung mit plastischer Deckung spezialisiert haben.

Akute Entzündung: Diese ist als ein Abszess nicht nur sehr schmerzhaft, sondern auch gefährlich, wenn sich die Entzündung weiter im Gesäß- und Analbereich ausbreitet. Wie bei größeren Abszessen am Körper ist hier auch die sofortige chirurgische Eröffnung (Inzision) und Entlastung des Eiters erforderlich. Dabei ist zu beachten, dass die Operation in den meisten Fällen gut in lokaler Narkose und ambulant in einer chirurgischen Praxis durchgeführt werden kann. Ein Krankenhausaufenthalt ist nicht erforderlich. Nach Abheilung der akuten Entzündung innerhalb von 4-6 Wochen kann eine Entfernung der erkrankten Stelle (Exzision) mit anschließender plastischer Deckung erfolgen.

Chronische Entzündung: Das Vorhandensein einer Steißbeinfistel entspricht diesem Stadium und es sind oft eine oder auch mehrere Öffnungen (Porus) zu sehen. Es fehlen jedoch die Zeichen einer akuten Entzündung wie Rötung, Überwärmung oder schmerzhafte Schwellung. Die Operation kann bei kleineren Befunden ambulant in lokaler Narkose oder auch in Vollnarkose erfolgen. Hierbei wird die krankhafte Stelle bis auf das Bindegewebe (Faszie) des Knochens (Steißbein) mit dem Strommesser (Diathermie) herausgeschnitten und eine plastische Deckung durchgeführt. Dieses kann u.a. in der Technik nach Karydakis oder Limberg erfolgen. Manche Chirurgen legen eine Drainage für das Wundwasser für 1-2 Tage ein. Die Fäden werden nach 10-12 Tagen entfernt.

Wichtig ist, dass Patienten mit einer plastischen Deckung nach 2 Wochen in der Regel keine Schmerzen mehr haben und wieder in das Arbeitsleben integriert werden können. Rezidive können nach allen Verfahren auftreten. Zur Rezidivprophylaxe ist gegenwärtig die Haarentfernung mittels Laser (Epilation) zu empfehlen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel?
18
Interessante Artikel zum Thema „Männer”

Kommentar abgeben oder Rückfrage stellen:

Ihr Name(wird veröffentlicht)
Ihre E-Mail(wird nicht veröffentlicht)
Ihr Kommentar(wird veröffentlicht)
  

Kommentare zum Artikel (1)


31.08.2016 - 17:31 Uhr

Alle Betroffenen sollten sich unbedingt über das...

von Klaus

... sogenannte "Pit Picking" informieren! Es handelt sich um einen minimal-invasiven Eingriff mit minimalen Wunden sowie keiner langwierigen und lästigen Nachsorge der Wunde. Wird leider nur von wenigen Ärzten in Deutschland durchgeführt. Viele Chirurgen werden zudem sicherlich insistieren, dass die "Metzgermethode" die einzig wahre Heilung bringt. Nicht einlullen lassen, sondern selbst informieren!

Prof. Dr. Jacob

Antwort vom Autor am 06.09.2016
Prof. Dr. med. Dietmar Jacob

Selber informieren ist immer gut. Allerdings sollten die Patienten sich auch umfassend informieren. So ist das Pit Picking durchaus in der Durchführung für den Patienten und Arzt attraktiv, hat allerdings wesenlich höhere Rezidivraten und ist nur bei kleineren Befunden möglich. Aber dafür haben wir die freie Arztwahl und nach wie vor das persönliche Gespräch mit Untersuchung. Eine plastische Operation als "Metzgermethode" zu bezeichnen halte ich allerdings für sehr gewagt und in einer seriösen Diskussion für nicht hifreich. Mit freundlichen Grüßen Prof. Dr. Dietmar Jacob


Inhaltssuche

Durchsuchen Sie sämtliche Artikel auf jameda. Wenn Sie auf der Suche nach Ärzten oder Heilberuflern sind, geht es hier zur Arztsuche

Passende Behandlungsgebiete und Lexikon-Inhalte

Ärzte für spezielle Behandlungsgebiete

jameda Behandlungsgebiete

Über Krankheiten und Symptome informieren

Das jameda Lexikon