Prostatavergrößerung ohne Operation behandeln: So funktioniert die Embolisation

Prof. Dr. Habermann

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© Prof. Dr. Habermann - MarienkrankenhausBei der Embolisation schrumpft die Prostata, indem die Blutzufuhr der Prostata verringert wird. (© Prof. Dr. Habermann - Marienkrankenhaus)Häufiger Harndrang und das Gefühl, dass die Blase nie ganz leer wird – das sind typische Symptome bei einer Prostatavergrößerung. Millionen Männer sind davon betroffen. Jetzt gibt es eine neue Behandlungsmöglichkeit, die besonders schonend ist. Bei der sogenannten Embolisation bleiben Potenz und Kontinenz erhalten.

Welche Folgen bringt eine Prostatavergrößerung mit sich?

Eine gutartige Vergrößerung der Prostata kann sehr belastend sein. Viele Männer müssen so oft zur Toilette, dass sie nachts nicht mehr genug Schlaf bekommen und tagsüber völlig erschöpft sind. Der chronische Schlafmangel schwächt auf Dauer den gesamten Körper.

Die Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt, liegt unterhalb der Blase und umfasst ringförmig die Harnröhre. Zusammen mit den Samenbläschen bildet die Prostata die Samenflüssigkeit.

Ab etwa dem 50. Lebensjahr beginnt das Gewebe der Vorsteherdrüse in der Regel, etwas zu wachsen. Die Ursachen dafür sind wahrscheinlich Hormonveränderungen. Durch die Prostatavergrößerung wird die Harnröhre eingeengt, wodurch es zu den Schwierigkeiten beim Wasserlassen kommt. Der medizinische Fachausdruck für diese Beschwerden lautet „Benignes Prostatasyndrom“, abgekürzt BPS. Der Begriff "benigne" bedeutet "gutartig". Gemeint ist damit, dass es sich dabei nicht um Krebs handelt. 

Wie werden Prostataerkrankungen behandelt?

Zunächst wird fast immer versucht, mit Medikamenten zu behandeln. Auch ein Blasentraining oder pflanzliche Mittel helfen manchmal. Doch bei stärkerer Vergrößerung der Prostata bringen diese Maßnahmen meistens nicht den gewünschten Erfolg. Bisher blieb den betroffenen Männern in solchen Fällen nur noch übrig, sich operieren zu lassen.

Bei der Operation wird die Prostata entweder komplett entfernt oder so verkleinert, dass sie nicht mehr auf Blase und Harnröhre drückt. Dieser Eingriff kann starke Nebenwirkungen haben. Erektionsstörungen oder Probleme beim Wasserlassen sind dann oft die Folge. Außerdem kann eine Operation unter Vollnarkose besonders für ältere Männer belastend sein.

Was ist die Embolisationstherapie?

Jetzt gibt es eine völlig neue Therapie: die Embolisation, auch Verödung genannt. Das Prinzip beruht darauf, dass die Gefäße blockiert werden, die die Prostata versorgen. Dadurch wird die Blutzufuhr unterbrochen und die Prostata schrumpft.

Die Embolisation gilt als sehr schonend und ist frei von Nebenwirkungen. Das liegt daran, dass die Prostata selbst bei der Embolisation gar nicht angerührt wird. Somit bleiben Potenz und Kontinenz erhalten. Für die Embolisation ist auch keine Vollnarkose notwendig, eine lokale Betäubung reicht. Auch bei Frauen mit Myomen wird die Embolisation bereits seit Jahren erfolgreich eingesetzt.


© Monkey Business - fotoliaDie Embolisation ist eine schonende Behandlung, bei der keine OP-Risiken entstehen. (© Monkey Business - fotolia)So funktioniert die Embolisation bei der Prostatavergrößerung

Durch einen kleinen Einstich in der Leiste des Patienten führt der Arzt einen winzigen Katheter in die Arterie ein. Vorsichtig schiebt der Radiologe den Katheter bis zur Prostata-Arterie vor. Das wird durch bildgebende Verfahren ermöglicht.

Dem Arzt steht eine hochmoderne Rotationsangiographie zur Verfügung, die selbst kleinste Arterien räumlich darstellen kann. Außerdem wird zeitgleich eine Computertomographie durchgeführt. Bei der Platzierung des Katheters sind diese Bilder eine große Hilfe.

Ist der Katheter an Ort und Stelle, werden die Embolisationspartikel über den Katheter in das Gefäß gespritzt. Die winzigen Kunststoffkügelchen unterbrechen die Blutzufuhr, sodass die Prostata schrumpft.

In der Regel wird der Patient einen Tag nach dem Eingriff aus dem Krankenhaus entlassen und kann am nächsten Morgen nach Hause fahren. 

Patienten berichten häufig, dass sie bereits nach vier Wochen eine deutliche Besserung bemerken konnten. Der Harndrang ist viel weniger geworden und der Patient kann wieder besser schlafen. Nach sechs Monaten ist die Prostata in der Regel auf Normalgröße geschrumpft. Studien bestätigen den Erfolg des Verfahrens, das von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (5)


12.11.2018 - 09:26 Uhr

Wird die Embolisation von der Krankenkasse...

von Wieber G.

... bezahlt?

Prof. Dr. Habermann

Antwort vom Autor am 13.11.2018
Prof. Dr. med. Christian Habermann

Guten Tag und vielen Dank für Ihre Frage! Die Kosten für das Verfahren werden in der Regel von den Krankenkassen übernommen. Sie sollten sich aber in jedem Fall mit Ihrem Anbieter in Verbindung setzen, um die Frage zu klären. Beste Grüße aus dem Marienkrankenhaus!

07.11.2018 - 10:58 Uhr

Wo bzw. in welchen Krankenhäusern kann die...

von Peter F.

... Embolisation durchgeführt werden - z.B. in Stuttgart ?

Prof. Dr. Habermann

Antwort vom Autor am 07.11.2018
Prof. Dr. med. Christian Habermann

Hallo Herr Peter F, wenn Sie im Internet nach "Prostataembolisation Stuttgart" recherchieren, sollten einige Treffer mit dabei sein, die Ihnen weiterhelfen. Mit besten Grüßen aus Hamburg Ihr C. Habermann

19.09.2018 - 14:22 Uhr

Die Embolisation klingt seht interessant.Hat die...

von PeGro

... Methode auch Nachteile? Als Laie frage ich mich natürlich, was mit der prostata passiert, wenn sie dauerhaft von der Blutversorgung "abgeschnitten" ist. Stirbt sie da nicht irgendwann vollständig ab? Wäre das nicht gefährlich? Neugierige Grüße! ;-)

Prof. Dr. Habermann

Antwort vom Autor am 20.09.2018
Prof. Dr. med. Christian Habermann

Lieber PeGro, um Ihre Neugier zu stillen: Die Prostata wird gewissermaßen nur auf „Diät“ gesetzt :) Es werden nur die beiden großen Hauptgefäße verschlossen. Die Prostata wird von kleinsten Gefäßen weiter versorgt, so dass sie nicht abstirbt. Bei weiteren Fragen können Sie sich gern melden.

06.09.2018 - 22:12 Uhr

Mein Vater 73 wohnt in Sachsen, Bautzen. Er...

von Schmuck

... möchte wenn möglich dieses Verfahren anwenden lassen. Welche Kliniken/Ärzte führen eine Embolisation durch und haben damit genügend Erfahrung?

Prof. Dr. Habermann

Antwort vom Autor am 10.09.2018
Prof. Dr. med. Christian Habermann

Liebe / lieber Schmuck! Der Eingriff wird wie gesagt mittlerweile in einigen spezialisierten Zentren in Deutschland vorgenommen. Im Marienkrankenhaus haben wir bislang rund 300 Patienten nach dieser Methode behandelt. Rufen Sie uns bei weiteren Fragen gern an unter 040 / 25 46-17 76.

30.08.2018 - 16:31 Uhr

Mein Vater hatte eine Harnentleerungsstörung. Er...

von Schmuck

... wird derzeit mit einem Blasenkatheter therapiert. Seit heute wird zusätzlich eine medikamentöse Therapie mit Finasterid und einem weiteren Medikament versucht. Am 3.9. soll probiert werden, ob es ohne Katheter mit dem Harnlassen funktioniert. Der behandelnde Arzt führte eine Sono durch und stellte eine Prostatavergrößerung fest. Kann man bei der Sono sehen, ob diese gut oder bösartig ist? Mein Vater wohnt in Bautzen. Welche Kliniken führen die Embolisation durch? Bekommt der Patient einen Endbefund, ob gut- oder bösartig? Und welche Form der Anästhesie wird angewandt? Mit freundlichen Grüßen K. Schmuck

Prof. Dr. Habermann

Antwort vom Autor am 04.09.2018
Prof. Dr. med. Christian Habermann

Liebe / lieber K. Schmuck! Vielen Dank für Ihren Kommentar. Hinsichtlich der Gut- oder Bösartigkeit einer Prostatavergrößerung wird jeder Patient einen Befund mit den entsprechenden Ergebnissen durch den behandelnden Facharzt erhalten - in diesem Fall vom Urologen. Die Prostataarterienembolisation wird mittlerweile in einigen spezialisierten Zentren in Deutschland durchgeführt (u.a. in Berlin, in Jena und im Marienkrankenhaus Hamburg). Der Eingriff wird unter Lokalaästhesie durchgeführt. Sollten eine Behandlung im Marienkrankenhaus für Ihren Vater in Betracht kommen, dann rufen Sie uns gern an unter 040 / 25 46-17 76. Weitere Informationen finden Sie auch unter www.marienkrankenhaus.org/pae


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