Schonende Prostata-Krebstherapie mit Ultraschallwellen (HIFU)

Dr. Thiel

von
verfasst am

Prostatakrebs ist behandelbar! Bei Prostatakrebs verfügt die Medizin über ein breites Spektrum von Behandlungsmöglichkeiten. Diese reichen vom Abwarten und Kontrollieren (Active Surveillance) über strahlentherapeutische Methoden bis hin zur Radikaloperation. Bei letzterer wird die ganze Prostata entfernt, auch wenn nur ein kleiner Tumorherd vorhanden ist. Bei anderen Krebsarten wie Brustkrebs oder Nierenkrebs ist man allerdings seit längerem dazu übergegangen, nur den Tumor selbst zu entfernen und das gesunde Organ zu belassen.


Behandlungsmöglichkeiten

Die Fokaltherapie

Eine Teilentfernung des Tumors ist bei der Prostata gegenwärtig chirurgisch nicht möglich. Trotzdem hat sich in den letzten Jahren aber eine sogenannte Fokaltherapie entwickelt, bei der nur der Krebsherd in der Prostata behandelt wird und die übrige Drüse gesund bleibt.

Dieses Vorgehen schützt weitgehend vor den gefürchteten Nebenwirkungen wie Inkontinenz oder Impotenz und sogar die Ejakulation bleibt weiterhin vorhanden.
 

Therapie mit hochintensiven Ultraschallwellen

Besonders schonend hat sich die Therapie mit hochintensiven Ultraschallwellen (HIFU) erweisen. Hierbei wird über eine Spezial-Ultraschallsonde Energie in die Prostata eingeleitet, die dann wie in einem Brennglas mit Temperaturen über 80 Grad fokusiert wird. Das umgebende gesunde Gewebe wird gleichzeitig gekühlt.

Damit können mit den allerneuesten Techniken (z.B. Focal One) punktgenau selbst kleine Tumoren wie eine Erbse zerstört werden, bevor sie sich weiter ausbreiten. Bei der Behandlung fließt kein Blut und das Nachbargewebe wird maximal geschont.

Das HIFU-Verfahren wird zwar schon seit über 10 Jahre angewandt, seit 2013 steht jedoch erst eine neue Gerätegeneration zur Verfügung, die eine sehr genaues und schonende Behandlung erlaubt. Die Lokalisation des Tumorherdes in der Prostata erfolgt dabei zunächst mit einem sogenannten multiparametrischen MRT der Prostata mit nachfolgender Fusionsbiopsie. Dadurch weiß der Urologe sehr genau, an welcher Stelle sich wie viel bösartiger Tumor befindet.


Für wen ist die HIFU-Therapie geeignet?

©Halfpoint - fotoliaGeben Sie Prostatakrebs keine Chance! (©Halfpoint - fotolia)Diese HIFU-Therapie bei Prostatakrebs ist allerdings nur für bestimmte Patienten geeignet: vor allem kleine und wenig bösartige Tumorherde lassen sich damit gut behandeln. Bei sehr aggressiven Unterarten des Krebses ist weiterhin eine komplette Behandlung der Prostata mit Operation oder Bestrahlung notwendig. Wenn der Krebs nach Jahren wiederkommt (Rezidiv), kann die HIFU-Therapie ebenfalls angewandt werden.

In Deutschland bieten einige spezialisierte Zentren die Focal One-HIFU-Therapie an. Sie ist eine entscheidende Weiterentwicklung des Vorgängerverfahrens (Ablatherm), bei dem in der Regel eine ganze Hälfte der Prostata therapiert werden muss.
 

Fazit

Über Erfolge, Wirkungen und - bislang sehr wenige - Nebenwirkungen der HIFU-Therapie weiß man noch wenig, die bisherigen Erfahrungen sind jedoch sehr ermutigend.

Es sind europaweit einige Studien angelaufen, die diese Fragen klären sollen. Das Verfahren stellt für einige Prostatakrebspatienten eine sehr schonende Alternative dar.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (1)


26.04.2017 - 17:14 Uhr

Mit Erschrecken musste ich diesen Artikel lesen....

von T.F.

... Er verwirrt ausschließlich die Patienten und bietet nur sehr ungenaue Informationen. Die hier niedergeschriebenen Zeilen lesen sich eher wie eine Werbebotschaft. Es fehlt der entscheidende Hinweis, dass es sich bei jeglicher fokalen Therapie des Prostatakarzinoms lediglich um eine „experimentelle“ Therapie handelt. Es gibt keine wissenschaftlich belastbaren Daten zu allen fokalen Therapievarianten beim Prostatakarzinom. Dies trifft auch auf diese Behandlungsmethode zu. Es ist sehr traurig, dass bei einer Methode, die wie vom Verfasser angegeben bereits seit 10 Jahren verfügbar ist, keine aussagekräftigen klinischen Studien vorliegen. Ich möchte mich in keiner weiteren emotionalen Argumentation ergehen. Essenziell ist jedoch darauf hinzuweisen, dass entsprechend der S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom diese Behandlung ausschließlich im Rahmen von klinischen Studien erfolgen darf. Bei jeder Behandlung eines Patienten mit dieser Therapiemethode muss explizit darauf hingewiesen werden, dass es sich nicht um eine leitliniengerechte Behandlung handelt. In diesem Artikel fehlt mir dieser Hinweis an die Leser.

Dr. Thiel

Antwort vom Autor am 27.04.2017
Dr. med. Ralf Thiel

Sehr geehrter anonymer Verfasser, vielen Dank für Ihren Kommentar. Es gibt zum Thema HIFU beim Prostatakrebs über 70 international publizierte Veröffentlichungen. Es handelt sich nicht um eine experimentelle Methode, sondern eine besonders sorgfältige in Studien untersuchte Technik, die auch ständig weiterentwickelt wird. Die gegenwärtige S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom ist veraltet und wird derzeit überarbeitet. Die neue Leitlinie wird genauere Angaben zu fokalen Therapien beinhalten. Im Artikel wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich (bei FocalOne) um ein neues Verfahren handelt und dass die Behandlungen in Studien laufen sollten. Langzeitergebnisse fehlten selbstverständlich. Es gibt nach wie vor weltweit keine einzige prospektiv randomisierte Studie, die die unterschiedlichen Behandlungsmethoden beim Prostatakarzinom miteinander vergleicht. Die einzige Studie, die das vor hatte (PREFERE), ist gerade wegen mangender Fallzahlen gestoppt worden, so dass wir auch in Zukunft auf die Expertise von Spezialisten angewiesen sind und nicht auf harte Daten zurückgreifen können. Die HIFU-Methode ist- im Gegensatz zu tatsächlich experimentellen Verfahren wie IRE - auch von den gesetzlichen Krankenkassen anerkannt und wird ohne Zuzahlung erstattet. Im übrigen kann ein solcher Kurzartikel nur einen Überblick geben und kann nicht ins Detail gehen und alle Aspekte beleuchten. Diesbezüglich haben Sie Recht. Jede Therapie eines Prostatakarzinoms ist eine absolut individuelle, die zahlreiche Parameter berücksichtigen muss. Und: ohne neue Techniken und Studien gibt es keinen Fortschritt in der Medizin!


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