Testosteronmangel bei Normalwerten - Psychische Ursachen beim Mann

Dr. von Kellenbach

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© Fleafer - iStockZu viel Stress kann den Testosteronhaushalt des Mannes beeinflussen. (© Fleafer - iStock)Testosteron, das wichtigste männliche Sexualhormon, erreicht bereits direkt nach der Geburt beim Knaben Werte wie beim gesunden erwachsenen Mann. Anschließend fällt es rasch ab, um in der Pubertät dann wieder bis zum erwachsenen Normwert anzusteigen. Dieser Wert  kann, wie wir wissen, individuell, rassisch und ebenso tageszeitlich schwanken.

Ursachen für Testosteronschwankungen

Zum einen können diese an der Konfiguration des Androgenrezeptors, zum anderen am zirkadianen Rhythmus liegen. Nachts ist der Testosteronspiegel am höchsten, abends am niedrigsten. Der überwiegende Teil des Testosterons ist durch Eiweißbindung, im Wesentlichen durch das Sexualhormon-bindende Globulin (SHBG), inaktiviert und somit wirkt nur das sogenannte freie Testosteron. 
Durch Erkrankung, Verlust oder Fehlentwicklung der Hoden ist ein Testosterondefizit selbstredend. Überraschenderweise findet sich bei Sexualhormonanalysen nicht selten beim Mann auch ein Testosteronmangel, obwohl die Hoden von Tastbefund und Ultraschalluntersuchung her völlig normal erscheinen.

© Syda Productions - FotoliaMüdigkeit und Schlappheit gehören zu den gängigsten Anzeichen eines Testosteronmangels beim Mann. (© Syda Productions - Fotolia)Wer sind die Betroffenen?

Die Symptome treten in jedem Alter, nach Beendigung der Pubertät,auf. Beim 25-jährigen, ebenso wie beim Mittvierziger. In der Anamnese zeigt dies zunächst keine Auffälligkeiten; außer einem verringertem Antrieb oder schnellerer Ermüdbarkeit gibt es keine weiteren Anzeichen. Erektionsstörungen findet man zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor. 
Die Männer heutzutage sind jedoch beruflich stark und andauernd beansprucht, oft werden sie sogar durch positive Erfolgserlebnisse zusätzlich motiviert. Dies führt sie oft bis zum Workaholic! Bei solch einem längeren Verlauf kippt jedoch die Motivation bis hin zum finalen Burnout. Der Gang zum Psychiater folgt, verbale Psychotherapie und Psychopharmaka sind angesagt. Die Sexualhormonanalyse zeigt praktisch immer Testosteronwerte nahe dem Kastrationsniveau. Hierbei sind jedoch die Gonadotropine, FSH (follikel-stimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon) auf ebenfalls einem sehr niedrigen Niveau. Hieraus ergibt sich der eindeutige Schluss einer sogenannten zentralnervös bedingten Störung mit einem nachfolgenden Testosterondefizit. Die direkt anschließende Konsequenz ist zunächst immer eine Regulierung des Hormonmangels, nachfolgend der ungleich schwierigere Versuch, die Ursachen im sozialen Netz zu minimieren bzw. auszuschalten.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Eine kluge andrologische Therapie zur Testosteron-Normalisierung ist erforderlich, eine direkte Testosteronzufuhr (Gel oder Spritze) sollte jedoch zur Vermeidung von dauernder Unfruchtbarkeit und Hodenschrumpfung als primäre Maßnahme unbedingt vermieden werden. Leider wird dieser Weg immer wieder einfachheitshalber gewählt, die langfristigen Folgen können jedoch katastrophal sein. Bevor sich der Patient hierzu entschließt, solle er sich eine zweite Meinung beim Andrologen einholen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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