Durchfall, Fieber, Übelkeit: Typische Symptome der Salmonellose

Wer an Salmonellose erkrankt ist, leidet unter starkem Durchfall und Übelkeit (©fotolia-Igor Mojzes)

Sie haben Durchfall, der drei Tage oder länger andauert? Trinken Sie so viel Wasser, wie Sie können und gehen Sie schnell zum Arzt! Es könnte eine Salmonellose sein. Lesen Sie hier, was das ist, wo Salmonellen lauern, wie die Behandlung aussieht und wie Sie vorbeugen können.

Die typische Lebensmittelvergiftung

Die Salmonellose ist eine Infektion des Magen-Darm-Systems, wird auch Salmonella-Gastroenteritis genannt und entsteht durch Ansteckung mit dem Bakterium Salmonella. Es gibt ungefähr 2.500 verschiedene Salmonella-Varianten, auch Salmonella-Serovaren genannt. Davon können rund 500 Varianten eine Erkrankung beim Menschen auslösen.

Die Salmonella Enteritidis und die Salmonella Typhimurium verursachen die meisten Magen-Darm-Entzündungen in Deutschland. Die Salmonella Enterica Typhi und die Salmonella Paratyphi wiederum stecken hinter den Infektionen Typhus und Paratyphus, die im weiteren Sinne auch zu den Salmonellosen zählen. 

Die klassische Salmonellose durch S. Enteritidis oder S. Typhimurium ist die typische Lebensmittelinfektion oder -vergiftung, weil die Salmonellen durch verunreinigtes Wasser oder kontaminierte Lebensmittel in den Körper gelangen.

Hohe Dunkelziffer

Die Salmonellose ist in Deutschland meldepflichtig. Dennoch gehen die Behörden davon aus, dass die meisten Erkrankungen nicht gemeldet werden, weil die Betroffenen sie nicht erkennen und nicht zum Arzt gehen. Im Jahr 2014 wurden 16.222 Salmonellosen und 17 salmonellabedingte Todesfälle bekannt.

Bundesweit werden Zuchtgeflügel, Legehennen, Masthähnchen und Puten gegen Salmonellen geimpft, wodurch der Zahl der Salmonellosen abgenommen hat.

Am häufigsten kommt die Erkrankung bei Kindern unter 10 Jahren vor. Tödlich geht sie aber eher ab einem Durschnittalter von 83 Jahren aus.

Salmonellen werden über Lebensmittel, besonders Fleisch und Eier, übertragen (© kevinruss_iStock)
Ursache: kontaminierte Lebensmittel

Die Salmonellen stecken in kontaminierten Lebensmitteln, wie Rinder-, Schweine- und Geflügelfleisch. Sie kommen auch in Eiern vor, insbesondere, wenn sie roh verzehrt oder nicht ausreichend erhitzt werden.

Die Salmonellen infizieren den Dünndarm und den oberen Teil des Dickdarmes, indem sie in die Zellen der Darmschleimhaut eindringen und Giftstoffe freisetzen.

Auch nicht kontaminierte Lebensmittel können von infizierten Menschen ,,kreuz-kontaminiert‘‘ werden und zur Ansteckung führen. In den letzten Jahren gab es in Deutschland Fälle von Kreuzkontaminationen und Ausbrüchen, die mit dem Verzehr von Kräutertee, Schokolade, Mungobohnensprossen, Melonen oder geräuchertem Aal in Zusammenhang gebracht wurden. Dagegen helfen strenge Hygienemaßnahmen bei der Zubereitung der Lebensmittel.

Auch Tiere haben Salmonellen. Sie sind insbesondere bei Säugetieren, Reptilien, Vögeln und Insekten zu finden. Die Bakterien werden von den Tieren durch den Stuhl ausgeschieden, was bei mangelnder Hygiene zu weiteren Ansteckungen führt. Exotische Reptilien, wie zum Beispiel Schildkröten, Schlangen, Geckos und Leguane, sind bis zu 90 Prozent mit Salmonellen infiziert, ohne selbst krank zu sein. Die Bakterien treten nicht nur an den Ausscheidungen der Tiere auf, sondern auch auf der Haut und im Rachen, was die Ansteckungsgefahr deutlich erhöht.

Symptome: Durchfall und Übelkeit

Die Inkubationszeit der Salmonellose ist kurz und dauert 6 bis 72 Stunden. Die Infektion äußert sich mit plötzlichem Durchfall, Magen- und Bauchkrämpfen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie leichtem Fieber. Der Durchfall ist wässrig, grün und brennend oder auch wässrig mit Blut.

Die Symptome dauern mehrere Tage und führen besonders bei Kleinkindern oder älteren Erwachsenen dazu, dass der Körper austrocknet. Deswegen ist es wichtig, ausreichend Flüssigkeit zuzuführen, notfalls auch intravenös. Anzeichen der Austrocknung sind:

  • eine trockene belegte Zunge
  • eingesunkene Augen
  • klanglose Stimme
  • niedriger Blutdruck
  • Wadenkrämpfe

Der Flüssigkeitsverlust verdickt das Blut, was das Risiko für Thrombosen erhöht.

Selten breitet sich der Erreger im Körper aus und verursacht eine lebensbedrohliche Komplikation mit einer Blutvergiftung. Bei Menschen, die älter als 60 Jahre sind, befällt der Erreger verschiedene Organe. Die Folgen sind Gelenk-, Gallen-, Herzinnenhaut-, Herzaußenhaut-, Gehirnhaut-, Lungen- oder Nierenentzündungen.

Am schwersten verlaufen Salmonellosen bei Krankenhauspatienten und pflegebedürftigen Personen, die von Vorerkrankungen geschwächt sind oder magensäurehemmende Medikamente einnehmen müssen, da der saure Magensaft die Bakterien abtötet.

Ohne Behandlung endet eine Salmonellose bei geschwächten Menschen bei bis zu 5 Prozent der Fälle tödlich.

Diagnose: Salmonellen-Erregernachweis

Ob ein Durchfall durch Salmonellen oder andere Ursachen ausgelöst wurde, kann mit dem Erregernachweis festgestellt werden. Die Probe kann aus dem Stuhl, Rektalabstrichen, Erbrochenem oder sogar aus verdächtigen Lebensmitteln genommen werden.

Wenn der Arzt Verdacht schöpft, dass sich die Salmonellen über das Blut auf andere Organe übertragen hat, dann werden auch Blutproben untersucht.

Da der Körper viel Flüssigkeit durch den Durchfall verliert, ist es wichtig ausreichend zu trinken (© isa-7777_iStock)
Behandlung: Flüssigkeitszufuhr und Antibiotikatherapie

Das Wichtigste ist, den Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust auszugleichen. Zu diesem Zweck gibt es spezielle Elektrolyt-Glucose-Trinklösungen. Notfalls können Flüssigkeit oder auch Elektrolyte intravenös und stationär hinzugefügt werden, wobei die Kreislauffunktionen überwacht werden sollten, damit der Körper nicht austrocknet oder der Kreislauf zusammenbricht.

Viele Patienten fragen sich, was sie essen dürfen. Während der Erkrankung tut lauwarme, flüssige Nahrung gut. Beginnen Sie mit Suppen und bauen Sie die Mahlzeiten langsam in kleinen Portionen auf. Vermeiden Sie kalte und rohe Speisen.

Vorschlag: Eine Antibiotikatherapie ist nicht bei jeder Salmonellose sinnvoll, da es so länger dauern kann, bis die Erreger mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Antibiotika wird dagegen bei schweren Fällen wie bestimmten Risikogruppen oder bei Blutvergiftungen empfohlen. Die Risikogruppen sind:

  • Kleinkinder, die jünger als 1 Jahr sind
  • ältere Menschen
  • Menschen mit angeborenen oder erworbenen Störungen des Abwehrsystems
  • Personen mit Missbildungen der Herzklappen oder Gefäße

Die Wahl der Medikamente hängt von den Ergebnissen der Resistenztestung ab. Dann kommen Cephalosporine der 3. Generation, Ampicillin, Co-Trimoxazol oder Fluorochinolone wie Ciprofloxacin in Frage.

Vorbeugen und Selbsthilfe

Salmonellen sind hartnäckig. Schmuggeln sie sich in Lebensmittel, überleben sie dort mehrere Monate, sogar wenn sie eingefroren werden. Aber folgende Maßnahmen helfen:

  • Achten Sie auf das Verfallsdatum und eine ununterbrochene Kühlkette, wenn Sie Lebensmittel einkaufen.
  • Bewahren Sieeiweißhaltige Lebensmittel, wie zum Beispiel rohe Fleisch- und Wurstwaren, Schlachtgeflügel, Seetiere, Eier und eierhaltige Soßen und Speisen nach dem Einkauf immer im Kühlschrank auf.
  • Achten sie auf strenge Händehygiene, wenn Sie mit Lebensmitteln umgehen.
  • Wechseln Sie häufig Ihre Küchentücher und waschen Sie sie danach im Intensivwaschprogramm.
  • Entsorgen Sie das Auftauwasser vom gefrorenem Geflügel und Wild und spülen Sie mit heißem Wasser nach.
  • Denken Sie beim Kochen daran, dass Salmonellen abgetötet werden, wenn sie mindestens zehn Minuten lang Temperaturen von über 70 Grad Celsius ausgesetzt werden.  
  • Kühlen Sie vorgekochte Speisen für einen späteren Verzehr möglichst schnell auf unter 10 Grad Celsius ab.
  • Verzehren Sie warme Speisen innerhalb von zwei Stunden nach der letzten Erhitzung.

Haustiere haben auch Salmonellen und können Sie oder Ihre Kinder anstecken. Deswegen ist die Hygiene bei der Haustierhaltung und gründliches Händewaschen nach jedem Toilettengang besonders empfehlenswert.

Eine Typhusimpfung wird besonders bei Reisen in Länder mit geringen Hygienestandards empfohlen (© inesbazdar - fotolia)
Typhus und Paratyphus

Typhus ist eine Infektion, die meistens durch Reisende aus Ländern mit geringem hygienischem Standard, wie zum Beispiel Indien, nach Deutschland gebracht wird.

Vor solchen Reisen kann man sich gegen Typhus impfen lassen. Es gibt ein Lebendimpfstoff, der als Kapsel eingenommen wird und einen Totimpfstoff, der in einen Muskel oder unter die Haut gespritzt wird. Die Impfung ist gut verträglich und schützt ungefähr 60 Prozent der geimpften Personen für ein bis drei Jahre.

Der Typhus äußert sich am Anfang mit Allgemeinsymptomen wie Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Verstopfung und Fieber. Nach einer Woche steigert sich der Fieber, erreicht 40 bis 41 Grad Celsius und kann Wochen andauern. Weitere Symptome sind:

Typhus kann unbehandelt tödlich ausgehen und ist in Deutschland meldepflichtig. Das Rückgrat der Behandlung ist die Antibiotikatherapie.

Der Paratyphus ist ein abgeschwächtes Krankheitsbild des Typhus. Mehr darüber erfahren Sie hier.  

Fazit

Salmonellosen sind in unserer Vorstellung eher mit älteren Zeiten und ärmeren Ländern verbunden. Obwohl das teilweise stimmt, gibt es sie noch immer in unserer Küche. Salmonellen sind sehr hartnäckig und verstecken sich hauptsächlich in Fleisch-, Geflügel- und Eierprodukten. Behandeln Sie diese Nahrungsmittel sorgfältig und eliminieren Sie die Gefahr, an einer Salmonellose zu erkranken. Bestimme Menschen, wie Kleinkinder, geschwächte Ältere oder Patienten mit Abwehrsystemstörungen haben ein erhöhtes Risiko, sich diese Erkrankung einzufangen. Geschieht dies, ist es lebenswichtig, ausreichend Flüssigkeit und Elektrolyte zuzuführen und eine Antibiotikatherapie zu beginnen.

Links

Informationen des Robert Koch-Instituts über Salmonellose
Deutsche Gesellschaft für Infektiologie
Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin

Quellen

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Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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