Hämorrhoiden: Welche Grade gibt es? Welche Behandlungen helfen?

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© ag-visuell-fotolia-com1© ag-visuell-fotolia-com1Hämorrhoiden sind Überbrückungen zwischen arterielle und venöse Gefäße am inneren Analring, die unter der Enddarmschleimhaut angelegt sind und den Feinverschluss des des Afters bewirken. Der Hämorrhoidalschwellkörper bildet zusammen mit dem Schließmuskel den Abdichtring des Afters - der Schließmuskel verhindert den Austritt von festem Stuhl, der Schwellkörper den Austritt von Flüssigkeiten und Gasen. Durch Zuflusssteigerung (Druck) und Abflusshemmung (Kompression der abführenden Venen durch Kontraktion der Schließmuskulatur) bilden sie ein hydraulisches Polster. Dieses Gefäßpolster wird auch als Plexus hämorrhoidalis bezeichnet. Es handelt sich nicht um Gefäßerweiterungen, sondern viel mehr um ein Schwellkörper, d. h. um ein Organ. Die Erweiterung der Blutgefäße des Plexus hämorrhoidalis geht häufig mit einer Entzündung des umliegenden Gewebes einher. Durch Oberflächenentzündung, Gewebehypertrophie, Zerstörung der Aufhängung und Verlagerung der Hämorrhoiden nach außen entsteht das Bild des Hämorrhoidalleidens, die Beschwerden verursachen.

Typische Symptome sind Blutungen (hellrotes Blut beim Stuhlgang). Die Überbrückungen selbst werden sehr selten offenstehen und dann blutet aus der Arterie mit relevantem Hämoglobin-Abfall in ganz kurzer Zeit. Weitere Symptome sind Druckgefühl, Juckreiz, Brennen, Schmerzen und Hautausschlag. Der Ausschlag ist Ausdruck eines perianalen (um den After herum liegendes) Ekzems. Das, durch das Hämorrhoidalleiden hervorgerufene Ekzem (Undichtigkeit, Austritt vom Sekret, Hautreizung) begünstigt die Gewebsveränderungen, die Ihrerseits die Hautveränderungen (Ekzem) unterhalten(durch Undichtigkeit und Sekretaustritt). So kommt es gelegentlich u. a. zum Ausbildung eines Teufelkreises in Bezug auf die Erkrankung. Schließlich gilt es diesen zu unterbrechen... Im fortgeschrittenen Stadium werden Stuhl und Darmwinde über eine gewisse Zeit hinweg zurückgehalten.

Das Hämorrhoidalleiden wird je nach Ausprägung in vier Stadien eingeteilt. Nach diesen richtet sich auch die Behandlung:

Grad I: Die Hämorrhoiden sind äußerlich noch nicht sichtbar und nicht tastbar. Die Gefäßpolster sind bereits vergrößert. Die Knoten wölben sich nur leicht beim Pressen innerhalb des Analkanals, ziehen sich aber nach kurzer Zeit von selbst wieder zurück.

Grad II: Die Hämorrhoiden werden bei der Stuhlentleerung herausgepresst. Die Hämorrhoiden sind allein rückbildungsfähig.

Grad III: Ein oder mehrere Knoten können bei Anstrengungen spontan vorfallen. Die Hämorrhoiden können sich nicht mehr selbstständig zurückziehen, sondern allenfalls zurückgedrückt werden. Das Hineinschieben ist aber noch möglich. Es kann zur Einklemmung und Blutung kommen.

Grad IV: Entspricht einem Vorfall (Prolaps) der Haut des Analkanals vor die äußere Haut. Das Hineinschieben ist nicht mehr möglich. Zu den starken Schmerzen und dem Brennen kommen Entzündungen der Analschleimhaut hinzu.

Eine der Ursachen für Hämorrhoiden ist die ballaststoffarme Ernährung, die zusammen mit fehlender Bewegung zur chronischen Verstopfungen führt. Dadurch wird beim Stuhlgang stark und lang gepresst, was die Blutgefäße (Gefäßschwamm) im Enddarm überdehnt und das Gefäßpolster vergrößert. So bilden sich schließlich Ausstülpungen in Enddarm und After.

Weitere begünstigende Faktoren für vergrößerte Hämorrhoiden können sein:

    • Eine angeborene Neigung
    • Eine überwiegend sitzende Tätigkeit
    • Übergewicht
    • Schwangerschaft


Im Alter sind Hämorrhoiden häufiger, weil die Elastizität des Gewebes nachlässt. Der normale Rückfluss wird vermindert. Gefäßknoten werden auf diese Weise begünstigt.

Behandlung
Die Zufuhr von ausreichend Ballaststoffen, Hygiene im Analbereich, das Auftragen von Salben oder Tamponaden, dienen nur der Unterstützung und Minderung der Symptome (z.B. des Juckreizes) und Behandlung des perianalen Ekzems, dem wie oben ausgeführt, eine Bedeutung für die Entstehung des Leidens zukommt.

Ambulante Maßnahmen
Mit spezielleren Methoden können gering ausgeprägte Hämorrhoiden vom Schweregrad I und II meist erfolgreich behandelt werden. Für eine nichtoperative Therapie der Hämorrhoiden ist normalerweise eine Betäubung nicht erforderlich.

Für eine Verödungs-Behandlung (Sklerosierung) wird ein Wirkstoff zur Verödung und Schrumpfung in die Hämorrhoidalknoten selbst oder in das umgebende Gewebe eingespritzt. Das relativ einfache und kostengünstige Verfahren wird in der Regel in mehreren Teilbehandlungen im Abstand von einigen Wochen durchgeführt und verläuft normalerweise völlig schmerzlos.

Bei einer gezielten Arterien-Unterbindung (Hämorrhoiden-Arterien-Ligatur; HAL) werden durch ein Ultraschallgerät diejenigen Arterien ausfindig gemacht, die in die Hämorrhoiden münden. Die Arterien werden mit Ligaturen abgeschnürt, wodurch sich die Blutversorgung vermindert, die Hämorrhoiden sacken zusammen und eventuelle Blutungen aufhören.

Ebenfalls kann eine Gummiband-Ligatur durchgeführt werden. Über die Knoten der Hämorrhoiden wird dabei jeweils ein Gummiring gezogen. Die Durchblutung wird somit unterbrochen. Der Knoten wird durch ein darüber gestülptes Gummiband abgeklemmt (Ligatur) und fällt in den folgenden Tagen ab. Wir haben in unserer Praxis unter der Anwendung der Methode verstärkt Beschwerden und eine gefährliche arterielle Blutung nach dem Abfallen des abgebundenen Knotens beobachten müssen, so dass wir die Methode in unserer Praxis nicht mehr anwenden. Unserer Meinung nach ist die Methode bei Anwendung von der Sklerosierungstherapie einerseits und der HAL, andererseits entbehrlich. Trotz alledem gibt es viele Kollegen die, die Methode mit gutem Erfolg anwenden, was wir nicht in Abrede stellen wollen. Vielmehr sei an dem alten Sprichwort erinnert: "Viele Wege führen nach Rom"...

Die Operation
Eine Operation erfolgt meist beim Schweregrad III und IV. Sie erfolgt in Vollnarkose oder in Regionalanästhesie, bei der nur ein größerer Körperbereich betäubt wird. Bisweilen kann auch eine örtliche Betäubung ausreichend sein. Diese Behandlungen erfordern in der Regel einen mehrtägigen Krankenhausaufenthalt. Es gibt mehrere recht unterschiedliche, als Hämorrhoidektomie (Entfernung der Hämorrhoidalknoten) bezeichnete Techniken. Die Genesung von mehreren Wochen verläuft nicht selten schmerzhaft. Eine Extra Abhandlung über die operativen Verfahren werden wir demnächst verfassen.

Vorbeugung
Achten Sie auf eine ballaststoffreiche und faserreiche Kost. Dies ist auch besonders wichtig nach einer erfolgreichen Behandlung, um die Neubildung von Hämorrhoiden zu verhindern.
Ergänzend zur Ernährungsumstellung ist es ebenfalls wichtig, sich regelmäßig zu bewegen. Jede Art der Bewegung hilft dem Körper, die Darmaktivität anzukurbeln und somit eine weitere Hämorrhoiden-Bildung zu verhindern. Ein weiterer wichtiger Punkt das Hämorrhoidalleiden vorzubeugen ist, darauf zu achten, dass Sie tagsüber genügend Wasser trinken. (zwei bis drei Liter Mineralwasser am Tag), damit der Stuhl nicht so hart wird. Achten Sie auf das Stuhlverhalten. Verbunden mit dem Hämorrhoidalleiden ist häufig das Gefühl, beim Stuhlgang nicht vollständig entleeren zu können. Dieses führt häufig zu einem übermäßigen Pressen auf der Toilette, welches die Ausbildung des Hämorrhoidalleidens weiter unterstützt. Das lange Sitzen auf der Toilette (oft verbunden mit Zeitungslesen) sollte vermieden werden. Unsere interkulturelle Erfahrungen in einer so internationalen Stadt wie Hamburg haben zu der Erkenntnis geführt, dass Menschen, die aus soziokulturellen bzw. religiösen Gründen nach dem Toilettengang kein Papier benutzen, sondern sich mit klaren Wasser waschen, seltener mit einem Hämorrhoidalleiden 3.-4. Grades bei uns vorstellig werden. Wir erklären uns diese Tatsache damit, dass Waschungen nach dem Toilettengang den oben beschriebenen Teufelskreis – nässen / perianales Ekzem / Hämorrhoidalleiden, beeinflussen. Die Schlussfolgerung lautet: Waschungen mit klarem Wasser nach dem Toilettengang können vorbeugend wirken. Wir empfehlen solche immer unseren Patienten im Zusammenhang mit einer Stuhlregulierung, damit diese im häuslichem Milieu möglich werden. So kann man nichts falsch machen!

Generell gilt – je später eine Behandlung einsetzt, desto problematischer kann sie werden und desto schmerzhafter in der Regel. Bei rechtzeitiger Behandlung sind Hämorrhoiden meist ein kleineres Problem und schnell in den Griff zu bekommen. Wenn Sie zu lange warten, kann sich die Behandlung von Hämorrhoiden aber langwierig und als sehr unangenehm erweisen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (2)


04.02.2013 - 11:59 Uhr

Hallo, schöner Artikel! Leichtes...

von Verena

... Beckenbodentraining kann beginnende Hämorrhoiden durch die Kräftigung des Gewebes sehr schnell wieder verschwinden lassen. Dazu einfach täglich 3mal den Schließmuskel anspannen, kurz halten und bewusst wieder locker lassen. Beste Grüße, Verena

Antwort vom Autor am 04.02.2013
Dr. med. Christo Alexiev

Grüße Zurück! Danke, Verena!

24.08.2012 - 22:53 Uhr

Mein Kommentar Lautet Ja, so ist das und Hygiene...

von meinen Namen sag ich nicht

... hilft dann

Antwort vom Autor am 31.08.2012
Dr. med. Christo Alexiev

:)


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