Das Leaky-Gut-Syndrom öffnet ernsthaften Krankheiten die Tür

Dr. Lunow

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© Alexander Raths fotoliaDas Leaky-Gut-Syndrom macht sich durch unspezifische Symptome wie Magenschmerzen bemerkbar (© Alexander Raths fotolia)Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Giftstoffe und Veränderungen seiner Schleimhaut machen den Darm durchlässiger. Mediziner sprechen dann vom "Leaky-Gut-Syndrom", auch "Sickerdarm" genannt.

Ein gesunder Darm sorgt für die kontrollierte Nährstoffaufnahme und die Infektionsabwehr. Grundlage hierfür sind eine ausgewogene bakterielle Besiedelung des Darms und eine intakte Epithelschicht. Nährstoffe, vollständig verdaute und zerlegte Proteine, Kohlenhydrate und Fettsäuren passieren die Darmwand entweder durch die Epithel-Zelle oder durch den Raum zwischen den Zellen, dessen Durchlässigkeit von den sogenannten „Tight junctions“ gesteuert wird.

Wird die gigantische Oberfläche des Darms, immerhin bis zu 500 Quadratmeter groß, durch schädliche Stoffe gestört, kann der Darm seine Aufgaben nicht mehr erfüllen. Seine Schleimhaut verändert sich und wird durchlässig für unerwünschte Stoffe, die sich über den Blutkreislauf im gesamten Körper verteilen.

Anti-Nährstoffe machen den Darm „undicht“

Zu den Stoffen, die den Darm „undicht“ machen, zählen sogenannte Anti-Nährstoffe, die in vielen Pflanzen vorkommen und als Schutz vor Fressfeinden dienen. Nehmen wir zu viel davon mit der Nahrung auf, kommt es zu Schädigungen des Darms wie dem Leaky-Gut-Syndrom.

Vor allem Lektine und Gluten zählen zu diesen Stoffen. Lektine sind Glykoproteine, die sich besonders an die Wände des Dünndarms binden und sie durchlässig für Krankheitserreger, Giftstoffe, unverdaute Nahrungsbestandteile und für die Lektine selbst machen.

Gluten ist der Klebereiweiß vieler Getreidearten wie Roggen, Weizen, Gerste, Dinkel oder Grünkern. Sein Bestandteil Gliadin regt die Bildung von Zonulin an – ein Darmprotein, das die Tight junctions zwischen den Darmzellen steuert und sie durchlässiger macht. Bei einer Glutenunverträglichkeit bildet der Organismus auch Antikörper gegen das Gliadin, denn über das Blut verbreiten sich die toxischen Stoffe im gesamten Organismus.

Zunächst kommt es zu Entzündungsreaktionen im Darm, wodurch die Schleimhaut weiter geschädigt wird. Sie kann nun manche lebensnotwendigen Substanzen nicht mehr ordnungsgemäß resorbieren. Weitere Entzündungsprozesse greifen um sich, wenn das Immunsystem Antikörper produziert, die sich fälschlicherweise auch gegen gesunde Strukturen richten. So entstehen Autoimmunkrankheiten, von denen v. a. Schilddrüse und Bauchspeicheldrüse betroffen sind. In der Folge entwickeln sich ernsthafte Krankheiten wie Typ-1-Diabetes, multiple Sklerose oder rheumatoide Arthritis.

Neben den Anti-Nährstoffen können auch Medikamente (Antibiotika), sonstige Giftstoffe und Mikroben (Viren, Darmpilze, Salmonellen), genetische Vorbelastung (Zöliakie) oder Stress zu einem Leaky-Gut-Syndrom führen.

Unklare Symptome verschleiern das Leaky-Gut-Syndrom

Unklare Anzeichen des Leaky-Gut-Syndroms sind Lebensmittelunverträglichkeiten (Laktoseintoleranz), Allergien (Heuschnupfen), Infekte, Akne, Neurodermitis, Migräne, Energielosigkeit, Leistungsabfall, depressive Verstimmungen, Osteoporose oder Asthma. Solche Beschwerden werden häufig anderen Ursachen zugeordnet. Ebenso können Verdauungsstörungen mit Reizmagen, Blähungen, Völlegefühl, Koliken, Übelkeit sowie Durchfall und Verstopfung unspezifische Symptome eines „Sickerdarms“ sein.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn sind hingegen deutliche Hinweise. Das Leaky-Gut-Syndrom steht mit beinahe jeder Autoimmunerkrankung in Zusammenhang.

Wegen der oft undeutlichen Symptome ist die Diagnose des Leaky-Gut-Syndroms besonders wichtig. Neben dem Blutserum untersuchen manche Ärzte dazu auch Urin und Stuhl. Im Labor zeigen sich erhöhte Leberwerte, außerdem erhöhte Werte von Zonulin sowie des Entzündungsindikators Alpha-1-Antitrypsin.

Therapie mit Paleo-Ernährung

Die Therapie des Leaky-Gut-Syndroms setzt bei der auslösenden Substanz an. Sie muss konsequent gemieden und bei der Wahl der Nahrungsmittel aussortiert werden. Dies betrifft in erster Linie gluten- und lektinhaltige Produkte wie Getreide- und Vollkornprodukte, Brot, Nudeln und Hülsenfrüchte (Soja) - in eingeschränktem Maße auch den Verzehr von Nachtschattengewächsen wie Kartoffeln, Tomaten oder Paprika, außerdem Folgeprodukte aus diesen Pflanzen wie bestimmte Pflanzen-Öle, Mehle und Milchprodukte.

Da eine solche Umstellung tief in die Ernährungsgewohnheiten eingreift, sollte man sie unter ärztlicher Anleitung oder mithilfe einer professionellen Ernährungsberatung angehen. Bei einem Leaky-Gut-Syndrom verspricht der Wechsel auf eine nährstoffreiche Paleo-Ernährung (Steinzeiternährung) nachhaltigen Erfolg, auch um die Gesundung und das Wachstum der Darmbakterien und der Darmschleimhaut voranzutreiben. Dazu werden v. a. Getreide- und Milchprodukte sowie schnell verfügbare Kohlenhydrate vom Ernährungsplan gestrichen. An ihre Stelle treten Gemüse, (Wild-)Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, Eier, Obst, Nüsse, Kräuter und Honig.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (10)


12.05.2018 - 14:39 Uhr

Hallo ich suche ganz dringend einen Arzt in...

von Stefanie M.

... Thüringen, der sich mit dem Laeky gut Syndrom auskennt. Erfurt und Umgebung!!! Ich brauche dringend Hilfe! Vielen Dank

14.03.2018 - 08:52 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren, ich bin...

von Helene

... verzweifelt auf der Suche nach einem Spezialisten für LG im Bereich Aachen/Köln/NRW, mit Kassenzulassung. Vielen Dank.

27.11.2017 - 20:57 Uhr

Bei meinem Sohn ist durch eine Stuhl Probe das...

von Pietrowski

... Leaky Gut Syndrom festgestellt. Wir suchen nach einen Arzt, der sich beim IG Syndrom spezialisiert und uns weiter helfen

19.01.2017 - 16:12 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren, ich finde Ihre...

von Kempes

... Seite sehr interessant und informative für HIT- und Magen-Darm-Betroffene. Ich bin zurzeit total verzweifelt und bitte Sie um Hilfe, denn ich habe Probleme mit der Präbiotika Therapie. Ich habe 10 Jahre gebraucht, bis ich endlich die richtige Diagnose bekomme habe. Ich leide seit ungefähr 10 Jahren an einer Histamin Unverträglichkeit und habe nach meiner Histamin-Diagnose im Stuhl sowie im Blut stark erhöhte Werte. Was kann ich tun?

13.01.2017 - 19:07 Uhr

Kann ein durchlässiger Darm operiert werden?

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Durch einen Stuhltest wurde LG-Syndrom...

von Krista H.

... festgestellt. Nun suche ich im Raum PLZ 23743 einen Therapeuten. Danke!

12.06.2016 - 17:00 Uhr

Welcher Arzt untersucht Leaky gut? ich wohne in...

von Eve

... der nähe von Bielefeld.

19.04.2016 - 10:46 Uhr

Viele Dank für diesen Artikel! Die wenigstens...

von Sebastian

... seriösen medizinischen Seiten befassen sich mit diesem Syndrom. Ärzte haben oft keine Ahnung davon und spielen die Probleme runter. Mir haben Probiotika sehr geholfen das Gleichgewicht wieder herzustellen. Ich hatte diese Probleme in Folge von einer Behandlung mit Clindamycin. Jeder Schadstoff ist dadurch in die Blutbahn geraten. Ich konnte keine Erdbeeren essen, da die Pestizide sofort neurologische Probleme, wie "doppelt sehen", Schwindel, Nervosität und Panikattacken erzeugt haben. Mit Bio-Erdbeeren hatte ich dieses Problem nicht. Zwei Jahre hat die Genesung auf sich warten lassen. Zwischendurch war ich so schwach, dass ich nicht mal bis in die Stadt laufen konnte.

25.11.2015 - 16:22 Uhr

Das Schlimme ist, dass die meisten Ärzte sich...

von B.-W.

... nicht darauf einlassen. Sie lachen, wenn man Beschwerden hat und sagen: Kaufen sie Levax oder essen sie einfach dieses Nahrungsmittel nicht. Habe schon vor 10 Jahren Probleme gehabt, aber kein Arzt ist darauf eingegangen oder hat mal genaue Untersuchungen durchgeführt. Jetzt ist es so schlimm, dass ich fast nichts mehr ohne Probleme essen kann und entdecke jede Woche eine neue Allergie. Erst jetzt hat ein Arzt mich mal genauer untersucht und LeakyGut festgestellt. Dabei habe ich selten Fertigprodukte oder Süßes gegessen. Diese Lebensmittelindustrie darf ja ungestraft vermehrt schädliche Stoffe verwenden und dann kommt noch die Genmanipulation dazu. Wie soll dies die Menschheit überstehen?

03.11.2015 - 09:10 Uhr

Natürlich ist in den Getreiden Gluten, das...

von K.

... schlimme ist das die Nahrungsmittelindustrie es noch zusätzlich dazu gibt. Gehen Sie gegen solche Praktiken vor, die unsere Lebensmittel kaputt machen und uns dann schaden, aber machen sie nicht die ursprünglichen Lebensmittel dafür verantwortlich.


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