Oberflächenersatzprothesen am Hüftgelenk - Knochenerhalt ist möglich

Dr. Quitmann

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© Dr. QuitmannModell einer Kappenprothese (© Dr. Quitmann)

Junge Patienten mit Arthrose am Hüftgelenk fragen häufig nach der Versorgung mit einem künstlichen Gelenk - hier muss jedoch geprüft werden, welches Implantat sich für den Patienten eignet.
 

Behandlungsmöglichkeiten bei Arthrose am Hüftgelenk

Es gibt die Möglichkeit der klassischen Versorgung mit einem längeren Stiel, die neuere Variante der sogenannten Kurzschaftprothesen, und die alternative Versorgung mit einer Oberflächenersatzprothese (nach "McMinn"). Bei letzterer handelt es sich um die knochenerhaltendste Operationsmethode zur Behandlung einer Arthrose im fortgeschrittenen Stadium. Dabei wird sowohl der Hüftkopf als auch der Schenkelhals erhalten.

Am Hüftkopf erfolgt nur ein Abtragen der oberflächlichen Knorpel- und Knochenschicht, sodass eine Metallkappe auf den verbleibenden Knochen mit Knochenzement befestigt werden kann. Auf der Beckenseite, der sogenannten Hüftpfanne, wird eine künstliche Metallpfanne ohne Knochenzement eingesetzt und verklemmt.
 

Für wen eignet sich das künstliche Hüftgelenk nicht?

Problematisch bezüglich der Langzeithaltbarkeit eines künstlichen Hüftgelenkes ist die Versorgung von Patienten unter 55 Jahren. Studien haben gezeigt, dass je jünger die Patienten sind, desto eher kann sich die Prothese mit einem klassischen Stiel lockern. 

Vermutlich ist © Dr. QuitmannRöntgenbild eines Patienten aus dem Jahr 2003 (© Dr. Quitmann)der hohe Aktivitätsgrad bei jungen Patienten der Grund für eine vorzeitige Lockerung der Stielprothese - jüngere Patienten profitieren daher eher von einem Oberflächenersatz, da man hier von einer längeren Haltbarkeit ausgeht.

Die Kräfte, die vom Körper in das Bein eingeleitet werden, müssen über das künstliche Gelenk übertragen werden. Bei den Kappenprothesen erfolgt diese Krafteinleitung physiologisch, das heißt, der normalen Anatomie entsprechend. Bei den Schaftprothesen müssen die Kräfte im Bereich des Oberschenkelschaftes aufgenommen werden. Kappenprothesen können der normalen Anatomie entsprechend eingesetzt werden, die Ausrenkungsrate ist geringer und das Aktivitätsniveau in der Regel nach der Operation höher.
 

Besteht die Gefahr einer Beinlängendifferenz?

Eine Beinlängendifferenz kann durch die Operation kaum eintreten. Wie bei allen Verfahren gibt es jedoch neben den Vorteilen auch mögliche Nachteile. So kann in ca. 1% der Fälle ein Bruch des Schenkelhalses oder eine Durchblutungsstörung des Hüftkopfes unter dem Metall eintreten.

Ein weiterer möglicher Nachteil dieser Versorgungsart ist die Gleitpaarung, denn es wurden vor mehreren Jahren Prothesen verwendet, die so konstruiert waren, dass es zu einem wesentlich erhöhten Metallabrieb gekommen ist - diese Implantate werden heute jedoch nicht mehr hergestellt.

Ein möglicher Metallabrieb kann zu lokalen Gewebsreaktionen führen, wodurch es auch zu Lockerungen kommen kann. Der Lockerungsprozess bei anderen Gleitpaarungen (Metall- oder Keramikkopf auf ein Kunststoffinlay) beruht auch auf lokalen abriebbedingten Veränderungen.

© Dr. QuitmannRöntgenbild desselben Patienten aus dem Jahr 2016 (© Dr. Quitmann)

Bei Patienten mit einer Nierenfunktionsstörung, bei schlechten Knochendichtewerten und bei Frauen mit Kinderwunsch wird eine Kappenprothese aber nicht empfohlen. Bei schweren Veränderungen des Hüftkopfes kann zudem aus technischer Sicht die Implantation einer Kappenprothese möglicherweise nicht mehr realisierbar sein.
 

Fazit

Insbesondere junge Männer sollten diese Form des Implantats in Betracht ziehen.

 

 

Da eine Ferndiagnose schwierig ist, kann Herr Dr. Quitmann leider keine persönlichen Fragen beantworten, dies wäre nur bei einer persönlichen Vorstellung mit allen Unterlagen möglich.

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Kommentare zum Artikel (2)


11.08.2017 - 13:35 Uhr

Hallo, bei mir wurde im Juni eine TEP in der...

von Sabine W.

... linken Hüpfte im Rahmen eines minimal invasiven Eingriffs (dorsal) mit einem extrem großen Schaft eingesetzt.Da ich erst 54 Jahre alt bin, wundere ich mich im Nachhinein, da im Hinblick auf eine zu erwartende zweite OP viel Knochematerial in Mitleidenschaft gezogen wurde. Warum langer Schaft?

10.05.2017 - 21:09 Uhr

Das kann doch nur ein Witz sein, oder? Dieser...

von Dr. K.

... Prothesentyp (bzw. Metall-Metall Gleitpaarungen allgemein) sind gefährlich und für jeden Patienten ein Risiko. Darüber hinaus gibt es unzählige wissenschaftliche und aber auch laienverständliche Berichte. Der Metallabrieb verursacht dabei toxische Reaktionen, die für Patienten höchst gefährlich sein können! Jeder seriöse Operateur kann also über diesen "Fachartikel" des Autors nur den Kopf schütteln.


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