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Beidseitiger Hüftgelenkersatz in nur einer Operation mit der AMIS-Technik

Prof. Dr. Gollwitzer

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© GollwitzerBeidseitiger Hüftersatz kann viele Vorteile mit sich bringen, da der Körper nur einmal den Belastungen eines Eingriffs ausgesetzt ist (© Gollwitzer)Patienten mit beidseitig fortgeschrittener Hüftarthrose stehen vor besonderen Herausforderungen. Werden beide Hüftgelenke nacheinander ersetzt, so müssen die Patienten mit langen Ausfallzeiten und einer langen Rehabilitationsphase rechnen. Nach der Operation der ersten Seite kommen die Patienten häufig noch nicht besser zurecht. Es werden zwei Krankenhausaufenthalte und zwei Anschlussheilbehandlungen notwendig. Patienten scheuen diese Schritte häufig und nehmen dadurch starke Einschränkungen der Lebensqualität in Kauf. Die Rehabilitationsfähigkeit ist nach der ersten Hüftprothesenoperation deutlich eingeschränkt, da die noch nicht operierte Hüfte eine ungleichmäßige Belastung verursacht.

Werden beide Operationen kurz nacheinander durchgeführt, so besteht aufgrund der wiederholten Belastung durch Narkose und Operation ein deutlich erhöhtes Risiko für Komplikationen.
Insofern ist bei Patienten mit beidseitiger Hüftarthrose der simultane beidseitige Gelenkersatz sinnvoll.


Was sind die Vorteile der beidseitigen Hüftprothesenimplantation?

Die Vorteile der simultanen beidseitigen Hüftprothesenoperation im Vergleich zu zwei einzelnen Operationen liegen auf der Hand: In erster Linie verkürzt sich der Krankenhausaufenthalt, da es nur eine Operation gibt. Auch die Rehabilitation verläuft wesentlich schneller, da die Anschlussheilbehandlung insgesamt nur einmal durchlaufen werden muss. Wird die Operation mit einer muskel- und gewebeschonenden Technik durchgeführt, wie mit der AMIS-Technik, so sind die Patienten meist wenige Tage nach der Operation wieder selbständig auf den Beinen und ähnlich mobil wie Patienten mit nur einer operierten Seite.

© GollwitzerAuf dem Röntgenbild nach dem Eingriff sind die beiden neuen Hüftgelenke deutlich erkennbar (© Gollwitzer)Gerade bei fortgeschrittenen Arthrosen können unmittelbar nach der Operation bereits beide Hüften trainiert und Einsteifungen effizient behandelt werden. Dadurch sind letztendlich auch bessere Ergebnisse zu erwarten. Nicht zuletzt werden Risiken für das Herz- und Kreislaufsystem und für das Gedächtnis durch zwei aufeinander folgende Narkosen vermieden.


Was sind die Voraussetzungen für einen beiderseitigen Ersatz des Hüftgelenkes?

Notwendige Voraussetzungen sind eine schonende Operationstechnik und ein ausreichend guter Gesundheitszustand des Patienten ohne schwere Herz- und Kreislauferkrankungen. Künstliche Hüftgelenke werden meist mit der sogenannten AMIS-Technik eingesetzt, wobei AMIS für „Anterior Minimally Invasive Surgery“ steht.

Dabei wird der Zugang zur Hüfte minimal-invasiv von vorne angelegt, um Hüftprothesen besonders gewebeschonend einsetzen zu können. Der vordere Zugang stellt den kürzesten Weg zum Hüftgelenk dar, weshalb der Operateur bei der AMIS-Technik trotz des minimal-invasiven Operierens eine sehr gute Übersicht hat.

Neben der schonenden Operationstechnik sind auch Faktoren von wichtiger Bedeutung, die mit den Patienten zusammenhängen. Patienten, die sich für eine simultane beidseitige Hüftprothese entscheiden, sollten keine schweren Vorerkrankungen des Herz- und Kreislaufsystems oder andere schwere Vorerkrankungen wie eine ausgeprägte Niereninsuffizienz haben. Schwere Vorerkrankungen stellen auch beim einseitigen Hüftgelenkersatz mögliche Gründe gegen ein künstliches Hüftgelenk dar.


© MedactaDa das Operationsgebiet mit empfindlichen Nerven versehen ist, ist es sehr wichtig, den Eingriff gut vorzubereiten (© Medacta)Bestehen besondere Risiken bei einer beidseitigen Hüftprothesenimplantation?

Um das Komplikationsrisiko bei beidseitiger simultaner Hüftprothesenoperation einschätzen zu können, liegen zuverlässige und belastbare Daten von vielen tausend Patienten vor. Daraus kann man ablesen, dass das Komplikationsrisiko bei Patienten mit simultaner beidseitiger Hüftprothese nicht höher als bei Patienten ist, bei denen zwei Operationen in zeitlichem Abstand durchgeführt wurden. Natürlich vorausgesetzt, dass sich die Patienten in einem guten Gesundheitszustand befinden.

Zudem ergeben sich aus den Daten klare Hinweise, dass die Risiken für bestimmte Komplikationen, wie beispielsweise das Infektionsrisiko oder das Risiko für Thrombosen bei der simultanen Operation sogar niedriger als bei zwei einzelnen Eingriffen anzusiedeln sind.

Um die Komplikationsrate zu verringern, wird bei allen Patienten vor der Operation eine Risikoabschätzung durchgeführt. Dabei werden die Risikofaktoren konsequent optimiert. Eine gründliche Operationsvorbereitung und Risikoabschätzung hat auch im eigenen Patientenkollektiv die Erfahrung bestätigt, dass die beiderseitige simultane Hüft-TEP-Implantation mit der AMIS-Technik sicher durchgeführt werden kann.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (12)


09.06.2019 - 13:36 Uhr

Sehr geehrter Herr Professor, ich werde im...

von Oliver E.

... Oktober wohl an beiden Hüften mit dem AMIS-Verfahren operiert, sobald der Operateur grünes Licht gibt. Ich habe mich schlussendlich dafür entschieden, da ich die Prozedur in einem Durchgang vollziehen möchte...um auch beruflich nicht zu lange auszufallen. Wie lange ist die durchschnittliche Ausfallzeit bis ich wieder am Arbeitsplatz bin? Ich arbeite im Labor im Einkauf. Vielen Dank und Grüße Oliver E.

Prof. Dr. Gollwitzer

Antwort vom Autor am 16.06.2019
Prof. Dr. med. Hans Gollwitzer

Sehr geehrter Oliver! Die Rehabilitation ist natürlich im Verlauf individuell unterschiedlich. Für eine Bürotätigkeit würde ich empfehlen, sich ca. 8 Wochen Rehazeit zu erlauben. Generell gilt: Nach 6 Wochen sind die meisten OP-Folgen abgeheilt und auch das Luxationsrisiko nach AMIS-Operation extrem gering, so dass alle Bewegungen wieder erlaubt sind. Gehen mit Vollbelastung ist von Beginn an erlaubt. Richtig eingewachsen sind zementfreie Implantate aber erst nach etwa 4 Monaten. Solange sollten Sie mit belastenden Sportarten auch vorsichtig sein. Eine weitere Empfehlung: ein künstlicher Gelenkersatz soll ja viele Jahrzehnte halten. Insofern sollten Sie sich ausreichend Zeit für die Rehabilitation nehmen, und im Zweifelsfall mit der Belastung einfach etwas langsamer machen. Alles Gute für die Operation! Mit freundlichen Grüßen, Prof. H. Gollwitzer

15.04.2019 - 22:31 Uhr

Sehr geehrter Herr Professor, Ihre Antwort auf...

von Giegerich

... meine Frage hat mich sehr beruhigt. Herzlichen Dank. W.Giegerich

13.04.2019 - 13:08 Uhr

Sehr geehrter Herr Professor, ist nach einer...

von Giegerich

... zeitgleichen TEP beider Hüften die REHA nicht insoweit wesentlich erschwert, als dass beide Beine nicht mehr als im Winkel von 90° abgewinkelt werden dürfen? Leider kann ich nirgendwo im Internet Anleitungen hierfür finden.

Prof. Dr. Gollwitzer

Antwort vom Autor am 15.04.2019
Prof. Dr. med. Hans Gollwitzer

Sehr geehrte(r) Frau/Herr Giegerich! Die Limitierung der Beugung bis 90° ist eine reine Vorsichtsmaßnahme, um in den ersten 4 Wochen Luxationen zu vermeiden. Dies ist vor allem bei Operationstechniken über einen hinteren Zugang relevant und strikt einzuhalten. Bei der AMIS-Technik können Patienten von Anfang an weiter beugen und müssen die Limitation nicht so streng einhalten, da eine Luxation in tiefer Beugung nach hinten erfolgt, jedoch bei der AMIS-Technik die hintere Kapsel völlig intakt bleibt und damit vor Luxationen schützt. In der frühen Zeit nach der OP (3-4 Wochen) ist es jedoch trotzdem sinnvoll, sich gerade beim Socken- oder Schuhanziehen helfen zu lassen. Dies gilt sowohl für eine einseitige Operation als auch für die doppelseitige Operation. Insofern ist die Reha nicht wesentlich unterschiedlich. Ich hoffe Ihre Frage damit beantwortet zu haben. Beste Grüße, Prof. Hans Gollwitzer

10.03.2019 - 23:02 Uhr

Sehr geehrter Dr. Gollwitzer, fielen dank für Ihre...

von Christa

... Meinung. Ich werde ihren Rat befolgen. LG

28.02.2019 - 09:11 Uhr

Guten tag, Mir wurde 2017 eiine neue Hüfte...

von Christa G.

... teilzementiert eingesetzt und 2018 im Mai die zweite nicht zementiert. Nun meine frage: Ich habe immer noch Probleme mit dem laufen, brauch meine Krücken. Ich bin 62 Jahre alt. Wie kann ich das hinkommen, wieder richtig zu laufen, und nicht mehr diesen waschen Gang? Das ist echt anstrengend. Lieben dank schon mal.

Prof. Dr. Gollwitzer

Antwort vom Autor am 10.03.2019
Prof. Dr. med. Hans Gollwitzer

Sehr geehrte Christa! Leider ist ohne ausführliche Untersuchung und Beurteilung der Röntgen- und ggf. MRT-Bilder keine Beratung möglich. Allerdings sollte die Rehabilitation seit Mai 2018 schon weitgehend abgeschlossen sein. Häufige Ursachen von bleibenden Beschwerden nach konventioneller Hüftprothese sind jedoch seitliche Sehnenschäden und Muskelschäden, welche mit einem speziellen MRT (mit sogenannten Metall-artefakt-reduzierten Sequenzen) dargestellt werden können. Eine Folge davon kann Hinken mit "Watschelgang" sowie ein typischer seitlicher Hüftschmerz sein. Genau diese Sehnen meidet man eben mit der AMIS-Methode, bei welcher der Zugang von vorne erfolgt. Insofern kann ich Ihnen nur die Einholung einer Zweitmeinung zur Abklärung der noch bestehenden Beschwerden empfehlen. Mit freundlichen Grüßen, Prof. H. Gollwitzer

07.01.2019 - 14:10 Uhr

Sehr geehrter Prof. Dr. med. Gollwitzer, vielen...

von Claus Martin S.

... Dank für Ihren Rat von professioneller Seite, er bestätigt meine Einschätzung und macht mit etwas mehr Mut. Freundliche Grüße, Claus M. S.

08.12.2018 - 12:34 Uhr

Guten Tag, Ich bin 56 Jahre alt und mir wurde eine...

von C.M. Schneider

... beidseitige Hüft-OP empfohlen, OP-Termin steht am 20.2.19. Nun ist kurzfristig mein linkes Knie punktiert worden mit der Diagnose, dass auch dieses Gelenk ersetzt werden muss. Meine Frage: Ist eine beidseitige Hüft-OP möglich, wenn zwischenzeitlich auch das Knie durch Arthrose stark eingeschränkt ist? Für cross-over möchte ich mich momentan nicht entscheiden.

Prof. Dr. Gollwitzer

Antwort vom Autor am 07.01.2019
Prof. Dr. med. Hans Gollwitzer

Sehr geehrte(r) Frau/Herr Schneider! Eine beiderseitige Hüftoperation ist auch bei Kniearthrose möglich. Bei gleichzeitiger Arthrose von Hüfte und Knie wird empfohlen, zuerst die Hüfte operativ zu behandeln. Durch die verbesserte Beweglichkeit kommt es oft auch zu einer Erleichterung der Kniegelenksbeschwerden. Eine Operation aller 3 Gelenke gleichzeitig ist nicht sinnvoll. Mit besten Wünschen für die anstehende Operation, Prof. H. Gollwitzer

06.08.2018 - 17:41 Uhr

Sehr geehrter Herr Professor, Ich bin 29 Jahre...

von Daniel K.

... alt und seit letztem Jahr habe ich Schienbein Schmerzen und die hatte ich immer beim laufen. Im Fußball aber war es nicht so schlimm und ich war auch beim Arzt und der sagte, dass ich kein Problem habe aber neue Saison bei Vorbereitung hatte ich auch kein Schmerzen aber plötzlich bekomme ich die wieder aber stärker. Es zieht manchmal bis oben in den Oberschenkel und auch in den Rücken. Wenn ich die bekomme dann kann ich wirklich nicht mehr laufen und das ist auch schwer für mich auf die Beine zu stehen, ich möchte wissen, wie Sie mir helfen können. Vielen Dank

28.06.2018 - 13:40 Uhr

An das jameda Team. Habe an Sie eine Frage. Am...

von Maritta M.

... 27.04.2018 bin ich in Alicante (Spanien) an der linken Hüfte operiert worden. Das Op Team war sehr gut und ich bin bis jetzt sehr zufrieden. Leider hatte ich mit der rechten Hüfte vor dieser Op schon Schmerzen, die aber jetzt schlimmer werden. Ich kann im Moment ohne Schmerzmittel nicht richtig laufen. Meine Frage: Wann könnte ich mit der rechten Hüfte operiert werden? Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen. Mit freundlichen Grüßen Maritta M.

Prof. Dr. Gollwitzer

Antwort vom Autor am 28.06.2018
Prof. Dr. med. Hans Gollwitzer

Sehr geehrte Marietta! Falls keine schlimmeren Vorerkrankungen an Herz oder Lunge vorliegen ist die Operation der zweiten Seite ab 6 Wochen nach der ersten Seite wieder gut möglich. Mit freundlichen Grüßen, Prof. Hans Gollwitzer

09.11.2017 - 14:43 Uhr

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Gollwitzer, hiermit...

von R. Rode

... möchte ich mich herzlich für Ihre Antwort auf meine Anfrage bedanken und werde Ihre Rat in Anspruch nehmen. Mit frl. Grüßen R. Rode

03.11.2017 - 15:14 Uhr

Hallo Herr Prof.Dr. Gollwitzer, bin 79 Jahre...

von R. Rode

... Marcumarpatient mit Herzschrittmacher. Habe starke Arthrose im linken Hüftgelenk Schmerzfaktor 8 von 10. In der rechten Hüfte auch Arthrose jedoch Schmerzpunkte 4 von 10. Ist eine simultane OP beider Häftgelenke in meiner Situation zu empfehlen? Vielen Dank im Voraus und Mit freundlichen Grüßen R.Rode

Prof. Dr. Gollwitzer

Antwort vom Autor am 08.11.2017
Prof. Dr. med. Hans Gollwitzer

Sehr geehrter Herr Rode! Ihre Frage lässt sich pauschal nicht beantworten. Man wird eine beiderseitige simultane Hüfte-TEP-Operation nur dann durchführen, wenn es beidseitig wirklich notwendig ist. Es empfiehlt sich also nicht, die zweite Seite "prophylaktisch" zu operieren. Generell ist Marcumar und ein Herzschrittmacher kein Ausschlusskriterium für eine beiderseitige Hüfte-TEP-Operation mit der AMIS-Technik. Bei guter Herzfunktion ist eine Operation auch simultan beiderseits möglich. Vorher sollte jedoch eine Risikooptimierung erfolgen. Insofern empfehle ich 1) eine orthopädisch-chirurgische Abklärung der beidseitigen OP-Notwendigkeit und 2) eine aktuelle Abklärung der Herzpumpfunktion und der weiteren Herz-Risiken beim Kardiologen. Anschließend kann eine Empfehlung nach persönlicher Vorstellung erfolgen. Ich hoffe Ihre Frage damit ausreichend beantwortet zu haben und verbleibe mit besten Grüßen, Prof. Hans Gollwitzer

20.10.2017 - 18:46 Uhr

Wird diese AMIS-Technik auch im...

von Ria H.

... Agnes-Karll-Krankenhaus in Hannover-Laatzen von Prof. Oliver Rühmann durchgeführt?

Prof. Dr. Gollwitzer

Antwort vom Autor am 24.10.2017
Prof. Dr. med. Hans Gollwitzer

Sehr geehrte Ria! Ihre Frage kann ich leider nicht beantworten. Eine Liste mit Ärzten, welche die AMIS-Technik anwenden finden Sie unter "www.meine-neue-huefte.de", auf der Webseite bitte oben den Ärztefinder anklicken und die Postleitzahl eingeben. Mit besten Grüßen, Prof. Gollwitzer


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