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Das jameda-Interview: 10 Fragen an Herrn Dr. med. Stefan Krieger

Dr. Krieger

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© KriegerHerr Dr. Krieger praktiziert als Facharzt für Allgemeinchirurgie in Aachen. (© Krieger)Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Dr. med. Stefan Krieger interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Arzt.

jameda: Herr Dr. Krieger, was hat Sie motiviert, Arzt zu werden?

Dr. Krieger: Als Kind habe ich davon geträumt, Arzt zu werden, um anderen Menschen helfen zu können. Als Medizinstudent lernte ich in Afrika, wie sehr Ärzte gebraucht werden. Das hat mich besonders stark motiviert, Arzt zu werden.

jameda: Was macht Ihnen im Praxisalltag am meisten Freude? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

Dr. Krieger: Unsere Hände sind hochkomplexe Organe, mit denen wir gestalten und fühlen. Als Handchirurg ist es für mich faszinierend, die Hände meiner Patienten möglichst wieder vollständig einsetzbar zu machen. Hierzu arbeite ich im OP häufig mit feinsten Instrumenten unter einer Lupenbrille.

jameda: Welchen Vorurteilen begegnen Sie häufig in Ihrer Praxis?

Dr. Krieger: Ein Eindruck ist, dass die Ärzte zu schnell und zu viel operieren würden. Wenn ich zu einer Operation rate, bin ich davon überzeugt, dass dies die beste aller Therapiemöglichkeiten für den Patienten ist. Dennoch versuche ich, wo immer sinnvoll und möglich, dem Patienten auch eine Möglichkeit der Behandlung ohne Operation anzubieten. So kann der Patient in Ruhe für sich selbst abwägen, welche Behandlung für ihn persönlich die richtige ist.

jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Was raten Sie Patienten in solchen Situationen? 

Dr. Krieger: In der Behandlung von Erkrankungen oder Verletzungen an der Hand besteht oft die Furcht, nicht mehr arbeiten zu können oder den Alltag nicht mehr bewältigen zu können. Das ist für mich völlig verständlich, denn wir brauchen unsere Hände ja alle in jedem Moment des Tages.  Ich erzähle den Patienten dann häufig von den positiven Erfahrungen anderer Patienten, die ihre Hände nach der Behandlung wieder gut einsetzen können. So versuche ich ihnen Mut zu machen, um durchzuhalten. Meiner Erfahrung nach hilft es sehr zu wissen, dass andere von dieser Form der Behandlung profitiert haben. Das macht Mut und gibt Kraft.

jameda: Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?

Dr. Krieger: Ich spreche mit dem Patienten darüber und versuche zu verstehen, warum er den Therapieplan nicht befolgt. Vielleicht kann ich sein Verhalten dann verstehen und wir können gemeinsam einen besseren Weg finden. Es wäre ja sehr schade, wenn der Heilungserfolg darunter leiden würde.

jameda: Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als Erstes tun?

Dr. Krieger: Ich würde die Behandlung der Patienten wieder von der politisch gewollten Forderung nach Ökonomie und Wirtschaftlichkeit loslösen. Ein Arzt sollte sich wieder auf das Medizinische konzentrieren können, ohne dass ihm ständig die Verwaltung und Controller im Nacken sitzen.

jameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?

Dr. Krieger: Das ist sicher je nach Arzt individuell sehr verschieden. Offenheit für alternative Therapieverfahren halte ich für sehr wichtig. Auch das Besprechen von Therapiemaßnahmen im Team von Ärzten, Physiotherapeuten und Pflegefachkräften ist sicher sehr hilfreich.

jameda: Die Welt der Medizin verändert sich ständig. Gibt es neue Therapien oder Geräte, die Sie in Ihrer Praxis anwenden?

Dr. Krieger: Gerade in der Handchirurgie hat sich die arthroskopische Therapie in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Als Mitglied der europäischen Gesellschaft für arthroskopische Handchirurgie fahre ich regelmäßig in das Ausbildungszentrum nach Straßburg, um mich auf dem aktuellsten Stand zu halten. Diese neuen Therapieformen der Knochen- und Bandchirurgie der Hand bieten wir dann auch in unserer Praxis an.

jameda: Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Praxis, das Sie nie vergessen werden? 

Dr. Krieger: Ein Junge von sechs Jahren hatte einen Lötstab des Vaters in die Steckdose gesteckt und sich dabei die Hand schwer verbrannt. Nach mehreren Operationen mitsamt Hautverpflanzung konnte er die Hand wieder gut einsetzen und bewegen. Die Augen des Vaters strahlten vor Glück und der Junge drückte mir kräftig die Hand – ein wunderbares Gefühl.

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Dr. Krieger: Ich empfehle, die vielen schönen Momente im Leben wirklich zu genießen und sich Zeit für sich selbst und die wichtigen Menschen in seinem Leben zu nehmen. Das hält meiner Einschätzung nach mehr gesund als viele Medikamente.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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