Das Karpaltunnelsyndrom aus osteopathischer Sicht

Herr Bade

von
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Das Karpaltunnelsyndrom (KTS) ist die häufigste Form des Medianus-Kompressionssyndroms. Das bedeutet, dass im Karpaltunnel Druck auf den Medianusnerv ausgeübt wird.

 

Merkmale des Karpaltunnelsyndroms

Typische Anzeichen sind Kribbeln in den Händen, Kraftlosigkeit oder Taubheit der Finger. Diese Symptome treten anfangs vor allem nachts auf. Im weiteren Verlauf der Erkrankung kommt es zu einer funktionellen Schwäche bis hin zur Atrophie eines weiteren Nervs, der für die Stellung des Daumens zuständig ist.

So wird es insbesondere morgens immer schwieriger, runde Dinge zu greifen. Festes Zugreifen wie beim Auswringen eines Putzlappens oder das Greifen des Autolenkrades, verstärken die Beschwerden weiter.

© @shotbyrain - unsplashTypische Anzeichen für ein Karpaltunnelsyndrom sind Kribbeln in den Händen, Kraftlosigkeit oder Taubheit der Finger. (© @shotbyrain - unsplash)

Auf welchem Mechanismus beruht die Schädigung des Medianusnervs?

Die Schädigung beruht auf der Kompression des Nervs selbst, und/oder der vaskulären (Blutgefäße betreffenden) Strukturen, die den Nerv mit Nährstoffen versorgen. Beides führt zu einer Herabsetzung der Nervenleitgeschwindigkeit. Informationen werden also über den Nerven nur noch unzureichend weitergeleitet.

Entstehungsprinzip: Woher kommt das Karpaltunnelsyndrom?

In der Literatur wird daraufhin gewiesen, dass das KTS meist idiopathisch, also ohne erkennbaren Grund entsteht. Dennoch gibt es zwei Prinzipien, die die Problematik verdeutlichen:

  • Verkleinerung des Tunnels durch Tumore, Ganglien, Frakturen, Luxationen usw.
  • Vergrößerung des Tunnelinhaltes durch Tendovaginitis, aufgeschwollene Sehnen, infolge von Rheuma oder Hypothyreose

Allgemeine Risikofaktoren

Als generelle Risikofaktoren für die Entstehung gelten häufige drehende oder dehnende Tätigkeiten des Handgelenkes, Übergewicht, Schwangerschaft und kürzlich eingetretene Menopause.

Therapie beim Arzt

Erhärtet sich beim Arzt der Verdacht auf ein KTS, wird neben funktionellen Tests des Handgelenks auch die Nervenleitgeschwindigkeit im Seitenvergleich an beiden Handgelenken getestet.

Therapiert wird anschließend mit

  • lokalen Injektionen von Kortikosteroiden,
  • Krankengymnastik,
  • nächtlicher Ruhigstellung mittels einer Schiene und

Sollte all dies keine Wirkung erzielen, bleibt im letzten Schritt die OP. Hier wird das Band, das den Karpaltunnel umschließt, entweder endoskopisch oder in einer offenen OP gespalten.

Anatomie und Osteopathie

Dr. Andrew Still, Begründer der Osteopathie, prägte folgenden Satz: "Osteopathie ist erstens Anatomie, zweitens Anatomie und drittens Anatomie!?" Doch was meint er damit?

Einfach gesagt bedeutet es, dass der Ort der auftretenden Symptome nicht zwangsläufig auch der Entstehungsort einer Erkrankung ist. 

© Monkey Business - fotoliaOsteopathen legen Wert auf eine ganzheitliche Betrachtung der Symptome eines Karpaltunnelsyndroms. (© Monkey Business - fotolia)

Wenn wir den Medianusnerv betrachten, befindet sich sein Ursprung in der Wirbelsäule. Hier bilden sich Nervenfasern, die über den seitlichen Halsbereich zur Achsel wandern und dort den Medianusnerv entstehen lassen. Von dort zieht er sich dann schließlich bis zur Hand.

Wenn wir nun den Karpaltunnel betrachten, sehen wir im Querschnitt, dass er sich in ein kleines und ein großes Fach aufteilt. Während durch das kleine Fach nur eine Sehne verläuft, liegen in dem großen Fach einerseits der Medianusnerv, aber auch neun weitere Sehnen, eingebettet in Bindegewebe.

Es können also auf dem langen Weg der Nervenfasern von der Wirbelsäule zur Hand an vielen Punkten Störungen auftreten. Aber auch die Engstelle des Karpaltunnels selbst können solche Störungen bedingen.

Mögliche Ursachen des KTS'

Viele Funktionen im Körper beeinflussen sich gegenseitig. Im Fall des KTS können Blockaden oder Verrenkungen von Wirbelkörpern ein auslösender Faktor sein. Genauso wie Engpässe im Schultergürtel, die zu Einengungen der Nervenfasern führen. Sie können zum Beispiel auch durch muskuläre Verspannungen entstehen, deren Ursache häufig Stress ist.

Können Blut und Lymphflüssigkeit nicht richtig abfließen, kommt es zu einer Anschwellung des Gewebes. Das führt bei einem Engpass wie dem Karpaltunnel dazu, dass Druck auf den Nerv entsteht, seine Versorgung beeinträchtigt wird und die Nervenleitfähigkeit sinkt.

Den Laien überraschend es sicher, dass auch die inneren Organe aus der Ferne auf die Nerven wirken können und so zu Problemen am Karpaltunnel führen. Ursächlich können hier Störungen der Leber, Gallenblase, Magen oder des Herzens sein. Genauso können aber auch Vernarbungen die faszialen Ketten beeinflussen, die dann wieder zu Engpässen führen und damit zur Störung des Nervensystems.

Warum das Karpaltunnelsyndrom ganzheitlich behandelt werden sollte

Das Karpaltunnelsyndrom kann für den Patienten sehr belastend sein und zu Arbeitsausfällen bis hin zur Berufsunfähigkeit führen. Mit konservativen Methoden kann zwar lokal behandelt werden. Aber aufgrund der Komplexität der körperlichen Zusammenhänge und Einflüsse, ist diese Behandlungsform nicht immer langfristig erfolgreich.

Daher ist ein Osteopath, der nicht nur anatomisch intensiv geschult ist, sondern auch eine ganzheitliche Herangehensweise hat, ein guter Ansprechpartner. Er kann durch tiefergehende Untersuchungen des gesamten Körpers mögliche Ursachen des Syndroms behandeln und nicht nur die Symptome.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (1)


06.10.2020 - 14:04 Uhr

Wäre schön wenn die genormte steife Schulmedizin...

von Mel

... das auch endlich mal erkennt und beachtet. Es ist eine Farce, 12 Orthopäden mind.6 Physio ..alle haben auf ganzer linie versagt (ok ein paar physio waren echt bemüht). Das einzige und DER EINZIGE der mir je half ist mein Osteopath, aber wenn man durch seine unbeweglichkeit ins H4 gerutscht, ist halt nichts mit helfenden Behandlungen da sie nicht finanzierbar sind. Ich könnte nach Schulmedizin aber an locker fünf stellen unnötige und unnütze OPs machen lassen, das ist nicht zielführend. Haben Sie Tipss für WIRKLICH fähige nicht Tunnelblick Orthopäden? Die meisten reagieren ja regelrecht aggressiv wenn man nur Osteopathie anspricht und wenn man als Patient selber Kenntnisse hat, hat man eh verloren, da geht es nur noch ums Ego und dass der Patient nicht recht haben darf... da kamen schon die skurillsten wirklich schwachsinnigsten Aussagen von Ärzten zusammen.

Herr Bade

Antwort vom Autor am 11.10.2020
Sascha Bade

Hallo, ich bedaure sehr, dass Sie bisher so schlechte Erfahrungen gemacht haben. In Hamburg kann ich Prof. Dr. med. Musa Citak empfehlen. Er ist Orthopäde und Unfallchirurg. Auch wenn wir uns persönlich noch nicht kennengelernt haben, hatten wir schon öfter gemeinsame Patienten (die von ihm auch meist zum Osteopathen überwiesen wurden). Bisher haben alle Patienten nur gut von ihm berichtet. Vielleicht wäre das nochmal eine Anlaufstelle. Herzliche Grüße Sascha Bade


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