Die Hyaluronsäuretherapie bei Arthrose: In Bewegung bleiben

Das Knie gehört zu den häufigsten Stellen, die von einer Arthrose betroffen sind. (© Monika Wisniewska - fotolia)

Die Hyaluronsäure ist ein natürlicher Bestandteil des menschlichen Körpers und wichtiger Baustein des sogenannten Bindegewebes. Dem verbindenden Gewebe zwischen den Körperzellen.
Hyaluronsäure besitzt eine gelartige Struktur, welche wesentlichen Einfluss auf die Geschmeidigkeit (Elastizität) des Bindegewebes hat.

Welche Funktion hat die Hyaluronsäure?

Die Hyaluronsäure ist als natürlicher Stoff einer der wichtigsten Bestandteile des Bindegewebes des menschlichen Körpers in folgenden Funktionen:

  • Als Wasserspeicher (sie kann bis zu 6 l Wasser pro Gramm Hyaluronsäure binden)
  • Als Schmiermittel (als Hauptbestandteil der Gelenkflüssigkeit sorgt sie für ein reibungsloses Gleiten der Gelenkflächen)
  • Als Stoßdämpfer (an Hyaluronsäure gebundenes Wasser lässt sich nicht verdichten)
  • Als Transportmittel für den Transport von Nährstoffen und Abfallprodukten der Zellen
  • Als Bindeglied zwischen den Zellen unterstützt es die Zellwanderung von zum Beispiel Reparaturzellen
  • Als Kommunikationsmedium unterstützt es biochemische Prozesse zwischen den Zellen über Botenstoffe

Um die Funktion und Wirkweise der Hyaluronsäure zu verstehen, ist auch das Verständnis des Bindegewebes elementar.

Das Bindegewebe hat sehr unterschiedliche Formen (straffes, lockeres Bindegewebe, Stützgewebe wie zum Beispiel das Knorpelgewebe).

Das Bindegewebe in Form des sogenannten Fasziengewebes durchzieht den ganzen Körper, ist untereinander verbunden und hat Einfluss auf den ganzen Körper.


Welche Funktionen hat das Bindegewebe?

Folgende Eigenschaften und Funktionen werden dem Bindegewebe zugeschrieben:

  • Es hält eine Stützfunktion aufrecht und schützt in dieser Funktion auch vor Schädigungen
  • Es ist ein wichtiger Wasserspeicher
  • Es transportiert Botenstoffe, Nährstoffe und Abfallprodukte zwischen den Zellen
  • Es spielt in der Abwehrfunktion gegen Krankheiten eine wichtige Rolle

Diese vielfältigen Eigenschaften erklären, warum die Hyaluronsäure im Körper so wichtig ist. Gerade in Bezug auf die Verschleißerkrankung (Arthrose) der Gelenke lassen sich die positiven Eigenschaften verdeutlichen.


Was passiert bei einer Arthrose des Gelenkes?

Die Arthrose eines Gelenkes wird in vier Schweregrade eingeteilt. Man unterscheidet eine leichte Arthrose I bis zu einer schweren sogenannten Arthrose IV.

Bei zunehmender Arthrose kommt es zu einer zunehmenden Minderung des schützenden Gelenkknorpels. Der Gelenkknorpel franzt aus und in den Randbereichen des Gelenkes bilden sich Anbauten (sogenannte Osteophyten).

Die Reizung und die Schmerzen nehmen im Verlauf zu, da sich im Gelenk eine zunehmende Reizreaktion einstellen. Das Gelenk ist zunehmend entzündet. Botenstoffe vermitteln über die Nerven dem Gehirn, dass mit dem Gelenk etwas nicht in Ordnung ist.

Der Patient merkt das an zunehmenden Schmerzen und einer zunehmenden Bewegungseinschränkung des Gelenkes. Bei einem Arthrosegrad IV ist großflächig kein schützender Knorpel mehr vorhanden und die Knochenflächen stehen aufeinander.

Häufiger muss das Gelenk erst „warmgelaufen“ werden, bis es sich wieder einigermaßen bewegen lässt. Die Schmerzintervalle nehmen im Verlauf des Fortschreitens der Arthrose zu und gerade höhere Belastungen führen zu einer deutlichen Schmerzverstärkung.

Die äußert sich häufig zum Beispiel beim Treppensteigen, wo eine kurzzeitige hohe Belastung des Gelenkes besteht.

Gleichförmige Bewegungen wie Spazieren, Radfahren, Kraulschwimmen lassen sich besser durchführen und können in der Anfangsphase auch die Beschwerden lindern.


Wie wirkt die Hyaluronsäuretherapie bei der Arthrose?

Auch die verschlissenen Gelenke brauchen Bewegung um die Ernährung des Gelenkes sicherzustellen, die Bewegungsfunktion zu erhalten, Abfallprodukte abzutransportieren und die Entzündungsreaktion zu bekämpfen. Was aber tun, wenn vor Schmerzen und Steifigkeit das Gelenk nicht mehr schmerzfrei bewegt werden kann? Das Ziel: Besser bewegen, weniger Schmerzen!

Hier setzt die Hyaluronsäuretherapie an: Durch die beschriebenen Funktionen der Hyaluronsäure kann bei einer Spritzenbehandlung eine maximale Wirkstoffkonzentration im verschlissenen Gelenk erreicht werden. Durch die Pufferfunktion und eine Art Gelenkschmiere kann das verschlissene Gelenk wieder besser und schmerzärmer bewegt werden.

Die Entzündungsstoffe nehmen ab und auch die Reizreaktion kann sehr positiv beeinflusst werden. Ziel ist es, wieder mehr Bewegung und weniger Schmerzen zu erlangen. Denn das ist für die Ernährung und Standfestigkeit der Gelenkknorpel und Menisken elementar.

In welchen Formen kann Hyaluronsäure aufgenommen werden?

Grundsätzlich gibt es zwei Formen der Anwendung. Zum einen kann die Hyaluronsäure über die Nahrung aufgenommen werden, zum anderen kann sie als Depotspritze direkt am Wirkort (zum Beispiel dem verschlissenen Gelenk) angewandt werden.

Die Wirkung als lokale Anwendung in Form einer Depotspritze erreicht eine wesentlich höhere Konzentration am Wirkort. Dennoch kann eine Nahrungsergänzung mit Hyaluronpräparaten die Arthrosebehandlung sinnvoll unterstützen.

Gezielte Hyaluronsäureinjektionen können dabei helfen, die Bewegung des Gelenks reibungsloser zu gestalten. (© designua - fotolia)
Was sind die Unterschiede bei den Hyaluronspritzen?

Auf dem Markt gibt es sehr unterschiedliche Präparate. Grundsätzlich unterscheidet man in der Art der Herstellung

  • biologische Hyaluronpräparate
  • künstliche (synthetisch) Hyaluronpräparate

sowie aufgrund des sogenannten Molekulargewichtes (auch Molekülmasse genannt) niedermolekulare und hochmolekulare Hyaluronsäuren.

Die Spritzen unterscheiden sich also zum einen im Herstellungsprozess (biologisch oder synthetisch) und auch in ihrer Konzentration und Dichtigkeit.
Sonderformen sind Kombinationen wie zum Beispiel die

  • Doppelkammerspritze, welche hoch- und niedermolekulare Hyaluronsäure vereint und auch
  • Kombinationspritzen aus Eigenblut (PRP=plättchenreichem Plasma) mit Hyaluron.

Haben Hyaluronspritzen Nebenwirkungen?

Die Hyaluronsäure ist eine körpereigene Substanz. Daher treten durch die Spritze in das Gelenk äußerst selten allergische Reaktionen oder Nebenwirkungen auf. Äußerst selten kommt es zu einer leichten Hautreaktion, zu Blutergüssen, Schwellungen oder gar Gelenkinfekten.

Werden Hyaluronsäurespritzen von den Krankenkassen übernommen?

Die biologischen Produkte sind sogenannte Arzneimittel und werden von allen Privatkassen übernommen.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen trotz der Behandlungsempfehlung in der Leitlinie Gonarthrose (Kniearthrose) und dem Weißbuch der Orthopädie (evidenzbasierte Behandlungsempfehlungen) keine Behandlungskosten mit Hyaluronsäurepräparaten.

Wie lange hilft die Spritzenbehandlung?

Wie lange die Linderung der Beschwerden nach einer Spritzenbehandlung anhält, variiert und hängt auch stark vom Fortschritt des Gelenkverschleißes ab. So sind mehrere Wochen bis mehrere Monate beschrieben. Ziel ist es, die akute Beschwerdesymptomatik zu durchbrechen, um wieder mehr Bewegung erlangen zu können.

Wie häufig können die Spritzen angewandt werden und in welchen Abständen?

Hierbei hängt es sehr davon ab, welches Präparat verwendet wird und ob es sich um eine Erstbehandlung oder eine Auffrischungs- oder Folgebehandlung handelt. Bei den niedermolekularen Hyaluronsäurespritzen werden meist fünf Spritzen im Wochenabstand durchgeführt. Die Intervalle variieren je nach Präparat von ein bis fünf Spritzen im Wochenabstand bis hin zum Monatsabstand. Auch Auffrischungen variieren von ein bis fünf Spritzen.

Sprechen Sie hierzu mit Ihrem behandelnden Orthopäden darüber, welches Präparat er einsetzt und welche Abstände und Rhythmen er für sinnvoll erachtet. Die Dosierschemata sind auch über die jeweiligen Herstellerfirmen/Informationsbroschüren zu erfragen.

Ist eine Spritzenbehandlung mit Hyaluronsäure sinnvoll?

Die Hyaluronsäuretherapie ist ein Standardverfahren in der Arthrosebehandlung der Knie-, Hüft- und Schultergelenke. Auch kleinere Gelenke wie zum Beispiel das Daumensattelgelenk können bei entsprechender Indikation mit Hyaluronsäurespritzen behandelt werden.

In der deutschen Leitlinie für Kniearthrose (Gonarthrose) und auch in der amerikanischen Leitlinie wird der Einsatz bei Arthrose in verschiedenen Arthrosestadien empfohlen.

Gerade bei akuten Beschwerden ist diese Behandlung ein wichtiger Baustein im Rahmen der Arthrosetherapie. Eine Kombination aus unterschiedlichen Maßnahmen (siehe unten) ist im Rahmen einer multimodalen Therapie gegen Arthrose anzuraten.

Welche anderen Behandlungsoptionen gibt es noch im Rahmen der Arthrosebehandlung?

Es gibt sehr viele Maßnahmen, welche bei der Arthrosebehandlung angewandt werden und eine Operation verzögern und ggf. nicht notwendig werden lassen können.

Als wichtigste Basismaßnahmen sind hierbei eine gesunde Lebensführung mit einer ausgewogenen Ernährung, Bewegung und ein ausgeglichenes Körpergewicht zu nennen.

Weitere spezifische nicht-operative Behandlungsmöglichkeiten sind:

  • reiz- und schmerzlindernde Medikamente
  • spezifisches Arthrosetraining
  • Hyaluronsäuretherapie
  • Eigenblutbehandlung durch plättchenreiches Plasma (PRP)
  • Akupunktur
  • Vitalstoffe/Mikronährstoffe
  • Kinesiotaping
  • Magnetfeldtherapie
  • Stoßwellentherapie
  • physikalische Maßnahmen (Kälte/Wärme, kühlende Verbände etc.)

Bei der Behandlung ist eine Kombination aus den Basismaßnahmen und den spezifischen Maßnahmen in der Regel sinnvoll, um ein optimales Behandlungsergebnis zu erzielen.

Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Orthopäden. Er kann Sie hierzu umfassend beraten!

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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