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Das jameda-Interview: 8 Fragen an Dr. med. Christian Wolfgang Sippel

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© Dr. SippelDr. med. Christian Sippel im jameda-Interview (© Dr. Sippel)Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Dr. med. Christian Wolfgang Sippel interessante Fragen zu seinem Praxisalltag und seinem Umgang mit Patienten.

jameda: Herr Dr. Sippel, was hat sie motiviert, Orthopäde & Unfallchirurg zu werden?
Herr Dr. Sippel: Die größte Motivation für mich war die Faszination am Bewegungsapparat, also an Knochen, Gelenken und Muskeln. Die Arbeit mit Patienten aller Altersgruppen, jung und alt, vor allem aber mit den Kindern, denen ich mich besonders intensiv widme, ist sehr erfüllend und vielseitig. Mit das schönste an diesem Berufsfeld ist die Möglichkeit durch ärztliche Hilfe Patienten von Schmerzen und Krankheit zu heilen, manche Fachgebiete können häufig nur Beschwerden lindern. Auch die Möglichkeit, in Akutsituationen bei Notfällen oder Unfällen als Notarzt hat mich sehr gereizt.

jameda: Was macht Ihnen im Praxisalltag am meisten Freude? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?
Herr Dr. Sippel: Am meisten Freude macht mir die Arbeit mit den Patienten, der direkte und persönliche Kontakt, die Patienten eine weite Strecke ihres Lebensweges begleiten zu können. Natürlich macht es mich als Arzt am glücklichsten, wenn ich helfen und Leid lindern kann. Die größte Herausforderung ist es sicher, wenn unerfreuliche Dinge, wie schwere Krankheiten oder die Notwendigkeit einer Operation den Eltern kranker Kinder mitgeteilt werden müssen. Auch Gespräche mit sehr ängstlichen oder besorgten erwachsenen Patienten sind Herausforderungen. In diesen Momenten ist es sehr wichtig, eine ruhige, vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen und sich vor allem viel Zeit zu nehmen, damit das Gegenüber alles ohne Medizinerlatein verstehen kann und jegliche Fragen Ängste Gehör finden.

jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Was raten Sie Patienten in solchen Situationen?
Herr Dr. Sippel: Das meiste Durchhaltevermögen verlangen sicher zum einen langwierige, konservative Therapien mit Krankengymnastik und Schulung von Haltung und Gangbildern, zum anderen längere Zeiten einer Entlastung an Gehstützen oder mit Gips nach Operationen. Ich kläre die Patienten sehr ausführlich und vor allem verständlich über ihre Krankheit auf, warum die jeweilige Therapie notwendig ist. Dies führt dazu, dass die Patienten verstehen, warum die Behandlung notwendig ist und motiviert sie, etwas gegen ihre Krankheit und für das schöne Ziel einer Besserung, z. B. der Beschwerdefreiheit zu tun.

jameda: Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?
Herr Dr. Sippel: Am wichtigsten ist, dass in diesen Situationen nicht erst einmal Kritik geübt wird, sondern man geduldig ergründet, warum der Patient sich nicht an die Empfehlung gehalten hat. Häufig sind Dinge nicht verstanden worden, bei komplexen Therapien schränken zu viele Termine die Freizeit zu sehr ein etc. Es ist wichtig, den Patienten intensiv einzubinden und nicht Zwang auszuüben oder ihm wortwörtlich die Pistole auf die Brust zu setzen. Bei Patienten, die trotz all’ dieser Hilfen unmotiviert oder unwillig sind, gebe ich eine neue Chancen und schließe den Pakt mit Ihnen, bis zur Kontrolle den Plan einzuhalten, bevor ich anfange, Kritik zu üben.

jameda: Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als Erstes tun?
Herr Dr. Sippel: Ich würde das System wieder dorthin führen, dass Kliniken und Ärzte, die sich Zeit für ihre Patienten nehmen und komplexe Krankheitsfälle versorgen, besser gestellt sind und dass die Prophylaxe in unserem Gesundheitssystem mehr gefördert wird. Die sogenannte „Ein- Minuten- Medizin“ ist ein großes Problem für alle Beteiligten, die weder Patient, noch Arzt, noch Kostenträger glücklich macht. Komplexe Krankheiten und Therapien erfordern deutlich mehr Zeit und auch Gelder - es kann nicht sein, dass diese Arbeit nicht extra gefördert wird.

jameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?
Herr Dr. Sippel: Ich glaube, dass die Ärzte deutlich mehr mit den Patienten sprechen, ihnen die Krankheiten und Therapien verständlicher erklären sollten. Fragen und Ängste müssen ernst genommen werden, das schafft Vertrauen beim Patienten, die Therapieerfolge stellen sich deutlich schneller ein und der Patient fühlt sich ernst genommen.© Dr. SippelDr. Christian Sippel während der Behandlung (© Dr. Sippel)

jameda: Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Praxis, das Sie nie vergessen werden?
Herr Dr. Sippel: Die schönsten Momente sind für mich, wenn ich in glücklich strahlende und dankbare Augen schauen darf, weil ein Mensch sich verstanden und gut aufgehoben fühlt und ich ihm helfen konnte. Es gibt viele Momente, die ich vor Augen habe - oft sind es Kinder und ihre Eltern, oder ängstliche Patienten, die sich nach einem großen Eingriff oder durchgestandener Erkrankung glücklich und erleichtert bedanken.

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?
Herr Dr. Sippel: Leider den Tipp, den wir sicherlich alle kennen: Machen Sie regelmäßig Sport und ernähren Sie sich gesund. Noch wichtiger noch: Seien Sie glücklich mit ihrem Leben, dankbar, wenn Sie gesund sind und gönnen Sie sich auch mal was!

 

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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