Gelenke mit Arthrose erhalten statt ersetzen mit der Fettzelltherapie: Ablauf & Ergebnisse

Dr. Klingenberg

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© blas - fotoliaWie kann Arthrose im Knie behandelt werden? (© blas - fotolia)Mit einem neuen Therapieeinsatz aus körpereigenen Wachstumsfaktoren und Stammzellen aus dem Fettgewebe können arthrotische Beschwerden des Knie- und Hüftgelenks erfolgreich behandelt werden.

Wie entsteht eine Arthrose?

Die Gründe für eine Arthrose sind vielfältig. Eine große Rolle spielen vor allem das Lebensalter, Über- und Fehlbelastung eines Gelenks und Unfälle. Übergewicht stellt einen wichtigen vermeidbaren Risikofaktor für die Arthrose des Kniegelenks dar.

Mit zunehmendem Lebensalter nimmt die Arthroserate in der Bevölkerung insgesamt zu. Frauen sind an vielen Gelenken statistisch etwas häufiger betroffen als Männer.

Im orthopädischen Alltag dominieren Schmerztabletten, Kortisonspritzen, Bandagen und Krankengymnastik die Behandlung der Arthrose. Überschaubare Schäden des Knorpels können mit dem Ziel eines körpereigenen Ersatzknorpels minimalinvasiv behandelt werden. Bei größeren Defekten fällt häufig die Entscheidung zu einem Gelenkersatz.


Warum werden Fettzellen zur Behandlung einer Arthrose eingesetzt?

Unser Fettgewebe ist extrem reich an mesenchymalen Stammzellen (MSC). Diese Zellen kommen dort weitaus häufiger vor als in anderen Geweben wie etwa dem Knochenmark. MSC aktivieren als Botenstoffe das regenerative Potential unseres Körpers und wirken antientzündlich.

Mehrere Studien konnten in den letzten Jahren belegen, dass diese Behandlungsform die Beschwerden bei Patienten mit Kniegelenksarthrose deutlich lindern kann.


Wie läuft eine solche Therapie ab?

Bei gutem Allgemeinzustand des Patienten kann die Behandlung ambulant erfolgen. Die Therapie dauert insgesamt knapp eine Stunde. In einer lokalen Betäubung der Bauchdecke oder des Oberschenkels werden dem Patienten ca. 30 ml Fettgewebe über eine spezielle Kanüle entnommen. Dazu sind nur zwei jeweils 2 bis 3 mm große Schnitte notwendig.

Grundsätzlich entspricht das Verfahren einer Fettabsaugung wie sie in der ästhetischen Medizin tagtäglich durchgeführt wird. Nur ist die entnommene Menge an Fett vergleichsweise viel geringer.

Das Fettgewebe wird anschließend mechanisch zerkleinert und wiederholt zentrifugiert. Auf diese Weise entfernt man das Öl, das den Hauptbestandteil der Zellen bildet. Am Ende erhält man ein Konzentrat von ca. 1 bis 1,5 ml.

Hierin befinden sich die mesenchymalen Stammzellen und Wachstumsfaktoren. Dieses Konzentrat wird in einer lokalen Betäubung in den Fettkörper des Knie- oder Hüftgelenks gespritzt. Anschließend kann der Patient direkt nach Hause gehen.


Ist die Behandlung für den Patienten schmerzhaft?

Auf Grund der lokalen Betäubung ist die Behandlung für die Patienten in der Regel kaum belastend.


Bei welchen Patienten wirkt das Verfahren am besten?

Bei Patienten mit mittlerer bis schwerer Arthrose in einem Bereich des Kniegelenks wirkt die Behandlung hervorragend. Patienten mit geringeren Schäden und geringeren Schmerzen profitieren meistens ausreichend von den anderen Standardtherapien.

Patienten mit massiven Knorpelschäden in mehreren Bereichen oder einer ausgeprägten Fehlstellung der Beinachse – z.B. ein X- oder O-Bein – erhalten in der Regel einen Gelenkersatz oder eine Umstellungsosteotomie.


© JPC-PROD - fotoliaDa das gewonnene Fett ein körpereigenes Produkt ist, ist die Behandlung in der Regel besonders gut verträglich. (© JPC-PROD - fotolia)

Wann macht es keinen Sinn diese Methode anzuwenden?

Die Behandlung mit körpereigenen Fettzellen macht wenig Sinn, wenn mechanische Hindernisse das Hauptproblem darstellen. Das können ein eingeklemmter Meniskus, knöcherne Anbauten oder freie Gelenkkörper sein, die die Beweglichkeit des Gelenks schmerzhaft einschränken.

Mechanische Beschwerden sollten primär auch mechanisch behandelt werden.


Können auch beide Knie gleichzeitig behandelt werden?

Ja, sowohl rein konservativ als auch in Kombination mit einer OP der Gegenseite. Nicht selten haben Patienten eine schmerzhafte Arthrose in mehr als einem Gelenk. Wird beispielsweise das rechte Kniegelenk operativ ersetzt, wird das linke Knie in der Folgezeit automatisch mehr belastet.

In solchen Fällen kann im Rahmen der gleichen OP ein Knie mit Fettzellen behandelt werden, während auf der Gegenseite eine Prothese eingebaut wird.


Übernimmt die Krankenkasse die Behandlungskosten?

Die Behandlung wird nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet. Privatpatienten können die Rechnung bei ihrer Versicherung einreichen.

Zum Teil wird die komplette Behandlung von der Krankenversicherung übernommen. Gesetzlich versicherte Patienten können sich häufig als Selbstzahler behandeln lassen.


Wie sind die Langzeitergebnisse dieser Behandlung?

Bei richtiger Auswahl der Patienten sind sie sehr gut. Der Vorteil dieser Methode ist es, dass sie nach einigen Jahren wiederholt werden kann.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (2)


09.08.2020 - 08:27 Uhr

Guten Tag, ich wäre an der Fettzellentherapie...

von Gabriele B.

... und/ oder an der Schmerztherapie für mein linkes Knie interessiert. Ich habe eine Arthrose Grad 2 und einen Meniskusriss. An dem Knie habe ich auch eine Fehlstellung durch ein X-Bein. Mein letztes MRT an diesem Knie ist vom Feb. 2019. Mein rechtes Knie hat seit Okt 2019 ein TEP. Vielen Dank.

Dr. Klingenberg

Antwort vom Autor am 12.08.2020
Dr. med. Markus Klingenberg

Vielen Dank für ihren Kommentar. Ob und welche Therapie in ihrem Fall sinnvoll ist, ergibt sich aus einer Untersuchung und Begutachtung der existierenden Befunde. Sie können gerne jederzeit einen Beratungstermin vereinbaren: 0228 909075-0 oder online hier bei Jameda.

16.07.2020 - 20:22 Uhr

Wo wird diese Behandlung durchgeführt?

von Steudl

Dr. Klingenberg

Antwort vom Autor am 17.07.2020
Dr. med. Markus Klingenberg

Ich führe die Behandlungen an Knie-, Hüft- und Schultergelenk in unserer Praxis in Bonn seit drei Jahren regelmäßig durch. Zur genaueren Erläuterung habe ich auch ein Interview bei Youtube eingestellt: https://youtu.be/wIQnG72chDQ Für Rückfragen stehe ich ihnen gerne per Email zur Verfügung: markus.klingenberg@betaklinik.de


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