Eine Krankheit mit vielen Facetten: Symptome & Behandlung der Fibromyalgie

Welche Körperteile sind in der Regel von einer Fibromyalgie betroffen? (© Robert Kneschke - fotolia)

Die Fibromyalgie ist eine chronische, schmerzhafte Muskel- und Weichteilerkrankung. Sie betrifft überwiegend Frauen. Seit Jahren wird international intensiv an den Ursachen und an wirksamen Therapien geforscht. Der Erkenntnisgewinn hält sich aber leider in Grenzen.

Viele Betroffene leiden unter erheblichen Einschränkungen, reduzierter Lebensqualität und zudem oft auch unter fehlender Akzeptanz in ihrem Umfeld und auch bei einzelnen Ärzten.

Wiederholte, oft auch längere Phasen von Arbeitsunfähigkeit führen nicht selten zu Konflikten mit dem Arbeitgeber oder sogar zu Mobbing durch die KollegInnen.

Welche weiteren Beschwerden können entstehen?

Neben den Weichteilschmerzen kann es zu verschiedensten anderen Gesundheitsstörungen kommen. Zu den körperlichen Symptomen der Fibromyalgie zählen neben Schmerzen wechselnder Intensität Muskelschwäche, Ödeme um Gelenke und im Gesicht, eine erhöhte Berührungsempfindlichkeit, eine Wetterfühligkeit sowie Ein- und Durchschlafstörungen. In schmerzarmen Phasen neigen die Betroffenen dazu, alles Liegengebliebene nachzuholen, überfordern sich dabei und schlittern in die nächste Schmerzepisode.

Eine oft begleitende vegetative Übererregbarkeit führt häufig zu erhöhter Schweißbildung, starken Blutdruckschwankungen, Nervosität und Störungen des Magen-Darmtraktes (Blähungen, Durchfall, Verstopfung) sowie der Blase (Blasenschwäche, sehr häufiger Harndrang).

Regelmäßig leiden die Betroffenen auch unter psychischen Problemen. Diese sind einerseits als logische Folge der anhaltenden körperlichen Beschwerden zu sehen, andererseits aber auch als eigene Krankheitsentität zu werten. So wird oft über eine rasche geistige Ermüdbarkeit, eine Motivationsschwäche und Konzentrationsstörungen berichtet, aber auch über eine gedämpfte Wahrnehmung (brain-fog, Fibro-Nebel), mangelhafte Entspannung und verzögerte Erholung geklagt. Die Stimmungslage ist oft depressiv gefärbt.

So kann eine Fibromyalgie behandelt werden

In Teilen gibt es Überschneidungen zwischen der Fibromyalgie und dem Chronischen Fatigue-Syndrom, bei dem ebenfalls weder die Ursache geklärt ist und bisher auch noch keine Therapie gefunden wurde.
Eine von zahlreichen ärztlichen Fachgesellschaften entwickelte Leitlinie für die Fibromyalgie-Behandlung empfiehlt einen multimodalen, also mehrschichtigen Ansatz, der sowohl die körperlichen wie auch vegetativen und psychischen Symptome adressiert. Ausgangspunkte sind eine umfangreiche Anamneseerhebung und sorgfältige körperliche Untersuchung. Die Therapiebausteine setzen sich aus der Befundkonstellation und den persönlichen Therapieerwartungen und -zielen zusammen.

Gemäß dem biopsychosozialen Konzept von Gesundheit und Krankheit verspricht ein Mix aus allen drei Komponenten den größten Behandlungserfolg. Die Weichteilschmerzen sprechen, sofern die Berührungsempfindlichkeit nicht zu groß ist, gut auf eine milde Faszientherapie an. Nicht selten wirkt eine Nahrungsumstellung, eventuell eine Fastentherapie schmerzlindernd. Psychisch gilt es den/die Betroffene(n) zu stabilisieren, den Umgang mit Schmerzen zu trainieren und neue Lebensperspektiven zu entwickeln. Die medikamentöse Behandlung bedarf einer intensiven Betrachtung.

Bekanntermaßen zeigen Schmerzmedikamente nur eine geringe und kurzfristige Wirkung und eine Übermedikation kann sogar schmerzverstärkend wirken. Für soziale Probleme (Familie, Partnerschaft, Beruf, Finanzen usw.), die im Sinne einer Rückkoppelung die körperlichen und psychischen Symptome wiederum fördern, ist eine kompetente fachliche Beratung erforderlich.

Eine Überprüfung der Wirksamkeit der einzelnen Komponenten des Behandlungskonzeptes sollte etwa alle drei Monate erfolgen. Um diesen Zeitraum rückblickend objektiv bewerten zu können, ist das Führen eines Schmerztagebuchs oft sinnvoll.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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