Das jameda-Interview: 8 Fragen an Herr Dr. med. Joachim Mallwitz

Dr. Mallwitz

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© Mallwitz Dr. Joachim Mallwitz praktiziert als Orthopäde im Rückenzentrum Am Michel in Hamburg. (© Mallwitz )Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Dr. Mallwitz interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Orthopäde.

jameda: Herr Dr. Mallwitz, was hat Sie motiviert, Orthopäde zu werden und warum haben Sie sich für Ihre Spezialgebiete entschieden? 

Herr Dr. Mallwitz: Der menschliche Körper und seine Leistungsfähigkeit haben mich schon in der Jugend und im Sport fasziniert. Das war meine Motivation, zuerst eine Ausbildung zum Physiotherapeuten zu machen.

Als Physiotherapeut habe ich gemeinsam mit dem Patienten körperliche Kompensationsstrategien erarbeitet, mit denen der Patient seine Beschwerden, z.B. aufgrund einer Skoliose oder einer Bandscheibenverschleißerkrankung, in den Griff bekommen konnte.

Damit gelang es mir, Schmerzen auch durch nicht-operative Maßnahmen erfolgreich zu behandeln. Das war für die Patienten und für mich als Therapeut eine wichtige Erfahrung.

Im Medizinstudium und meiner Ausbildung zum Facharzt für Orthopädie konnte ich die Erfahrung in der konservativen Therapie vertiefen und mein Wissen über medikamentöse und auch operative Therapieverfahren erweitern.

Die Behandlung der chronischen Schmerzerkrankung erfordert genau dieses breite Wissen um die konservativen und operativen Therapieverfahren und setzt Bereitschaft für die Arbeit in einem multiprofessionellen Team voraus. Genau diese Arbeit begeistert mich, sowohl in der Therapie von Patienten mit chronischen Schmerzerkrankungen als auch in der Therapie mit Sportlern.

jameda: Worin liegt Ihr Tätigkeitsschwerpunkt und was macht diesen so besonders?

Herr Dr. Mallwitz: Die Untersuchung von Patienten mit Beschwerdebildern des Bewegungssystems, sowohl akut als auch chronisch, stellt meinen Tätigkeitsschwerpunkt dar.

Dabei  gilt es herauszufinden, mit welchen Therapiemaßnahmen das Beschwerdebild am effektivsten behandelt werden kann und welche Fachgruppen hinzugezogen werden müssen. Im Rückenzentrum Am Michel kann ich auf ein großes Team aus Psychologen, Physiotherapeuten und Sportwissenschaftler zurückgreifen.

Die Therapiestrategie zu entwickeln und ggf. auch mit diesen Berufsgruppen abzustimmen, erfordert viel Diskussionsbereitschaft und einen wertschätzenden Umgang untereinander. Dies ist im Rückenzentrum Am Michel gegeben. 

jameda: Gibt es in der Gegenwart Hilfen oder Neuerungen, die Ihnen Ihren Praxisalltag erleichtern können?

Herr Dr. Mallwitz: Die ständige technische Weiterentwicklung der Bildgebung des Bewegungssystem mit Sonographie und Magnetresonanztomographie (MRT) erleichtern meine Arbeit, denn oberstes Ziel im Erst-Kontakt besteht in der Vermittlung von Sicherheit für den Patienten.

Gefährliche und bedeutsame Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden. Häufig gelingt dies über die Befragung und Untersuchung, aber die Bildgebung ist dabei eine große Hilfe.

Die Entwicklung und Verbreitung des Konzeptes "Schmerzen verstehen", also die Erläuterung der im Körper und im Gehirn ablaufenden neuro-physiologischen Prozesse beim Schmerzgeschehen, erleichtert meine Arbeit sehr. Hat der Patient einmal verstanden, was in seinem Körper abläuft, verlieren viele Symptome ihre Bedrohung.

jameda: Wo sehen Sie in Ihrem Fachgebiet die größten Herausforderungen für die Zukunft?

Herr Dr. Mallwitz: Meine Patienten sind in ihrem Tagesablauf überwiegend nicht mehr ausreichend körperlich gefordert. Dadurch entwickelt sich eine zunehmende Schwäche der Herz- Kreislauf-Leistungsfähigkeit und eine Schwäche der Rumpf- und Extremitätenmuskulatur. Die Notwendigkeit der körperlichen Aktivität in die Köpfe der Patienten zu bekommen, stellt eine große, aber sehr sinnvolle Herausforderung dar. Dabei ist es wichtig, eine Form des Trainings zu finden, die auf die Patienten und ihre Neigungen zugeschnitten ist. 

© MallwitzDie Räumlichkeiten des Rückenzentrums Am Michel. (© Mallwitz)jameda: Was wird an Ihrem individuellen Umgang mit Ihren Patienten besonders geschätzt?

Herr Dr. Mallwitz: Meine Patienten schätzen meine enge Steuerung und Begleitung der Physio- und Sporttherapie hier im Rückenzentrum Am Michel. Regelmäßig komme ich in die Behandlung und bespreche mit den Therapeuten und den Patienten den Behandlungsfortschritt.

Die Ruhe und die ausreichende Zeit, die ich meinen Patienten zur Verfügung stellen kann, ist ein großer Vorteil. Darüber hinaus wird die gute Organisation der Praxis mit geringen Wartezeiten und hervorragendem Service von den Patienten sehr geschätzt. Erforderliche Zusatzuntersuchungen können wir für unsere Patienten in wenigen Tagen organisieren, ebenso Vorstellungstermine bei Operateuren in den operativen Kliniken.

jameda: Was schätzen Sie an Ihren Patienten besonders?

Herr Dr. Mallwitz: Ich schätze die Offenheit meiner Patienten, umfassend über ihre Schmerzen und die verstärkenden Faktoren zu berichten. Dies ist die Voraussetzung für eine möglichst genaue Diagnose. Ich bin häufig sehr beeindruckt von der Bereitschaft der Patienten, die Einstellung zu ihrem Problem und ihren Umgang damit zu verändern. 

jameda: Gibt es ein besonderes Patientenerlebnis, das Sie nie vergessen werden?

Herr Dr. Mallwitz: Einer meiner ersten Patienten fragte mich, ob er seine langjährige Freundin nun heiraten darf. Auf die Frage, warum er mir die Frage stelle, berichtete er von der Diagnose eines Bandscheibenvorfalles in der Lendenwirbelsäule und er habe nun die Befürchtung, dass seine Freundin einen potentiellen Pflegefall mit Querschnittsymptomatik heiraten würde.

Die Angst vor einer Querschnittslähmung konnte ich ihm nehmen. Damals wurde mir sehr deutlich, wie wichtig das Gespräch und die Vermittlung der "richtigen" Information auch für das zukünftige Leben der Patienten ist.

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben? 

Herr Dr. Mallwitz: Ich empfehle täglich 30 Minuten Ausdauertraining und zwei mal pro Woche Krafttraining.

Zur Person

Dr. med. J. Mallwitz ist Physiotherapeut, Facharzt für Orthopädie, Manuelle Medizin, Sportmedizin, Dozent der Deutschen Gesellschaft für Manuelle Medizin (DGMM/ FAC). Er ist Mitbegründer und leitender Arzt des Rückenzentrum Am Michel.

Zur Praxis

Die Praxis für Orthopädie ist Teil des Rückenzentrum Am Michel, einem Therapiezentrum für interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie. Behandlungsschwerpunkt ist die nicht-operative Therapie von akuten und chronischen Wirbelsäulenbeschwerden. Die Praxis ist als Privatpraxis organisiert.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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