Hohlkreuz: So lässt sich die Wirbelsäule durch gezieltes Rückentraining aufrichten

Bei Hohlkreuz bzw. Rundrücken sollten die tiefliegende Rückenmuskulatur sowie die Bauchmuskulatur trainiert werden. (© ale Ibrak - fotolia)

Dieser Artikel klärt über die evolutionären und physiologischen Ursachen von "Hohlkreuz" bzw. "Rundrücken" auf. Er empfiehlt außerdem Maßnahmen zum Trainieren des Rückens. Erfahren Sie, wie Sie die Wirbelsäule aufrichten und den langfristigen Auswirkungen einer vermehrten Druckbelastung der Bandscheiben vorbeugen können.

Die Ursachen von "Hohlkreuz" bzw. "Rundrücken"

Das Achsskelett ist ein komplexes Organ des Bewegungsapparates. Es besteht aus sieben Halswirbelkörpern, 12 Brustwirbelkörpern, 5 Lendenwirbelkörpern und dem, aus mehreren rudimentären Wirbelkörpern verschmolzenen, Kreuzbein sowie dem Steißbein.

Die Wirbelkörper im Hals-, Brust- und Lendenbereich sind durch Bandscheiben vorderseitig und kleinen Wirbelkörpergelenken rückseitig miteinander verbunden. Ausnahme stellen hier die Verbindungen zwischen Schädel und 1. Halswirbelkörper und 1. bis 2. Halswirbelkörper dar: Hier gibt es keine Bandscheiben.

Durch die Aufrichtung des Menschen während der Evolution kam es zur vermehrten Druckbelastung der Wirbelsäule in den einzelnen Segmenten. Die Evolution versuchte durch eine s-förmige Verbiegung der Wirbelsäule ein körpereigenes Puffersystem zu schaffen, was jedoch nur zum Teil gelang.

Langfristige Auswirkung einer vermehrten Druckbelastung der Bandscheiben 

Ein gewisses Maß an "Hohlkreuz" bzw. "Rundrücken" ist somit von der Natur vorgegeben. Nimmt die "innere Muskelmanschette" ab (d. h. es kommt zum Abbau der Tiefenmuskulatur), nimmt der Grad der Verbiegung der Wirbelsäule zu. D. h. "Hohlkreuz" und "Rundrücken" nehmen zu. Hierdurch kommt es zur vermehrten Druckbelastung der Bandscheiben und der kleinen Wirbelkörpergelenke.

Hält dieser Zustand mehrere Monate oder sogar Jahre an, kommt es zur Ausbildung von Bandscheibenvorwölbungen (oder sogar Bandscheibenvorfällen) und der Ausbildung von knöchernen Ausziehungen an den kleinen Wirbelkörpergelenken (, die dann zur Arthrose und Nervenwurzelreizung führen). Im Weiteren werden dann oftmals Operationen notwendig.

Die Bedeutung des Erhalts bzw. Aufbaus der "inneren Muskelmanschette"

Soweit darf man es erst gar nicht kommen lassen! Der Erhalt bzw. Aufbau der "inneren Muskelmanschette" spielt dabei die entscheidende Rolle. Hierbei sind vor allem die kleinen, unwillkürlichen Tiefenmuskeln, die autochtone Muskulatur, bedeutsam. Sie liegen der Wirbelsäule im gesamten Verlauf in der Tiefe an und umspannen sie.

Bei ihrer Anspannung kommt es zur "inneren Streckung" und damit zur Aufrichtung der Wirbelsäule, "Hohlkreuz" und "Rundrücken" nehmen ab. Dadurch kommt es zur Entlastung der Bandscheiben und der kleinen Wirbelkörpergelenke.

Die Schwierigkeit liegt im Training der kleinen Wirbelkörpergelenke, denn diese Tiefenmuskulatur ist unwillkürlich und unterliegt nicht dem Willen. Das heißt, sie sind nicht willkürlich anspannbar, ähnlich der Herz- und Darmmuskulatur.

Doch wie ist diese Tiefenmuskulatur dann durch Training zu erreichen? Hierzu muss man sich gewisser "Tricks" bedienen.

Training der tiefliegenden Rückenmuskulatur

  1. Einsatz hochisolierender Trainingsmaschinen

    Diese Maschinen nehmen durch spezielle Fixierungsmaßnahmen die Bewegungs- bzw. Oberflächenmuskulatur aus der Bewegung. Die Übung erfolgt dann kontrolliert durch den Einsatz computergestützter Systeme, z. B. LE (lumbar extension) bzw. CE (cervical extension) von KIESER(R) oder die ILE (intensive lumbar extension) bzw. ICE (intensive cervical extension) von SPEXS(R)/ALFLEXUS(R).

    Die privaten Krankenkassen übernehmen hier in der Regel 12 bzw. 24 Therapieeinheiten, die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen keine Kosten dieser Therapie.
  2. Zweitens: Training auf beweglichen Untergrund (z. B. Balancepad, Wackelbrett, Therapiekreisel, Posturomed, Minitrampolin etc.), oft in Kombination mit Einbeinstand und Seilzugübungen. Entscheidend für den Therapieerfolg ist die konsequente Durchführung der Übungen 2-3 Mal pro Woche für mind. 2-3 Monate.

Training der Bauchmuskulatur 

Das Training der Bauchmuskeln trägt ebenfalls zur Entgradigung des Hohlkreuzes bei. (© @ jonathanborba - unsplash)
Zusätzlich zum Training der tiefliegenden Rückenmuskulatur sollte bei "Hohlkreuz" bzw. "Rundrücken" ein Training der Bauchmuskulatur durchgeführt werden. Auch hier kommt es durch die Beckenaufrichtung zur "Entgradigung des Hohlkreuzes".

Schließlich sollte bei bestehenden Beinlängendifferenzen, Beckenschiefstand bzw. Fußfehlstellungen eine Einlagenversorgung, ggf. mit Verkürzungsausgleich durchgeführt werden.
Besser als jegliche Therapie ist jedoch immer die Prävention.

Bleiben Sie aktiv.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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