Warum schmerzt mein Knie; krankheits- und stadiengerechte Behandlung (Teil 2)

Dr. Hasch

von
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© Benicce - Fotolia.com© Benicce - Fotolia.comDie klassische Ruhigstellung des Beines im Gipsverband ist oft als Erstmaßnahme durchaus angezeigt, sind dann Verletzungsausmaß und die o.g. Rahmenbedingungen abgeklärt und bekannt, stehen diverse Orthesen und Manschetten zur Verfügung, welche meist deutlich komfortabler und auch effektiver sind, als die komplette Ruhigstellung im Gips. Als heilungsunterstützende Maßnahme kann eine entsprechende medikamentöse Behandlung mit entzündungshemmenden Mitteln sinnvoll sein. Dabei muss nicht immer nur die reine Chemie zur Anwendung kommen. Pflanzliche Mittel, Naturheilverfahren und auch aus eigenem Blut hergestellte Mittel sind dabei oft effizienter und bieten ein weitaus ungefährlicheres Nebenwirkungsspektrum. Aus patienteneigenem Blut kann z.B. sogenanntes platelet rich plasma (PRP) hergestellt werden. Dabei handelt es sich um das mit Wachstumsfaktoren angereicherte Plasma, was dann wiederum zur Heilungsunterstützung an den Ort der Verletzung gespritzt wird.

Wann welche Verletzung wie behandelt wird kann also sehr unterschiedlich sein, oft stehen auch mehrere Möglichkeiten gleichberechtigt zur Entscheidung.

Als letzten Komplex möchte ich die Behandlungsmöglichkeiten der abnutzungsbedingten Kniegelenkschäden erläutern. Auch dafür stehen uns von physikalischen Maßnahmen mit Wärme oder Kälteanwendung über die verschiedensten Medikamente - als Salbe, Tablette oder Spritze angewendet - bis hin zu den unterschiedlichsten Operationsmethoden diverse Behandlungsansätze zur Verfügung.

Zunächst gilt es allerdings herauszufinden, was dem Patienten denn tatsächlich die geklagten Beschwerden verursacht. Allzu leicht machen wir die in den bildgebenden Verfahren dargestellten Veränderungen auch für die Beschwerden verantwortlich. Nicht selten sind es jedoch begleitende funktionelle Störungen welche die Schmerzen erklären und dann müssen eben auch jene behandelt werden. Nicht jede auffällige Knochenzacke im Röntgenbild macht Schmerzen! Aber selbstverständlich macht irgendwann auch ein Gelenkverschleiß, also eine Kniegelenkarthrose Schmerzen. Auslöser für die Arthrose können ganz verschiedene Ursachen sein. In gewissem Maß spielt dabei eine Vererbungskomponente eine Rolle aber auch Fehlstellungen der Beine, wie O- und X-Beine führen im Laufe der Jahre zur Arthrose. Die Vererbung lässt sich nicht beeinflussen, im Falle von Fehlstellungen machte es allerdings Sinn, diese rechtzeitig zu korrigieren. Dafür ist in der Regel eine Operation erforderlich.

Die Entwicklung einer Arthrose beginnt meist mit Verschleißzeichen am Gelenkknorpel. Um diesen zu schützen und zu stabilisieren, kann über Nahrungsergänzungsmittel (Glucosamin, Chondroitinsulfat) versucht werden, den Knorpelstoffwechsel zu verbessern, effizienter ist dies durch Spritzen in das Knie möglich. Dafür stehen uns die Hyaluronsäure oder auch das oben bereits vorgestellte plateled rich plasma zur Verfügung. Ist es zu Knorpelschäden gekommen, welche durch diese Maßnahmen nicht mehr zu beeinflussen sind, dann kann durch operative Behandlung geholfen werden. Dies ist meist zunächst im Rahmen einer Arthroskopie möglich. Ob dabei noch Techniken zur Knorpelregeneration (z.B. Microfrakturierung) sinnvoll sind oder z.B. eine Knorpeltransplantation erforderlich ist, hängt vom Ausmaß der Veränderungen ab. Ist der Meniskus in den Verschleiß mit einbezogen, macht häufig auch eine operative Behandlung des Meniskus Sinn.

Letztendlich steht am Ende der Behandlungsmöglichkeiten einer Kniegelenkarthrose dann der Ersatz durch ein künstliches Kniegelenk. Die zuvor erläuterten Behandlungen dienen in der Regel dazu, den Zeitpunkt des Gelenkersatzes möglichst weit aufzuschieben.

Zur reinen Schmerzbehandlung bei der Arthrose gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Diese reicht von lokalen Salbenanwendungen, Quarkwickeln u.ä. über diverse Medikamente aus dem naturheilkundlichen Bereich bis hin zu den schmerz- und entzündungshemmenden Mitteln der pharmazeutischen Industrie. Patient und Arzt müssen dann den Zeitpunkt festlegen, zu dem eine Gelenkprothese sinnvoll ist.

Zusammenfassend gibt es also die unterschiedlichsten Ursachen für Schmerzempfinden am Knie. Ebenso unterschiedlich sind dann auch die Behandlungsmöglichkeiten. Wichtig ist, den Grund der Beschwerden aufzuspüren und dann in gemeinsamer Entscheidung zwischen Arzt und Patient die geeignete Behandlung einzuleiten.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (8)


29.10.2014 - 09:42 Uhr

Danke für Ihren guten Berichte. Mein Problem...

von Günther

... ist nach einen Riss der Quadrizeps Sehne entstanden. Bin jetzt fast 61 Jahre alt und habe eigentlich die Nase voll von diesen täglichen Schmerzen im Oberschenkel und Knieansatz. Es wurde schon einiges gemacht,Spieglung,Glättung um von 60 Prozent Bewegungsfreiheit auf fast 90 Prozent zu kommen. Aber die Schmerzen sind alltäglich,laufen,Treppen steigen oder Fahrrad fahren. Die Aussagen der Ärzte sind sehr unterschiedlich. Da es ein Arbeitsunfall war bin ich von der BG abhängig. Frei Ärzte sehen es nicht so und würden wohl noch eine OP durchführen.

Dr. Hasch

Antwort vom Autor am 06.12.2014
Dr. med. Eckhard Hasch

Es ist mit online-Beratungen wie immer, sie sind nicht möglich und zulässig. Dies ist auch richtig so, da zu einer Beratung die Kenntnis des Befundes und dafür eben eine Untersuchung notwendig ist. Nebenbei, es gibt keine "BG-Ärzte" und "freie Ärzte" und letztlich entscheiden Sie was mit Ihrem Knie passiert, die Frage ist nur wer für welche Kosten aufkommt.

01.05.2014 - 17:46 Uhr

Bevor ich mich am Knie operieren oder (mit der...

von Janine1962

... sehr grossen Gefahr einer Infektion, welche man niemals wieder aus dem Knie herausbekommt!) spritzen lasse, würde ich zuallererst alle anderen konservativen Methoden ausprobieren. Die dauern zwar etwas länger, aber dafür geht man keinerlei Risiko ein und Komplikationen sind praktisch ausgeschlossen. Ich z.B. habe sehr gute Erfahrungen mit Hyaluronsäure-Kapseln gemacht, welche man als Nahrungsergänzungsmittel überall bekommt. Eine OP ist also nicht zwingend nötig ! Besorg Dir Hyaluronsäure-Kapseln und nimm diese für mindestens 6 Monate regelmässig ein. Danach sollten Deine Kniebeschwerden komplett verschwunden sein. VIEL ERFOLG und GUTE BESSERUNG !

06.02.2014 - 11:24 Uhr

Hallo Ich habe seit ca. 6 Jahren Rheuma.Habe ca....

von Rita

... 5 Mon. Cortison bekommen.Seitdem keine Beschwerden mehr. Regelmäßige Untersuchungen ( alle 3 Mon) bei meinem Rheumatologen.(Rheumawerte o.B.keine Therapie.Seit 2 Jahren öfters Schmerzen im rechten Knie.Nach Röntgen-Aufnahme - Arthrose festgestellt.Ab und zu Schmerzmittel genommen (Ibu akut 400) höchstens 2Tbl. .Gehe 1x pro Woche zur Aqua-Fit Gymnastik. 1x pro Woche spezieller Bewegungskurs(LnB) und 1x pro Woche beim DRK Morgengymnastik.Habe jetzt ständig Schmerzen beim Laufen u.bei längerem Stehen. Bewegungseinschränkungen Bin 62 Jahre.War fast 41 Jahre als Arzthelferin bei einem Augenarzt tätig. Bin halt ein Angsthase. Was kann ich noch unternehmen? Hyaluron-Spritzen? Magnetfeld-Therapie? Danke für Ihre Bemühungen.

Dr. Hasch

Antwort vom Autor am 06.02.2014
Dr. med. Eckhard Hasch

Als Arzthelferin wissen Sie sicher, dass Ferndiagnosen weder seriös noch zulässig sind. Arthrose festgestellt höre ich immer wieder ohne dass es wirklich stimmt - und wenn kommt es auf das Ausmaß an. Außerdem gibt es viele funktionelle Störungen, die sich als Knieschmerz äußern - ärztliche Hilfe kann nur nach Anamnese und Befund angeboten werden.

27.01.2014 - 12:02 Uhr

hallo, meine kniegelenke knacken wenn ich zb. vom...

von heidrich

... sitzen ins stehen komme oder die beinposition verändere und wenn ich in die kniebeuge gehe tun sie weh.

Dr. Hasch

Antwort vom Autor am 29.01.2014
Dr. med. Eckhard Hasch

Dann müssen die Kniegelenke untersucht werden, eine Ferndiagnose ist weder möglich noch zulässig

04.09.2013 - 10:27 Uhr

Vielen Dank für die ausführliche Beschreibung...

von I.

... der möglichen Ursachen und Behandlungsmethoden. Es ist immer noch nicht klar welche Ursache die Schmerzen hatten, die sich über ein halbes Jahr hingezogen hatten. Wird das Knie jetzt nicht belastet , ist mittlerweile eine normale schmerzfreie Fortbewegung ohne Gehhilfen möglich. Kortison und Rheumamittel sind schon eine ganze Zeit abgesetzt. Leichte Schmerzmittel und entzündungshemnmende Medikamente nimmt er noch ein. Ein Arzt empfahl uns eine intensive Physiotherapie, um die lange geschonte Bewegung wieder langsam aufzubauen und die Belastbarkeit zu erhöhen. Wir hoffen das ein normaler Alltag und eine neue Ausbildung bald wieder möglich sein werden.

01.09.2013 - 10:37 Uhr

Herzlichen Dank für Ihre schnelle Antwort....

von Ingrid

... Ergänzend möchte ich sagen, dass ich seit 1983 aktiv Turniertanzsport Standard betreibe ( Training früher 3-4x wöchentl-heute nur noch 2mal wöchentl ), seit 2001 2mal im medizin Fitnessstudio trainiere, 1mal wöchentl. manuelle KG. Wandern früher 4-6 Std, heute max 2 Std. mit Stöcken u möglichst nicht bergab! Es bildet sich immer wieder Flüssigkeit in der Kniekehle -keine Zyste! Immer wieder Diclo!! Was kann ich sonst noch tun? Muskulatur ist recht ordentlich!! Doch eine TEP akzeptieren um dann möglichst wieder ohne Schmerzen aktiv sein zu können?? Herzlichen Dank Ingrid

Dr. Hasch

Antwort vom Autor am 23.10.2013
Dr. med. Eckhard Hasch

Vor einer Prothese gibt es noch Möglichkeiten über verschiedene Injektionen ins Gelenk - der mögliche Erfolg hängt aber stark von dem Verschleißstadium ab. Eine vernünftige Beratung und Empfehlung einer Behandlungsmethode ist aber verständlicherweise nur möglich, wenn man das Knie und evtl. Röntgenbilder etc. dazu gesehen hat.

30.08.2013 - 11:41 Uhr

1984 Skiunfall, vord.Kreuzband,Innenband,...

von Ingrid

... Innenmeniskus/ 2001 Bioprothese/2007Abrasio, Shaving, Microsticks /jetzt Knorpelschaden 4.Grades u Schmerzen nach Sport in Kniekehle,leicht warm= Reizknie! Ärzte schlagen ausschließlich TEP vor??? Andere Möglichkeiten????

Dr. Hasch

Antwort vom Autor am 31.08.2013
Dr. med. Eckhard Hasch

Diese Karriere Ihres Kniegelenkes hört sich in der Tat nicht gut an und es wurde ja auch schon einiges gemacht. Die Frage ist allerdings, ob der festgestellte Knorpelschaden auch tatsächlich alleinige oder zumindest hauptsächliche Ursache der Schmerzen ist. Außerdem gehört zu dem Knie natürlich auch der "restliche Kerl". Theoretisch gibt es viele Möglichkeiten, ob diese dann auch zu dem betreffenden Knie passen muss im Einzelfall entschieden werden.

15.07.2013 - 21:53 Uhr

Wir wissen nicht mehr weiter. Mein Sohn, 19 Jahre...

von I.

... hat seit einem halben Jahr Schmerzen im Knie. Ohne Gehhilfen kann er sich nicht bewegen. Sein Knie ist nicht belastbar, er kann weder lange laufen, noch stehen oder gehen. Sämtlich Untersuchungen von verschiedenen Ärzten wurden durchgeführt. Im Moment bekommt er Medikamente gegen Rheuma, doch diese Diagnose ist keinesfalls sicher, eher unwahrscheinlich. Zwar sammelt sich jetzt kein Wasser mehr im Knie doch die Schmerzen sind dauerhaft. Er nimmt ständig Schmerzmittel und die Rheumamedikamente verursachen bei ihm Atemprobleme. Seine Ausbildung wurde ihm gekündigt, weil er seit einem halben Jahr krankgeschrieben ist und kein Ende ist in Sicht. Weis jemand Rat?

Dr. Hasch

Antwort vom Autor am 31.08.2013
Dr. med. Eckhard Hasch

Hier ist ein Rat aus der Ferne natürlich schwer. Zum einen bleibt unklar was "sämtliche Untersuchungen" sind; zum anderen sind Ferndiagnosen ohne den Patienten gesehen zu haben in der Regel nicht wirklich möglich.


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