Kunstgelenk & Sex: Was wieder möglich ist und worauf Sie achten sollten

Dr. Dexel

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© WavebreakMediaMicro - fotoliaKörperliche Beschwerden, die sich auch auf das Sexualleben auswirken, können sich zu einer zusätzlichen Belastung entwickeln. (© WavebreakMediaMicro - fotolia)Über eine Million künstliche Hüftgelenke werden weltweit pro Jahr eingesetzt. Hauptziele der Operation sind die Schmerzreduktion, das Wiedererlangen der Mobilität und die Verbesserung der Lebensqualität.

Wie Hüftprobleme das Sexualleben beeinflussen können

Sex ist ein normaler und wichtiger Teil der menschlichen Natur, der körperliche, geistige und spirituelle Fitness repräsentiert. Dieses Thema kann bei betroffenen Patienten oft Verlegenheit auslösen, so dass eine Scheu besteht, es mit ihrem behandelnden Arzt zu besprechen.

Gelenkschmerz, Steifigkeit, Deformität und Bewegungseinschränkung können das Sexualleben bereits vor einer Gelenkersatzoperation erheblich beeinflussen.

Dies ist meist bei der Hüftarthrose ausgeprägter als bei der Kniearthrose. Es ist wichtig, realistische Erwartungen zu haben und zu lernen, wie man nach einem Gelenkersatz die sexuelle Aktivität wieder aufnehmen kann. In den meisten Fällen kann die sexuelle Aktivität innerhalb der ersten drei Monate nach der Operation wieder aufgenommen werden.

75 % der Patienten, die an einer schmerzhaften Hüftarthrose erkrankt sind, berichten, dass die sexuelle Aktivität unterbrochen oder gar gestoppt wurde. Der Kunstgelenkersatz der Hüfte repräsentiert eine der erfolgreichsten elektiven Operationen, die heute durchgeführt werden. Allerdings benötigt der Körper einige Zeit, um mit dem neuen Gelenk zurechtzukommen. Das Weichteilgewebe, das die Hüfte umgibt, muss heilen, bevor man zur gewohnten Aktivität übergehen kann.

In Studien wurde gezeigt, dass sich das Sexualleben bei orthopädischen Patienten, die eine Hüftprothese erhalten haben, in Bezug auf die Libido, die Dauer des Liebesaktes und die Sexhäufigkeit verbessert hat.


Sex mit künstlichem Kniegelenk

Vor dem Kunstgelenkersatz des Kniegelenks beschreiben Patienten, dass das Sexualleben v.a. durch den Knieschmerz, die verminderte Bewegungsfähigkeit und durch die Unfähigkeit zu knien eingeschränkt ist. Prinzipiell ist eine sexuelle Betätigung kurz nach der Operation ohne Einschränkungen wieder möglich.

Jedoch können noch Beschränkungen in der Beweglichkeit (Beugung und Streckung) vorhanden sein. Ein Knien ist erlaubt, kann aber möglicherweise zu Schmerzen im Bereich der Narbe führen.

Der Schmerz zeigt dem Patienten gut an, was möglich ist und was vorerst noch gelassen werden sollte.

Sex mit künstlichem Hüftgelenk

Verschiedene Positionen während des Sex können zu Komplikationen führen, insbesondere zur Luxation (Ausrenkung). Die Luxation ist ein medizinischer Notfall und benötigt einen Krankenhausaufenthalt, bei dem die Hüfte wieder eingerenkt wird. Eine Ausrenkung sollte vermieden werden.

Bei extremer Hüftbeugung kann das Implantat mit anderen Beckenanteilen in Kontakt kommen. Dabei kann die Hüfte aus der Pfanne herausgedrückt, also auskugelt werden.

Somit kann allgemein empfohlen werden, dass der Patient mit einem Kunstgelenk der Hüfte extremes Beugen vermeiden sollte. Bei Unsicherheit oder Schmerz sollte gestoppt werden.
Eine Luxation der Hüfte während des Sex passiert insgesamt sehr selten. Man erkennt diese an den einsetzenden Schmerzen und der Beinlängenverkürzung.

Was tun bei Komplikationen wie z. B. Luxation?

Falls dieser Fall auftreten sollte, legen Sie sich hin und alarmieren Sie den Rettungsdienst. Eine Vorstellung im Krankenhaus ist notwendig. Nach einer Röntgenaufnahme wird die Hüfte ggf. in einer Kurznarkose wieder eingerenkt. Im Anschluss ist es meist notwendig, für sechs Wochen eine Antiluxationsbandage zu tragen.

Das Risiko einer Luxation ist mit der modernen Endoprothetik geringer geworden. Durch gewebeschonende Techniken (minimalinvasive Zugänge) kann die Schädigung der Muskulatur reduziert werden. Heutzutage werden auch größere Hüftköpfe verwendet, die das Risiko einer Ausrenkung ebenfalls vermindern.

Ein stabiles und sicheres Gelenk nach der OP

Intraoperativ wird das Gelenk bezüglich der Maximalbewegungen getestet, d.h. die Hüfte wird stark gebeugt und in alle Richtungen rotiert. Sollte es hierbei zu einer Ausrenkung kommen, kann herausgefunden werden, woran es liegt und das Problem wird noch im OP behoben. Damit wird die Hüfte von vornherein sehr stabil eingebaut.

Die Gefahr der Luxation ist in den ersten sechs Wochen am größten, daher sollte man sich in dieser Zeit zurückhalten. Im Laufe der Zeit bildet sich um das implantierte Hüftgelenk eine neue Kapsel aus, die das Hüftgelenk vor einer Luxation zusätzlich schützt. Je mehr Zeit nach der OP vergangen ist, umso stabiler bzw. sicherer ist das Gelenk.


© bht2000 - fotoliaBesonders bei frisch gesetzten Implantaten sollten Sie darauf achten, Ihre Gelenke nicht zu überlasten. (© bht2000 - fotolia)

Welche Positionen sind sicher?

Der Patient liegt auf dem Rücken und die Partnerin oder der Partner oben. Leichte Beugung und Abspreizung der Hüfte sind gut möglich, eine starke Beugung der Hüfte über 90° sollte jedoch vermieden werden. Auch eine stehende Position für beide Partner eignet sich gut.

Bei einer seitlichen Position sollten Patienten ein Kissen zwischen die Knie legen, um zu vermeiden, dass die Beine übereinanderschlagen.


Welche Position sollte vermieden werden?

Alle Positionen, bei denen die Hüfte über 90° gebeugt wird, sollte vermieden werden.

Je nach Operationszugang besteht eine Gefahr, dass die Hüfte bei starker Beugung der Hüfte kombiniert mit einer Innen- oder Außendrehung des Beines ausgerenkt wird. Eine Ausrenkung kann nach vorne oder auch nach hinten erfolgen. Ebenso trifft dies für übereinandergeschlagene Beine zu.

Ein Gespräch mit dem Operateur über „sichere und gefährliche“ Bewegungen sollte geführt werden.

Für Frauen mit endoprothetisch versorgtem Hüftgelenk bestehen mehr Einschränkungen als für Männer.


Kurz und knapp

Hüfte

  • Alle Bewegungen sollten schmerzfrei durchgeführt werden können.
  • Das operierte Bein in der Hüfte nicht über 90° beugen.
  • Die Beine nicht übereinanderschlagen.
  • Das Ein- und Auswärtsdrehen des Hüftgelenks sollte vermieden werden.
  • Nicht tief sitzen.


Knie

  • Nicht direkt auf dem operiertem Knie knien – ggf. mit Kissen unterpolstern.
  • Keine tiefe Kniebeuge machen.
  • Das operierte Kniegelenk nicht verdrehen.


Vorbereitung

Ein leichtes Schmerzmittel 20 bis 30 min vor dem Sex kann Beschwerden beheben. Es sollte vermieden werden, starke Schmerzmedikamente einzunehmen, da ansonsten Schmerz als Warnsignal nicht mehr wahrgenommen wird. Kissen sollten zur komfortablen Lagerung vorhanden sein.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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