Verwechslungsgefahr bei Leistenbrüchen? Keine Angst vor falschen Diagnosen!

Sportlerleiste oder Nabelbruch statt Leistenbruch - Sind Verwechslungen und falschen Diagnosen möglich? (© bilderstoeckchen - fotolia)

Jedes Jahr werden deutschlandweit mehr als 200.000 Leistenbruch-Operationen durchgeführt. Kann hinter den Symptomen auch eine andere Ursache stecken?

Leistenbruch, Nabelbruch oder Sportlerleiste?

Aufgrund der Anatomie sind Männer mit ca. 96 % der Fälle sehr viel häufiger betroffen. Frauen bekommen eher Nabelbrüche.

Während der Schwangerschaft kann es aber auch bei Frauen zu Schmerzen in der Leiste kommen. Dabei handelt es sich jedoch in der Regel um verdickte Venen am runden Mutterband, einem Aufhängeapparat der Gebärmutter.

Bei Fußballern kommt es sehr häufig zu Schmerzen in der Leistenregion. Die Sportlerleiste ist unter Profis und Freizeitsportlern ein weit verbreitetes Phänomen. Bevor der Chirurg tätig wird, muss jedoch die Diagnose sicher sein.

Welche alternativen Diagnosen kommen in Betracht?

Verdickte Lymphknoten können fehlgedeutet werden. Dort finden sich bei Frauen immer wieder Endometrioseherde, die die Schmerzen zyklusabhängig hervorrufen. Sind diese Lymphknoten entfernt, sind die Schmerzen weg.

Probleme mit der Harnblase und den Nieren können auch Schmerzen in den Leisten hervorrufen. Rückenschmerzen bei Bandscheibenproblemen führen ebenfalls zu Leistenschmerzen. Die Hüftgelenksarthrose oder generell Hüftprobleme sind weitere Ursachen. Auch eine vergrößerte Bauchschlagader, ein Aortenaneurysma, kann Schmerzen in der Leiste hervorrufen.

Viele Sportler stellen sich mit Leistenschmerzen vor. Die Probleme finden sich manchmal jedoch ganz woanders: neue Laufschuhe bei Joggern oder Knie- oder Sprunggelenksverletzungen mit der daraus resultierenden Schonhaltung und Fehlbelastung. Fußballer sind immer wieder betroffen, weil beim Schuss oder bei Abwehrbewegungen die Muskulatur in der Leiste überbelastet wird und Mikroverletzungen entstehen.

Ist die Diagnose eines Leistenbruches schwierig? 

Im Prinzip ist es nicht schwer, einen Leistenbruch zu diagnostizieren. Schwierig ist es, wenn sich kein Leistenbruch findet und alternative Schädigungsmechanismen zu klären sind.

Eine Ausstülpung in der Leiste ist nicht nur tastbar, sondern in der Regel auch gut sichtbar. Betroffene sollten sich auf jeden Fall bei einem Chirurgen vorstellen. Nach seiner Untersuchung wird er entschieden, ob es sich um eine Situation handelt, die durch eine Leistenbruch-Operation behoben werden sollte. Anders als früher können Leistenbrüche, die schon länger bekannt sind und keinerlei Probleme verursachen, beobachtet werden.

Wovor hat der Patient Angst, wenn operiert werden muss?

Viele haben Angst vor der Narkose. Manchmal bestehen in der Tat Narkoserisiken, wie beispielsweise eine Herzerkrankung oder ein Diabetes mellitus.

Für den Leistenbruch gibt es verschiedene Operationsverfahren. Minimalinvasive Verfahren brauchen keine Narkose, da der Eingriff über kleine Instrumente und eine Kamera durchgeführt wird, die in die Bauchhöhle eingebracht werden. Warum diese Eingriffe so häufig sind, ist nicht zu erklären, denn nach Auffassung der medizinischen Fachgesellschaften ist für den simplen Leistenbruch die offen chirurgische Operation die erste Wahl, bei der ein Netz eingelegt wird. Sie könnte beispielsweise bei Risikopatienten in einer Halbkörperbetäubung oder sogar in einer örtlichen Betäubung durchgeführt werden, gerne auch ambulant.

Bei allen Leistenbruch-Operationen wird standardgemäß ein Kunststoffnetz verwendet, um die Lücke zu verschließen. Dabei handelt es sich um die sogenannte Lichtenstein-Technik. Die Lücke durch eine reine Naht zu verschließen, ist keine gängige Methode mehr. Die sogenannte Shouldice-Technik wird jedoch noch erstaunlich oft in Krankenhäusern genutzt.

Bei einer banalen Erkrankung wie dem Leistenbruch sind einige Besonderheiten zu berücksichtigen. Es gibt patientenorientierte schonende Konzepte, die mit den Betroffenen abgestimmt werden.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (16)

Barbara B., 22.03.2021 - 18:20 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Fuchs, seit drei Monaten habe ich ziehende Schmerzen im linken Unterbauch, und in der Leiste welche bis in den Oberschenkel ziehen. Diese werden stärker beim Sitzen und bei Bewegung. Sie werden besser beim Liegen. MRT ist ohne Befund. Eine Wölbung liegt nicht vor. Kann es sein, dass es sich um einen Leisten- oder Schenkelbruch handelt? Vielen Dank für eine Antwort.

Antwort von Dr. med. Jörg Fuchs, verfasst am 23.03.2021

Sehr geehrte Frau Barbara B., der Wahrscheinlichkeit eher nicht. Frauen haben eher selten einen Leistenbruch, so dass auch an viele andere Ursachen zu denken ist. Es wäre die Frage an den Radiologen zu stellen, ob er etwas gynäkologisches, orthopädisches (Rücken/Hüfte) oder etwas vom Darm (Divertikel/Entzündung) her im MRT sieht. Manchmal kommt es auch von den Muskeln, so dass die Vorstellung beim Physio oft Wunder wirkt. Oder zum Chirurgen, der dann einen Bruch ausschließt. Grüße aus Köln - Dr. Fuchs

Sami, 06.03.2021 - 08:26 Uhr

2 Tage nach intensivem Geschlechtsverkehr scharfe Druckschmerzen LINKE Seite Leiste. Urologen tastet kurz und sagt Leistenbruch. Beschwerden nehmen von Tag zu Tag ab. 3 Tage später Termin Chirurg. Führt alle klinischen Tests durch, Husten etc. kein Anzeichen auf Leistenbruch LINKS. Als Vergleich möchte er auch RECHTE asymptomatische Leiste abtasten. Er meint dann das er etwas kleines spüre auf der RECHTEN Seit. Visuell keine Schwellung wahrnehmbar. Keine Schmerzen! Nichts. Um sicher zugehen möchte er ein MRI. Ich bin nach Hause gegangen und habe dann mal meine Schamhaare rasiert. Es kamen dann 2 grosse Narben zum Vorschein. Und meine Frau entdeckte auf meiner Seite wo ich Schmerzen hatte eine Blaufärbun (Hämatomähnlich). Der Fall war jetzt klar. Wegen Sex hatte ich da ein Trauma und darum eine Verletzung. Der Chirurg konnte darum da auch nichts diagnostizieren. Auf meiner rechten Seite wo ich nie Beschwerden hatte und nie eine Schwellung hatte, könne er was tasten. Darum empfiehlt er MRI. Auf meiner rechten Seite aber sieht mann jetzt nach der Rasur meine senkrechte alte (ca. 35 Jahre alte) Narbe mit flachen derbem Narbengewebe. Der Chirurg hatte während dem Untersuch keine Ahnung von der Narbe. Mein Verdacht: er hatte das Narbengewebe abgetastet. Mein Fall zeigt klar das es wohl besser ist abzuwarten. Ich habe keine Schwellung, keine Schmerzen! Ich werde kein MRI machen! Sicher auch nicht eine OPs solange keine Beschwerden. Bin 40 Jahre alt. Männlich.

Antwort von Dr. med. Jörg Fuchs, verfasst am 10.03.2021

Sehr geehrter Leser, dem stimme ich zu und würde es genauso machen. Die Diagnose wird nicht mit dem Kernspin gestellt sondern klinisch und mit dem Ultraschall. BG - Fuchs

E. Grünert, 31.01.2021 - 11:49 Uhr

Nach einer minimalinvasiven Hernieoperation steht ein Hoden drei cm höher ziemlich dicht an der Leistenbruchstelle. Wurde der Samenleiter beim Netzeinetzen eingeklemmt? Kann es sich, so der Operateur, um eine Entzündung des Samenleiters handeln, hervorgerufen durch einen während der Operation entstandenen Bluterguss?

Antwort von Dr. med. Jörg Fuchs, verfasst am 04.02.2021

Sehr geehrter Herr Grünert, die Situation ist ungünstig und sollte behoben werden, da ein Leistenhoden durch die erhöhte Temperatur in seiner Funktion beeeinträchtigt wird. Dass es sich hier um eine hämatombedingte Entzündung handeln soll, läßt sich nicht nur schwer beurteilen sondern ist nicht wirklich nachvollziehbar. Ich empfehle eine Zweitmeinung. MfG - Dr. Fuchs

Julian, 30.10.2020 - 14:20 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Fuchs. Vor einer Woche ist mir beim Duschen eine kleine Beule links in der leistengegend aufgefallen. Nach Abtasten konnte ich eine weichere Schwellung feststellen die man gut mit zwei Flingern spüren kann. Beim liegen und sitzen ist rein gar nichts abzutasten. Schmerzen habe ich keine. Beim Husten und niesen ist diese Schwellung noch besser zu spüren. Wie ein kleiner Ballon der etwas aufgepustet wird. Sollte ich damit zum Hausarzt? Handelt es sich eventuell um einen Leistenbruch? Bin sportlich auch sehr aktiv. Vielen Dank vorab

Antwort von Dr. med. Jörg Fuchs, verfasst am 04.11.2020

Sehr geehrter Herr Julian X, die Wahrscheinlichkeit eines Leistenbruches ist sehr hoch. Der Hausarzt sollte die Vermutung ausschließen oder die Diagnose erhärten. Danach kann mann weiter sehen. Ein Leistenbruch ohne Beschwerden kann beobachtet werden. Er wird allerdings nicht mehr von alleine verschwinden, so dass Betroffene auf Dauer eine Operation anstreben sollten. Beste Grüße aus Köln - Dr.Fuchs

Werner H., 03.07.2020 - 13:11 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Fuchs, der Artikel ist ja schon einige Tage alt, ich hoffe Sie geben noch Rat zu den Kommentaren hier. Ich habe während unseres Umzuges einen (vermeintlichen) Leistenbruch rechts entdeckt. Die Wölbung ist reponierbar. Der Hausarzt konnte bei der Untersuchung keinen Bruch feststellen und der Radiologe auf den Bildern des MRT ebenfalls nicht. Schmerzen habe ich nicht wirklich, kann das aber aufgrund versch. Bandscheibenvorfälle auch nicht so genau sagen ich verspüre jedoch ein Fremdkörpergefühl und kann nach dem zurückschieben sehr genau den Leistenkanal spüren. Jedenfalls kann ich die Beule mittlerweile aktiv herausdrücken und dann auch wieder zurück schieben. Nachdem jedoch 2 Ärzte keinen Leistenbruch diagnostiziert haben, bin ich nun etwas ratlos. Denn es ist schon etwas gruselig wenn die Beule rechts am Schambein heraustritt und die Angst vor EInklemmung einer Darmschlinge ist ebenfalls unangenehm. Was würden Sie mir raten? Vielen Dank, Werner H.

Antwort von Dr. med. Jörg Fuchs, verfasst am 07.07.2020

Sehr geehrter Herr Werner H., ja, der Artikel ist älteren Datums. Die Erkenntnisse und die Therapien haben sich jedoch auch nicht verändert. Wenn Sie eine Beule herausdrücken und auch wieder zurückbringen können, dann ist die Diagnose sehr sicher. Dies läßt sich auch nachvollziehbar im Ultraschall darstellen. Ein MRT ist selten zielführend. Sie sollten einen Chrirugen aufsuchen, der klinisch untersucht und auch einen Ultraschall durchführt. Falls ich der Chirurg bin, den sie aufsuchen wollen, würde ich mich freuen. Ein Leistenbruch kann auch in örtlicher oder Halbkörper-Betäubung operiert werden, falls bei Ihnen irgendwelche Narkoserisiken vorliegen. Grüße aus Köln - Dr. Fuchs

Elke D., 25.06.2019 - 16:16 Uhr

Hallo, bei meinem Mann wurde ein Leistenbruch diagnostiziert. Nachdem er gestern unter Vollnarkose operiert wurde erhielt er heute anlässlich der Visite die Diagnose: es war kein Leistenbruch sondern eine Fettgeschwulst. Wie kann denn so etwas passieren? Es wurde in einem zertifizierten Krankenhaus durchgeführt. Freundliche Grüsse

Antwort von Dr. med. Jörg Fuchs, verfasst am 26.06.2019

Sehr geehrte Frau Elke D., bevor ich mich hierzu äussern kann, benötige ich noch zwei Angaben: Wurde bei den Voruntersuchungen ein Ultraschall der Leiste durchgeführt und wurde Ihr Mann durch die Bauchhöhle, also laparoskopisch operiert? Beste Grüße Dr.Fuchs - gefaessmedizin-plus.de

Max B., 07.11.2018 - 17:47 Uhr

Guten Tag, ich 35, war aufgrund einer Vorwölbung (eher flach nach m.M.) rechts die nach dem Sport aufgefallen ist in einer Herniensprechstunde im KH. Ergebnis nach dem Ultraschall, eine Hernie liege vor, Sonographisch deutliches Bulging, eine eigentliche Bruchpforte ist nicht darstellbar. Operation elektiv in den nächsten Monaten, da ich langfristig damit Probleme bekäme. Im Liegen ist davon nichts zu sehen. Der Hausarzt hingegen sagt das könne auch evtl. noch 20 Jahre ohne eine OP halten. Beschwerden bestehen seit nun 6 Monaten keinerlei, beim Anspannen des Bauches ist die Wölbung kaum bis gar nicht zu sehen, abends doch eher etwas mehr als morgens, immer mal etwas unterschiedlich. Beim Nießen auch etwas deutlicher zu sehen. Frage: Handelt es sich ohne eine Bruchpforte denn überhaupt um einen richtigen Bruch? Oder ist eine Wölbung automatisch ein Bruch. Ist ohne diese Bruchpforte die Einklemmungsgefahr eher niedrig und ein weiteres Abwarten auch gut gerechtfertigt, wie es aktuelle Studien sagen? Freundliche Grüße

Antwort von Dr. med. Jörg Fuchs, verfasst am 11.11.2018

Guten Morgen Herr Max. B., Ihre Beschreibungen lassen recht sicher den Schluß zu, dass es sich um einen Leistenbruch ohne Symptome, also um einen asymptomatischen Befund, handelt. Ein Bruchpforte läßt sich sicherlich auch finden, ist jedoch manchmal im Ultraschall nicht sofort darstellbar. Eine Indikation zur Operation ist in Ihrer Situation abhängig von den Beschwerden und der Größe des Bruches. Da beides noch eher im Hintergrund steht, kann abgewartet werden. Das heißt jedoch nicht, dass der Bruch wieder verschwindet. Die Klinik und Ihr Hausarzt, beide haben recht. Wenn der Bruch Sie momentan überhaupt nicht stört, empfehle ich das Abwarten. Jederzeit kann auch zu einem späteren Zeitpunkt operiert werden. Beste Grüße aus Köln, Dr.Fuchs

Helga S., 22.06.2018 - 03:38 Uhr

Mein Sohn bekommt eine Endoskopie wegen Verdacht auf Leistenbruch. Kann man das auch Ambulant machen und wie lange darf er kein Sport machen als Torwart?

Antwort von Dr. med. Jörg Fuchs, verfasst am 25.06.2018

Sehr geehrte Frau Helga S., die Diagnose eines Leistenbruches wird nicht durch einen operativen Eingriff gesichert! Das finde ich doch sehr bedenklich, was ich da höre. Wenn er einen Leistenbruch hat, kann man ihn sehen und tasten. Falls wirklich eine bildgebende Diagnostik erforderlich ist, gehört er ins MRT=Kernspin, aber nicht auf den OP-Tisch. Wenn er eine Sportler-Leiste hat, gehört er zum Physiotherapeuten und nicht auf den OP-Tisch. Hat er einen zu behandelnden Leistenbruch, dann wird dieser durch einen offen-chirurgischen Eingriff mit Netz versorgt. Ein laparoskopischer Eingriff ist nicht die erste Wahl, so sagen es die Fachgesellschaften. BG aus Köln, Dr. Fuchs

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