Sanfte Leistenbruch-OP: Offen oder minimalinvasiv? Mit Shouldice-Methode oder Netz?

Dr. Fuchs

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©fotolia-Andrey PopovDer Leistenbruch ist eine, besonders bei Männern, häufige Erkrankung (©fotolia-Andrey Popov)Im Mai 2017 fand der Kongress der Europäischen Hernienexperten zum Thema Leistenbruch, Nabelbruch und Narbenbruch in Wien statt. Internationale Experten rund um den Erdball haben ihre Erfahrungen und die aktuellen Behandlungsempfehlungen ausgetauscht. Wie werden also heutzutage Leistenbrüche behandelt?

Wie häufig ist ein Leistenbruch?

Es handelt sich um eine relativ häufige Erkrankung mit über 200.000 Eingriffen pro Jahr in Deutschland. In den Vereinigten Staaten von Amerika sind es über 700.000 Eingriffe im Jahr. Einig waren sich die Experten dahingehend, dass ein Leistenbruch heute nicht mehr unbedingt im Krankenhaus operiert wird, sondern dass diese Eingriffe besser ambulant behandelt werden sollten. Aber erstaunlicherweise fanden nach einer Aussage des Statistischen Bundesamtes in 2015 ungefähr 175.000 Leistenbruch-Operationen im Krankenhaus statt.

Wie werden Leistenbrüche behandelt?

Die überwiegende Zahl der Eingriffe erfolgte über die sogenannte Schlüssellochchirurgie, also als laparoskopische Operation. Nur etwa 40 Prozent der Patienten wurden offen chirurgisch operiert. Manche Krankenhäuser und ambulante Chirurgen bieten immer noch die Shouldice-Operation an, eine Reparatur des Leistenkanales ohne Netze, also nur mit körpereigenem Material.

In Amerika erfreut sich dieses Behandlungsverfahren großer Nachfrage. Der einzige Grund ist jedoch, dass es kostengünstiger ist. Effizient ist es nicht, denn die Wiederkehrrate, anders ausgedrückt die Rezidivquote, ist sehr hoch. Netzfreie Hernienoperationen sind nicht mehr zeitgemäß.

Weshalb werden die minimalinvasiven Eingriffe oft in Krankenhäusern oder ambulanten Kliniken angeboten?

Es erscheint modern und der Patient wünscht sich wenig von den Narben zu sehen. Betrachtet man diesen Wunsch kritisch, kann man feststellen, dass die Narben nach endoskopischen Verfahren viel öfter zu sehen sind, da sie im sichtbaren Bauchbereich liegen. Die kleine Narbe nach einer offen chirurgischen Operation liegt in einer Hautfalte im Leistenbereich. Nach einigen Monaten ist sie nicht mehr sichtbar.

Welche Risiken gibt es?

Die Experten waren sich ebenfalls einig, dass Komplikationen glücklicherweise selten sind. Bei der Schlüssellochchirurgie findet sich jedoch eine höhere Komplikationsrate. Die Zahl der Verletzungen von Gefäßen oder Darmschlingen im Bauch ist niedrig, der Schaden, der dann eintritt, ist jedoch erheblich. Die Zahl von Rezidiven und erneuter Operationen steigt dadurch an.

Die europäischen Experten betrachten die offene chirurgische Operation mit netzbasierter Technik und ambulanten Eingriffen als erste Wahl für den Leistenbruch. Interessant ist, dass Patienten, die sich beim ersten Mal einer komplikationsträchtigeren laparoskopischen Operation unterzogen haben, beim zweiten Mal offen operiert werden.

Wie sollte ein Leistenbruch also operiert werden?

Das sanfte, schonendere und effektivere Operationsverfahren ist demnach, sich durch einen erfahrenen Chirurgen ambulant und mit einem Netz operieren zu lassen. Eine Allgemein-Narkose lässt sich alternativ durch eine Halbkörperbetäubung oder örtliche Betäubung ersetzen. Letzteres ist besonders bei Patienten höheren Alters oder mit bestehenden Narkoserisiken sinnvoll.

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Kommentare zum Artikel (1)


24.07.2017 - 14:19 Uhr

Findet die OP unter örtlicher Betäubung statt?...

von Betz

... Ist es dem Patienten dadurch möglich die OP zu verfolgen ?

Dr. Fuchs

Antwort vom Autor am 25.07.2017
Dr. med. Jörg Fuchs

Sehr geehrter Leser, die Shouldice-Methode entspricht nach Auffassung der internationalen Experten (letzte Sitzung auf dem Kongress der Deutschen und Europäischen Herniengesellschaft 2017 in Wien) nicht mehr dem Standard. Netzbasierte Verfahren haben die Shouldice-Naht ersetzt. Dies steht in den Leitlinien. An Narkosemöglichkeiten gibt es die Vollnarkose, die Halbkörperbetäubung oder die Lokalanästhesie. Den Hygienevorschriften gemäß befindet sich der Patient unter einer Abdeckung, so dass er vom Eingriff nichts sieht. Die Unterhaltung mit dem Operateur ist erlaubt und möglich. Dr.Fuchs


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