Minimalinvasive arthroskopische Gelenkchirurgie: Ablauf, Risiken, Vorteile, Nachteile & Nachbehandlung

Auch am Schultergelenk kann eine minimalinvasive arthroskopische Gelenkchirurgie durchgeführt werden. (© @aggergakker - unsplash)

Die Arthroskopie ist eine minimalinvasive, moderne und sehr genaue Methode, um verletzte Gelenke operative zu behandeln. Über kleine Hautschnitte werden dabei eine hochauflösende Kamera und spezielle minimalinvasive Instrumente in das Gelenk eingeführt. Der Operateur kann so eine exakte Diagnose stellen und die Erkrankung unmittelbar behandeln.

Der Begriff Arthroskopie kommt aus dem Griechischen und setzt sich zusammen aus arthros (Gelenk) und skopein (Schauen). Sie wird umgangssprachlich auch als Schlüssellochchirurgie bezeichnet.

Exakte Diagnostik dank hochtechnisiertem Verfahren

Die Arthroskopie profitiert stark von der technischen Entwicklung im Bereich der Optik und Bildverarbeitung. Unterstützt durch hochauflösende Monitore in 4K-Qualität (Ultra-HD = Ultra High Definition = 3.840 x 2.160 Pixeln, das sind 8.294.400 Bildpunkte) kann eine exakte Diagnose gestellt werden und eine entsprechende Therapie im Gelenk erfolgen. Die Auflösung der verwendeten Kameras ist so gut, dass sie einem Mikroskop gleicht und man die einzelnen Erythrozyten im Blut sehen kann.

Technische Voraussetzungen der Arthroskopie

  • Kameraeinheit mit Kamerakopf (UHD) und Optik (meist 30° abgewinkelt, ggf. 70° abgewinkelt)
  • Monitor in 4K (UHD)
  • Kaltlichtquelle
  • Wasser-Pumpeneinheit (Füllung des Gelenks mit Wasser mit einem definierten Druck) – die Operation findet "unter Wasser" statt.
  • digitale Foto- und Videodokumentationseinheit
  • Shavereinheit – Anschluss von oszillierenden Saug-Fräsen
  • Hochfrequenz-Gerät (Elektrokauter mono- bzw. bipolar)
  • Arthroskopische Arbeitsinstrumente

Bei der Arthroskopie eines Gelenkes handelt sich um einen minimalen (minimal invasiven), schonenden (verursacht nur wenig Schmerzen und kleine Narben), sicheren und präzisen Eingriff. Eine Vielzahl von Operationstechniken kommt je nach Erkrankung und betroffenem Gelenk zum Einsatz.

Folgende Gelenke können arthroskopisch behandelt werden:

  • Schultergelenk
  • Kniegelenk
  • Ellenbogengelenk
  • Handgelenk
  • Hüftgelenk
  • Sprunggelenk

Wie läuft die minimalinvasive arthroskopische Gelenkchirurgie ab?

Die Operation kann in den meisten Fällen ambulant in einem OP-Zentrum stattfinden. Bei schweren Begleiterkrankungen oder einer fehlenden häuslichen Betreuung kann ein kurzstationärer Aufenthalt notwendig sein.

Durch die minimalinvasive Methode kann auf eine klassische Eröffnung des Gelenkes verzichtet werden. Das bringt für den Patienten viele Vorteile mit sich. Neben einem geringeren postoperativem Schmerz aufgrund der kleineren Wunden und kleinere Narben besteht ein geringeres Infektionsrisiko. Die Mobilisierung nach der Operation ist in der Regel ebenfalls rascher als bei einer offenen Operation.

In welchen Bereichen kommt die Arthroskopie zum Einsatz?

An der Schulter können zum Beispiel ein Engpass-Syndrom (Impingement), ein Riss der Rotatorenmanschette, eine Instabilität (wiederkehrende Auskugelung des Gelenkes), Kalkschulter oder eine Verletzung der Gelenklippe (SLAP-Läsion) arthroskopisch behandelt werden.

Am Knie wird die Arthroskopie zur Behandlung von Knorpel- oder Meniskusverletzungen eingesetzt. Aber auch für Kreuzbandplastiken, Patella Stabilisierungen (MPFL-Plastik) und in Kombination zu offenen Verfahren wie bei der hohen tibialen Umstellungsoperation.

Das Arthroskop (starre Kamera mit einer 30° gewinkelten Optik) wird über einen kleinen Hautschnitt in das Gelenk eingebracht. Zusätzlich wird dann unter Sicht ein zweiter Zugang zum Einführen der Instrumente angelegt.

Jede Arthroskopie beginnt mit einem diagnostischen Rundgang durch das komplette Gelenk. Hierbei werden Gelenkstrukturen visuell, funktionell und palpatorisch, also mittels Tasthaken, überprüft.

Risiken der Arthroskopie

  • Wundheilungsstörungen
  • Gelenkerguss
  • Thrombose (Knie)
  • sehr selte: Gelenkinfekte (Vereiterung)

Vorteile der Arthroskopie

  • Das Gelenk muss nicht komplett eröffnet werden.
  • Weniger postoperative Schmerzen aufgrund eines kleinen Zugangs (kleinste Hautöffnungen, sogenannte Portale), dadurch gewebeschonend
  • Die Gelenkstrukturen können während der Gelenkbewegung beurteilt werden (dynamische Untersuchung).
  • geringeres Infektionsrisiko (Vereiterung)
  • besseres kosmetisches Ergebnis – geringere Narbenbildung (kleinere Wunden)
  • schnellere Mobilisation nach der Operation
  • gestochen scharfe Bilder aus dem Gelenk in 4K-(UHD)Qualitïät
  • hochtechnisierte Methode

Was man nach einer durchgeführten Arthroskopie tun sollte

  • Hochlagern und Kühlen
  • Körperlich schonen
  • Einnahme von Analgetika mit abschwellendem Effekt
  • Physiotherapie

Um mehr über die Arthroskopie zu erfahren, wurde der 1. Februar zum Tag der Arthroskopie ausgerufen. In vielen Kliniken und Praxen finden an diesem Tag Patiententage statt, um über die Methode der Arthroskopie aufzuklären.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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