Die moderne Hüftprothese: Das sind die Vorteile

Welche Arten von Hüftgelenksprothesen kommen in Frage? (© psdesign1 - fotolia)

Wann muss eine Hüftprothese eingesetzt werden?

Die häufigste Ursache für die Implantation einer Hüftprothese ist die Hüftgelenksarthrose. Bei dieser Verschleißerscheinung des Hüftgelenkes reibt der Oberschenkelknochen durch den Abrieb des Knorpelgewebes ungeschützt in der Hüftpfanne. Durch diese Reibung entstehen Entzündungen, die Schmerzen zur Folge haben.

Weitere Gründe für eine Hüftgelenksarthrose können Unfälle, Fehlstellungen der Beine und des Hüftgelenkes, Infektionserkrankungen, Über- und Fehlbelastung sowie genetisch bedingte Abnutzungserscheinungen sein.

Bei anhaltenden Bewegungsschmerzen, Nachtschmerzen, deutlich eingeschränkter Wegstrecke, regelmäßiger Schmerzmitteleinnahme und der Zunahme von Schmerzen der Nachbargelenke, beispielsweise dem Kniegelenk und der Lendenwirbelsäule, sollte die Implantation einer Hüftprothese als Therapie empfohlen werden.


Was ist heutzutage anders?

Der heutige Anspruch von Patienten und Operateuren zum Thema künstlicher Hüftgelenksersatz geht über bisherige Erwartungen hinaus. Schmerzlinderung und Vermeidung eines Hilfsmittels, z. B. eines Rollators oder Rollstuhls können heute nicht das alleinige Ziel sein.

Fakt ist aber auch, dass künstliche Hüftgelenksprothesen bis heute eine begrenzte Lebensdauer haben – trotz moderner Techniken. Das zunehmende Durchschnittsalter der Bevölkerung rückt sogenannte Wechsel- bzw. Revisionsoperationen vermehrt in den Mittelpunkt.

Bereits bei der ersten Hüftoperation sollte eine natürliche, nachhaltigere und gewebeschonende Vorgehensweise bzw. Operationstechnik angewendet werden. Erreicht werden kann dies durch "minimalinvasive Operationstechniken" in Verbindung mit speziellen Implantaten, sogenannten Kurzschaftprothesen.

"Minimalinvasive Techniken" zeichnen sich durch Schonung des Gewebes – insbesondere der Muskeln und der Nerven – aus. Dabei können natürliche Zugangswege zum Hüftgelenk gewählt werden, wie beispielsweise der A-M-I-S- Zugang.


Was ist der Anterior-Minimally-Invasive-Surgery-Zugang?

Der A-M-I-S-Zugang beschreibt eine minimalinvasive Operationstechnik über den vorderen Hüftgelenkszugang. Es wird ein natürlicher Zugangsweg gewählt, bei dem der Operateur ein vorhandenes Muskelintervall (eine Muskellücke) nutzt, um das Hüftgelenk zu erreichen. Dies reduziert das Risiko einer Verletzung von Muskeln, Sehnen und Nerven.


Wie funktioniert der A-M-I-S-Zugang?

Der Zugang zum Hüftgelenk erfolgt über einen kleinen Schnitt.

Nach mechanischer Entfernung des Hüftkopfes kann anschließend unter Verwendung spezieller, minimalinvasiver Operationswerkzeuge das künstliche Hüftgelenk implantiert werden. Hierfür eignen sich besonders Kurzschaftprothesen, die knochensparend in zementfreier Technik implantiert werden.

Nach intraoperativer Röntgenkontrolle und abschließender Bewegungs- und Stabilitätsprüfung durch den Operateur wird die Hüftgelenkskapsel verschlossen. Danach können sich die Muskeln wieder – wie ein Vorhang – unverletzt um das Gelenk schließen.


Was sind die Vorteile des A-M-I-S-Zugangs?

Die Schonung von Muskeln, Sehnen, Nerven, Blutgefäßen und Knochensubstanz führt zu:

  • weniger Blutverlust
  • weniger Schmerzen
  • vermindertem Hinken
  • schnellerer Mobilität, Rehabilitation und Rückkehr in den Alltag
  • kürzerem Krankenhausaufenthalt
  • verringerter Schmerzdauer
  • weniger Luxationsrisiko (Auskugeln)
  • verbesserter Ausgangsbedingung für Folgeoperationen


Die A-M-I-S-Methode gilt allgemein als besser verträglich und ermöglicht eine schnellere Belastung. (© jovanmandic - fotolia)
Welche Implantate werden verwendet?

Verwendung finden sogenannte Kurzschaftprothesen. Sie werden in "zementfreier Technik" eingesetzt und ermöglichen eine sofortige und volle Belastbarkeit des künstlichen Hüftgelenks. Ihr Vorteil besteht in einem geringeren Knochenverlust am Oberschenkel im Vergleich zu klassischen Prothesenschäften.

Notwendige Wechseloperationen durch mögliche Prothesenlockerungen sind dadurch ebenfalls einfacher durchzuführen. Die Implantate bestehen aus reinem Titan. Bei den bewegten Anteilen der Hüftgelenksprothese kommen speziell entwickelte Keramikhüftköpfe zur Verwendung. Der Einsatz der Hüftgelenksschale besteht in aller Regel aus hochvernetztem Polyethylen.


Warum muss eine Hüftprothese gewechselt werden?

Gründe für eine Wechseloperation können die Lockerung der Prothese, eine Infektion oder eine Instabilität des künstlichen Gelenks sein, aber auch anhaltende immobilisierende Schmerzen durch die bereits voroperierte Hüfte. Die Voraussetzungen für erfolgreiche Wechseloperationen können durch diese neue Operationsmethode deutlich verbessert und erleichtert werden.


Fazit

Durch die Weiterentwicklung der Hüftprothesenoperation hin zu natürlicheren, nachhaltigeren und gewebeschonenderen Techniken in Verbindung mit neuen Prothesenmodellen können Patienten sehr viel früher und besser den Weg zurück ins mobile Leben antreten. Die Folge ist die deutlich gesteigerte Lebensqualität in allen Bereichen des Berufs und Alltags, aber auch die Rückkehr zum Sport.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (11)

Helga, 08.05.2022 - 13:52 Uhr

Welche Nachteile bringt diese Methode? Hatte dieses Angebot im Juni 21. Mir wurde aber gesagt, dass bei mir die Heilungsschancen nicht so gut wären und ich eher mit Infektionen zu rechnen habe. Bekam ich schriftlich für meinen behandelnden Orthopäden vor Ort. Man erklärte mir nicht warum. Dachte mir, weil ich 90 kg wog und dadurch der Bauch beim Sitzen die Narbe berührt. Nach nochmalige Nachfrage per Mail erhielt ich keine Antwort. Hatte mich dann aus Angst vor verźögerten Heilungschancen von einem Orthopäden aus Berlin nach der alten Methode operieren lassen. OP verlief gut. Bin zufrieden mit dem neuem re. Hüftgelenk. (Hüftkopfnekrose 2. Gr.) Können Sie meine Frage beantworten, ob mein Gewicht mit den prognost. schlechten Heilungschancen zu tun haben könnte. Wäre Ihnen sehr dankbar. Linke Hüfte ist irgendwann auch mal dran. Liebe Grüße

Eduard, 12.04.2022 - 01:50 Uhr

Bedingt durch meine Krankheit, Morbus Bechterew und einer andauernder Fehlbelastung im Arbeitsleben bekam ich schon im März 1987 in der Hessing-Klinik in Augsburg mit 36 Jahren eine TEP-OP im rechten Hüftgelenk! Obwohl man mir in diesem Alter von einer OP abgeraten hat, habe ich darauf gedrängt, mich operieren zu lassen! Es war die beste Entscheidung, die ich jemals getroffen habe, denn mit dieser Prothese habe ich Bergtouren und Wanderungen von bis zu 20 km ohne größere Probleme absolviert! Allerdings steht mir nun mit 71 Jahren das gleiche mit meinem linken Knie bevor!

Ibrahim, 05.04.2022 - 13:47 Uhr

Hallo, meine Krankheit ist perthes Ich habe starke Kontraktionen und Schmerzen in meiner linken Hüfte. Der Verschleiß begann an meiner rechten Hüfte. Mein Alter ist 52. Können Sie mir helfen?

S.Otto, 13.07.2021 - 13:50 Uhr

Ich leide an Arthrose in beiden Hüften seit mehreren Jahren, Würde mich für eine minimal invasive OP gern entscheiden. Bin noch berufstätig

Antwort von , verfasst am 14.07.2021

Hallo, gerne kümmern wir uns um ihr gesundheitliches Problem. Lassen Sie sich einen Termin in meiner Sprechstunde geben. Dann können wir ihre Therapiemöglichkeiten klären. Mit freundlichen Grüßen Ihr ONZ-Team

Ludwig S., 18.05.2021 - 15:33 Uhr

Hallo, ich bin gehörlos und hab 2 Hüftgelenk Prothese Links und rechts, das ist schon 24 Jahre her und bisher kein Problem. Es muss Mal gewechselt werden? Mit freundlichen Grüßen Ludwig S.

Antwort von , verfasst am 25.05.2021

Hallo, um auf Nummer sicher zu gehen, würden wir eine Röntgenkontrolle empfehlen. Liebe Grüße

Michaela, 10.05.2021 - 12:34 Uhr

Hallo und zwar habe ich eine Frage Meine Tochter 14 Jahre alt hat nur im sitzen oder liegen im rechten Beinschmerzen beim Laufen nicht war schon beim Orthopäden man konnte nichts feststellen, was könnte das sein?

Antwort von , verfasst am 25.05.2021

Hallo, das lässt sich ohne physische Untersuchung leider nicht sagen. Machen Sie gerne einen Termin in unserer Sprechstunde. Liebe Grüße

D. Schnetger, 25.03.2021 - 17:40 Uhr

Gilt diese OP- Methode für jedes Alter oder gibt es Altersbeschränkungen. Ich frage für meine 87 jährige Mutter. M.f.G.

Antwort von , verfasst am 29.03.2021

Guten Tag, generell gibt es keine Altersbeschränkung, man müsste sich aber die Patientengeschichte bezüglich Vorerkrankungen anschauen, um das OP Risiko einschätzen zu können. Kommen Sie gerne in unsere Sprechstunde und wir schauen an, was wir machen können :) Ihr Team des ONZ

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