Osteitis pubis (Schambeinentzündung) - Was tun?

Dr. Krapf

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©makieni©makieniLeistenzerrung, Adduktorenzerrung, Leistenbruch, so lauten oft Verdachtsdiagnosen, wenn Fußballspieler mit Leistenbeschwerden ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Tatsächlich können Beschwerden in der Leiste auf alles Mögliche hindeuten, außer den obigen Verdachtsdiagnosen kommen auch Hüftgelenksschäden, Blockierungen im Übergangsbereich Lendenwirbelsäule/Becken, Knochenentzündungen, Nervenreizzungen mit Ausstrahlung in die Leiste bei Fehlhaltungen oder Schäden an der Wirbelsäule etc. infrage. Nicht zuletzt muss aber auch an eine Schambeinentzündung, eine sogenannte Osteitis pubis gedacht werden.

Am Schambein setzen viele Bänder und Muskeln an, von denen einige ihrer Ansatzstellen gerade mal so dick, wie eine Bleistiftmine sind. Gerade beim Fußball, bedingt durch schnelle, abrupte Bewegungen wirken auf diese dünnen Ansatzstellen enorme plötzlich auftretende Kräfte ein. Es kommt zu Mikroverletzungen, die vom Spieler zunächst nicht wahrgenommen werden. Erst allmählich, durch ständige Reizungen entwickelt sich die Osteitis pubis.

Hinweise auf eine Osteitis sind meist belastungsabhängig auftretende Schmerzen in einer oder beider Leistenregionen. Oft plagen sich die betroffenen Fußballer schon länger mit ihren Schmerzen.  Die Beschwerden beginnen oft schleichend ohne erinnertes Unfallereignis. Ruckartige Bewegungen und Richtungsänderungen (Flanken, Täuschen des Gegenspielers etc.) werden meist als schmerzhaft empfunden. Gezielte klinische Untersuchung, Röntgen, gezielte MRT-Untersuchung mit spezifischen Frequenzen durchgeführt, führen zur richtigen Diagnose, die oft erst spät gestellt wird.

Weil Sportler nicht wissen, wie lange sie ausfallen, ist die Entzündung so gefürchtet. Die Überlastungsreaktion des Schambeinknochens erfordert oft eine langwierige monatelange Behandlung und viel Geduld nicht nur beim Verletzten, sondern auch beim Trainer und Physiotherapeuten. Laut einer aktuelleren Studie konnten nach 12,8 Monaten nur ca. 50 Prozent wieder sportlich voll aktiv sein.

Sport ist bei einer Osteitis pubis erst einmal komplett gestrichen. Diese Sportpause sollte möglichst bis zur Schmerzfreiheit eingehalten werden. Da ein Vitamin D Mangel für eine Schambeinentzündung mitverantwortlich zu sein scheint, ist die Bestimmung des Vitamin D Spiegels im Blut empfehlenswert. Untersuchungen zeigen, dass eine Vitamin D Substitution bei einem bestehenden Mangel entscheidend zum Therapieerfolg beiträgt. Unabhängig hiervon sollte auf eine knochengesunde Ernährung zur Optimierung des Knochenstoffwechsels geachtet werden.

Therapeutisch erscheint ein Infiltrationskonzept sinnvoll um den erhöhten Muskeltonus der Adduktoren zu mindern. Die Infiltrationen erfolgen symphysennah und in den „angespannten“ Muskel. Nach einer erfolglosen konservativen Therapie kommen operative Maßnahmen in Betracht. Auch Infusionstherapien mit sogenannten Bisphosphonaten (z.B. Ibandronat – „off-label-use“) werden seit einiger Zeit eingesetzt.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (3)


05.09.2015 - 07:40 Uhr

Sie vergaßen leider in ihrem Artikel, dass es sich...

von Dr. M., Emanuel

... häufig auch um eine schleichende Schambeinfraktur handelt (okkulte Fraktur). Nachzulesen ist der Verdacht bereits 1942 in einer Veröffentlichung eines Lazarett- Arztes in Berlin. Die Ermüdungsfraktur an der Synostosis ischiopubica. Liebe Grüße aus Köln, Dr. M., 2015

Dr. Krapf

Antwort vom Autor am 10.01.2016
Dr. med. Wolfgang-Peter Krapf

die Ostitis pubis ist sicherlich keine akute Erkrankung.

24.06.2015 - 23:34 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Krapf. Die von Ihnen...

von Sascha

... zitierten Arbeiten sind leider wenig informativ, und es ist Ihnen leider nicht gelungen, als Experte mir meine Fragen, die eigentlich klar formuliert waren, suffizient zu beantworten. Nichts für Ungut!

Dr. Krapf

Antwort vom Autor am 10.01.2016
Dr. med. Wolfgang-Peter Krapf

Sehr geehrter Herr Kollege PD. Dr. Sascha Warum verschanzen Sie sich in der Anonymität???? Ich bin kein Chirurg wie Sie!!! Ich habe als Orthopäde mit der Spezifizierung Arthrosezentrum DGFAM (als Erster bundesweit zertifiziert), Ernährungsmediziner DAEM/DGEM, Schwerpunktpraxis Ernährungsmedizin BDEM, Naturheilverfahren, Osteologe DVO, ambulantes osteologisches Schwerpunktzentrum DVO, osteologisches Forschungszentrum (Studienzentrum) DVO, physikalische Therapie, Therapeut in der Mikronährstoffmedizin einen anderen Sichtpunkt als Sie. Ich möchte helfen, bevor es zur Operation kommt.

27.03.2015 - 20:49 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Krapf. Ich war sehr...

von Sascha

... überrascht, Ihren Artikel hier zu lesen. Vielleicht können Sie mir ja tatsächlich Arbeiten nennen, die mir zeigen, 1., daß es sich bei der Ödematisierung der Schambeinäste um eine (transiente) Osteoporose handelt, 2., daß der Vitamin D Spiegel bei den betroffenen Patienten tatsächlich unter der Norm liegt und 3., daß Vitamin D Substitution eine Verbesserung des Ödems und der Schmerzen bewirkt (oder ob es tatsächlich eher Sportpause und intensive Krankengymnastik mit Schwerpunkt auf Core Exercises sind). In meiner eigenen (ausgedehnten) webbasierten Recherche konnte ich hierüber keine Arbeiten finden! Hochachtungsvoll Sascha

Dr. Krapf

Antwort vom Autor am 18.06.2015
Dr. med. Wolfgang-Peter Krapf

Ich habe letztes Jahr ca. 100 Sportler mit dieser Diagnose behandelt. Bei fast allen, bei denen der Vitamin D Spiegel bestimmt wurde (IGEL Leistung !) bestand ein Vitamin D Mangel. Anbei Literatur: Verletzungen beim Fußball Natürliches Arzneimittel fest im Behandlungskonzept verankert Deutscher Ärzte-Verlag (OUP) 2013 2 (12) Schambeinentzündung setzt Profis matt ÄrzteZeitung 4.Dez. 2013 Nr.183 Schambeinentzündung? ORTHOpress 4/2013


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