Proximale Humeruskopffraktur: Ursachen, Symptome, Diagnostik, Therapie und Behandlung der Spätfolgen

Priv.-Doz. Dr. Marquaß

© @aggergakker - unsplashViele Patienten klagen nach einem Bruch des Humeruskopfes lange über die Einschränkung ihrer Beweglichkeit und Schulterfunktion. (© @aggergakker - unsplash)Bei einer Humeruskopffraktur ist der kugelförmige Oberarmkopf gebrochen. Er bildet mit der deutlich kleineren Schulterpfanne das hoch bewegliche Schultergelenk.

 

Ursachen: Warum bricht der Oberarmkopf?

Der Bruch des Oberarmkopfes ist nach dem Oberschenkelhals- und der distalen Radiusfraktur (Handgelenk) die dritthäufigste Fraktur bei Älteren. Er macht etwa 5 % aller Knochenbrüche beim Menschen aus.

Oft liegt eine proximale Humerusfraktur kombiniert mit verminderter Knochendichte (Osteoporose) vor, was Frauen häufiger als Männer betrifft. Junge Menschen erleiden einen Oberarmkopfbruch meist als Folge von Sportunfällen wie z. B.:

  • Motorrad- und Fahrradfahren
  • Skifahren und Snowboarden
  • Reiten

Hier sorgt ein Sturz auf den gestreckten Arm mit hoher Geschwindigkeit (Hochrasanztrauma) für die Verletzung.

Symptome des Oberarmbruches

Für die Patienten ist jede Armbewegung nach dem Bruch mit großen Schmerzen verbunden. Die Schulter und der Oberarm sind oft geschwollen. Die Patienten halten den betroffenen Arm in typischer Schonhaltung eng an den Körper gepresst um den Bruch so etwas zu stabilisieren.

Spätfolgen: Welche Probleme können noch nach Jahren auftreten?

Akut, aber auch langfristig können die Patienten nach einem Bruch des Humeruskopfes in ihrer Beweglichkeit und Schulterfunktion eingeschränkt sein. Deshalb muss der Arzt bereits bei der Versorgung des frischen Bruches ein Augenmerk auf mögliche Spätfolgen einer Humeruskopffraktur haben.

Folgende Komplikationen können nach einem Oberarmbruch auftreten:

  • Gelenkverschleiß in der Schulter (Omarthrose bzw. Schulterarthrose)
  • chronische Schmerzen
  • Bewegungseinschränkungen bis zur Schultersteife (eine sogenannte Frozen shoulder)
  • Absterben des Knochens wegen gestörter Durchblutung (Humeruskopfnekrose)


Diagnostik: Wie wird ein Bruch des Oberarmkopfes untersucht?

Bereits die Schilderung des Unfallherganges – der Sturz auf den ausgestreckten Arm – ist für den Arzt diagnoseweisend. Zur genaueren Abklärung, an welcher Stelle der Oberarm gebrochen ist und wie viele Knochenfragmente vorliegen und ob sie verschoben sind, führt der Orthopäde oder Unfallchirurg Röntgen- und CT-Untersuchungen durch.

Therapie: Wie behandelt der Arzt den Bruch?

Die Behandlung beim Oberarmkopfbruch richtet sich nach den Umständen: Komplexität und Ort des Bruchs sowie Alter und gesundheitlichen Zustand des Patienten. In einigen Fällen reicht es aus, die betroffene Schulter mit speziellen Verbänden für drei Wochen ruhigzustellen und anschließend physiotherapeutisch zu mobilisieren.

Bei grob verschobenen Brüchen oder komplexen Trümmerbrüchen wird in der Regel operiert. Der Unfallchirurg fixiert die Bruchstücke mit Hilfe von Schrauben oder Platten und reponiert sie an der anatomisch korrekten Stelle.

Bei älteren Patienten mit geringer Knochendichte (Osteoporose) ist es für den Operateur nicht immer möglich, die Schrauben und Platten im Knochen sicher zu verankern. Der Knochenschwund führt dazu, dass der Knochen im Inneren poröser wird und weniger Last tragen kann. Dann bespricht der Arzt mit dem Patienten die Möglichkeiten eines Kunstgelenkes (Endoprothese), bei dem die Prothese den Oberarmkopf ersetzt.

In jedem Fall ist anschließend die Mobilisation des Gelenkes und ein Koordinationstraining der betroffenen Muskulatur wichtig, um Spätfolgen zu vermeiden bzw. abzuschwächen. Dabei erarbeitet der Therapeut mit dem Patienten ökonomische Bewegungsabläufe für den Alltag.

© Gelenk-KlinikOrthopäden empfehlen zur Behandlung der Spätfolgen nach einem Bruch des Oberarmkopfes spezielle Bewegungsübungen zu Koordination und Kräftigung der Muskulatur. (© Gelenk-Klinik)

Behandlung der Spätfolgen nach Bruch des Oberarmkopfes

Spezielle Bewegungsübungen zu Koordination und Kräftigung der Muskulatur, Ernährungsumstellung, ein aktives Leben und eine adäquate Schmerztherapie erhalten vielen Patienten Lebensqualität und Mobilität.

Bei schwerer Schulterarthrose mit starken Schmerzen und bei Knochennekrose (Knochenbereiche sind nicht mehr durchblutet), kann nur die Implantation eines Kunstgelenks die Schmerzen bessern und die Gelenkfunktion wiederherstellen. Dabei nutzt der Operateur immer eine für den Patienten individuell passende Art des Kunstgelenkes. Das sind die knochenschonende Alternative bei jungen Patienten und die inverse Schulterprothese bei älteren Patienten.

Bei einer Schulterversteifung entfernt der Arzt im Rahmen einer Arthroskopie (Gelenkspiegelung) blockierendes Narbengewebe und die Schulter wird wieder gut beweglich.

Auch Patienten, bei denen sich Knochenteile nach einer Operation verlagert haben oder durch den Sturz bereits vorhandene Schulterprothesen gelockert haben, stehen unterschiedliche Möglichkeiten der Behandlung offen. Orthopädische Gelenkspezialisten sind in diesen Fällen für die Patienten die richtigen Ansprechpartner.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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