Rotatorenmanschettennaht und Schulterprothesen für Arthrose-Patienten

Prof. Dr. Briem

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©Dr. Briem©Dr. BriemWeil die Schulter ein ausgeprägtes Missverhältnis zwischen der Größe der Gelenkkugel und der korrespondierenden Pfanne aufweist, bedarf es unter anderem der gelenkzentrierenden Kräfte der Rotatorenmanschette, um reibungslose Bewegungsabläufe zu gewährleisten.

Sie ist ab dem mittleren Lebensalter zunehmend biologischen und mechanischen Risikofaktoren ausgesetzt, die einen Verschleiß und letztlich eine Rissbildung verursachen können.

Zur Wiederherstellung einer physiologischen Gelenkkinematik ist häufig eine Naht der Rotatorenmanschette erforderlich. Sie wird in arthroskopischer Technik, das heißt über kleinste Schnitte, durchgeführt, wobei der Arzt die Sehne unter Verwendung sogenannter Ankersysteme in mehreren Reihen am Oberarmkopf fixiert.

Eine Sonderform: Jugendliche Überkopfsportler

Eine Sonderform stellen die unterflächigen Teilverletzungen insbesondere der Supraspinatussehne beim jugendlichen Überkopfsportler dar, die lange eine Domäne der konservativen Therapie waren.

Hier hat in den vergangenen Jahren ein Umdenken stattgefunden, da die konservative Behandlung die Wiederherstellung einer ausreichenden Belastungsfähigkeit für den Überkopf- und Leistungssportbereich häufig nicht ermöglicht.

Parallel hat sich das operative Spektrum durch Weiterentwicklung der arthroskopischen Therapieverfahren rasant weiterentwickelt und bietet heute für die Versorgung solcher Läsionen ausgezeichnete Möglichkeiten.

Ist eine Naht aufgrund fortgeschrittener Rückbildung der Rotatorenmanschette nicht mehr möglich, kann jüngeren Patienten mit einem System zur Rekonstruktion der oberen Gelenkkapsel inzwischen eine interessante Alternative angeboten werden.

Schulterprothesen bei Rotatorenmanschetten-Defektarthropathie

©fotolia-60574476-bilderzwerg©fotolia-60574476-bilderzwergBei einer länger bestehenden Defektsituation kommt es gerade bei älteren Patienten oft zur Entstehung einer Rotatorenmanschetten-Defektarthropathie. Hier bringt die Implantation einer inversen Schulterprothese sehr gute Ergebnisse hinsichtlich Schmerzlinderung und Bewegungsverbesserung.

Allerdings muss die Verwendung inverser Schulterprothesen auf Patienten über 70 Jahre beschränkt bleiben, da es nur begrenzt Möglichkeiten eines Prothesenaustausches gibt.


Prothesen bei Schultergelenksarthrose  

Patienten mit Arthrose des Schultergelenkes werden grundsätzlich zunächst anatomische Prothesenvarianten angeboten, die das Drehzentrum des Gelenkes und die individuelle Geometrie des Patienten rekonstruieren.

Voraussetzung ist die funktionelle und morphologische Integrität der Rotatorenmanschette und eine exakte Balancierung der Weichteilverhältnisse während der Operation.


Ersatz der Gelenkkugel

Für den Ersatz der Gelenkkugel (Humeruskopf) gibt es inzwischen sogenannte schaftfreie Prothesenmodelle, die zumindest mittelfristig ähnlich gute Ergebnisse wie die bewährten stielgeführten Implantate erkennen lassen.

Ein Wechsel der Prothese, der meist nach ca. 15 Jahren erforderlich wird, kann somit erleichtert werden. Bei jungen Patienten, die in der Folge einer unfallbedingten Fehlstellung oder einer Durchblutungsstörung einen Gelenkersatz benötigen, kann der Arzt einen alleinigen Ersatz des Humeruskopfes erwägen, wobei hier für die Kopfkomponente als Alternative zur Chromlegierung auf einen weicheren Prothesenwerkstoff - in der Regel aus Carbon - zurückgegriffen werden sollte.


Arthrose an der Pfannenseite

©Dr. Briem©Dr. BriemAuf Pfannenseite ist ein Ersatz auf jeden Fall erforderlich, wenn die Arthrose auch die Pfanne betrifft, wobei der totale Gelenkersatz von Kopf und Pfanne im Langzeitverlauf letztlich ohnehin die besseren Ergebnisse erbringt.

Dabei ist unbedingt eine physiologische Ausrichtung der Pfannengelenkfläche herzustellen, da es sonst zu ungleichmäßigen Belastungen auf das Pfannenimplantat und zur vorzeitigen Auslockerung kommt.

Kleinere Fehlneigungen der Pfanne können durch einen korrigierten Fräsvorgang, größere durch einen Aufbau der Pfanne durch Anlagerung körpereigenen Knochens oder durch rückwärtig verstärkte Pfannenimplantate behandelt werden.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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