Die OP kann warten! Stoßwellen- oder Plasmatherapie bei Arthrose

Plasmatherapie hat sich bei Arthrose bewährt (©fotolia-92161608-Schonertagen)

Viele Patienten leiden an Gelenkverschleiß, medizinisch als „Arthrose“ bekannt. Dieser Verschleiß kann alle Gelenke des menschlichen Körpers betreffen und verursacht vor allem bei Bewegung Schmerzen, in späteren Stadien teilweise auch im Ruhezustand.

Wie Arthrose entsteht

Früher ging man davon aus, dass Arthrose ein natürlicher Abnutzungsprozess des Gelenkknorpels ist, der wie bei einem abgefahrenen Reifen rein mechanisch durch Abrieb verursacht wird. Heute weiß man durch wissenschaftliche Erkenntnisse, dass Arthrose einen komplizierten, körpereigenen Entzündungsprozess darstellt, dessen Verlauf positiv beeinflusst werden kann.

Diese Erklärung macht verständlich, warum Kortisonspritzen bei einem Gelenkverschleiß Linderung verschaffen und es manchmal zu Schwellung und Überwärmung des betroffenen Gelenks kommt.

Konservative Behandlungsmethoden

Neben den altbekannten Therapieoptionen wie Krankengymnastik, schmerz- und entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac oder den oben bereits erwähnten Kortisonspritzen können die Betroffenen weitere, nicht-operative Behandlungsmöglichkeiten mit guten Erfolgsaussichten versuchen, bevor eine Operation als letztes Mittel zur Schmerzlinderung gewählt wird.

Die Alternative: Stoßwellentherapie

Stoßwellentherapie wird bereits bei Sehnenerkrankungen wie zum Beispiel bei der Kalkschulter, dem Tennisellenbogen oder der schmerzhaften Achillessehne seit Jahren

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erfolgreich eingesetzt.

Dabei wird eine energiereiche, auf einen Punkt konzentrierte Schallwelle verwendet, die mehrmals pro Sekunde auf das erkrankte Gewebe einwirkt. Neben einer oft einsetzenden Schmerzlinderung kommt es zu einer Steigerung der Durchblutung und Ausschüttung körpereigener Botenstoffe, die anti-entzündlich und wachstumsfördernd wirken.

Da Arthrose als „Entzündungskrankheit“ erkannt wurde, hat man die Stoßwellentherapie in zahlreichen Studien getestet und konnte einen positiven Effekt feststellen.

Insbesondere bei Patienten, bei denen eine Spritze ins Gelenk mit einem hohen Risiko für Blutungen oder Entzündungen verbunden ist, kann diese nicht-invasive Therapieform zum Einsatz kommen.

Schmerzhaft ist die Behandlung nicht, aber die Stoßwellen erzeugen ein „elektrisierendes“ Gefühl, das manchmal als unangenehm empfunden wird.

Spritzen & Medikamente

Spritzen in das betroffene Gelenk stellen grundsätzlich eine effektive Behandlungsmöglichkeit dar, da das verabreichte Medikament hochkonzentriert am Ort des Verschleißes wirkt. Allerdings kann der bei Arthrose krankheitsbedingt verschlissene Gelenkknorpel trotz aller Fortschritte in der Medizin nicht wiederhergestellt werden. Daher gibt es momentan leider keine Knorpelaufbauspritzen. Dieser Begriff führt, wenn auch weitverbreitet, in die Irre.

Man kann die Entzündung jedoch durch verschiedene Medikamente lindern. Falls Kortison wegen der doch immer wieder auftretenden Nebenwirkungen nicht in Frage kommt oder nicht ausreicht, kann man eine Therapie mit einem körpereigenen „Wirkstoff“ in Erwägung ziehen: dem plättchenreichen Plasma.

Die innovative Plasmatherapie

Körpereigene Blutplättchen sind gut verträglich (© Alex Staroseltsev - Fotolia)
Bei der Plasmatherapie wird Blut entnommen und ohne Zusatz künstlicher Substanzen aufbereitet. Dann spritzt der Arzt den Teil des Blutes in die Gelenke, der die konzentrierten Blutplättchen enthält. In den Blutplättchen sind die Botenstoffe enthalten, die gegen die körpereigene Entzündung wirksam sind.

Im Gegensatz zu Hyaluronsäure, die oft aus tierischem Gewebe gewonnen wird, ist plättchenreiches Plasma zu 100 % ein körpereigener Wirkstoff.

Die Wirksamkeit bei Arthrose, übrigens auch bei zahlreichen anderen orthopädischen Erkrankungen, ist wissenschaftlich belegt. In der Regel sind zwei bis drei Spritzen erforderlich, um Schmerz und Beweglichkeit für sechs bis zwölf Monate deutlich zu verbessern.

Fazit

Die Diagnose einer Arthrose bedeutet heute nicht zwangsläufig, dass eine Operation notwendig ist. Das moderne Verständnis dieser Krankheit ermöglicht eine Erweiterung des nicht-operativen Behandlungsspektrums, so dass bei Wunsch nach konservativer Behandlung moderne Verfahren wie Stoßwellen- oder Plasmatherapie möglich sind. So kann die OP vielleicht noch warten.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (7)

Schulz R., 09.11.2018 - 10:02 Uhr

Hilft die Stoßwellentherapie auch bei Fußzehenarthrose und übernimmt die Krankenkasse auch die Kosten?

Antwort von Dr. med. Christian Duif, verfasst am 13.11.2018

Sie hilft - z.B. bei der klassischen Arthrose des Großzehengrundgelenkes. Leider ist die Stoßwellentherapie keine Regelleistung der Krankenkassen, jedoch wurden die Kosten bereits in Einzelfällen von Privaten Krankenversicherungen übernommen.

W., 22.09.2018 - 08:46 Uhr

Auf dem Röntgenbild wurde eine Hüftarthrose Grad 3 bis 4 festgestellt. Möchte keine OP. Kann evtl. die Stosswellle helfen?

Antwort von Dr. med. Christian Duif, verfasst am 24.09.2018

Sie kann unterstützend eingesetzt werden. Bei einer fortgeschrittenen Arthrose eines lasttragenden Gelenkes, wie z.B. der Hüfte, würde ich mehrere Therapieoptionen kombinieren. Das ist aber grundsätzlich vom Einzelfall abhängig. Gerne beraten wir Sie individuell.

Ilona L., 21.05.2018 - 19:41 Uhr

ich hatte am 29.03.2018 eine Knie-OP rechts (TEP) nach 10 Jahren Beschwerden, nun ist die linke Seite schmerzhaft und auch ohne Knorpel im Röntgenbild. Ich suche einen Arzt, der mit Alternativen wie Stoßwellen- oder Plasmatherapie mit mir arbeiten würde. Ich wohne in Berlin.

H., 16.09.2016 - 18:08 Uhr

Stoßwellentherapie: Als meiner Frau diese Therapie vorgeschlagen wurde, teilte ihr die Privatkasse mit, dass sie ca. 50 % der Kosten selbst aufbringen müsste. Ist das auch heute noch so? Der Orthopäde sagte auch, man könne die Behandlung bei Ihrem Tennisarm erst einmal versuchen. Schließlich bekam sie von dem "Assistenten" eine Kortisonspritze, die ihr geholfen hat.

Antwort von Dr. med. Christian Duif, verfasst am 20.09.2016

Die Kostenübernahme der Stoßwellentherapie seitens der Privaten Krankenversicherungen ist leider aktuell beim Krankheitsbild der Arthrose noch nicht die Regel, jedoch wird sich hier aufgrund der stetig wachsenden Studien, die eine Wirksamkeit bei Gelenkverschleiß beschreiben, in Zukunft auch eine Erstattungsfähigkeit abzeichnen. Fragen Sie bei Ihrem Versicherungsunternehmen nach; Ihr Arzt kann Ihnen hierbei mit dem nötigen Know-How zur Seite stehen. In anderen Bereichen, v.a. bei Sehnenerkrankungen an Schulter, Kniescheiben- oder Achillessehne oder beim Feriensporn ist die Stoßwellenbehandlung dagegen etabliert und nachgewiesenermaßen hoch effektiv.

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