Tennisarm: Wann ist eine OP sinnvoll?

Auch wenn es der Name vermuten lässt, ist der Tennisellenbogen nicht nur unter Tennisspielern verbreitet (©cirquedesprit - fotolia)

"Den Tennisellenbogen gibt´s doch nur beim Tennisspieler!" Ganz im Gegenteil: Der Tennisellenbogen ist ein sehr häufiges orthopädisches Krankheitsbild. Wann ist eine OP sinnvoll?

Wie entsteht ein Tennisellenbogen?

Dabei spielt in der Regel ein Ungleichgewicht zwischen Strecker- und Beugemuskulatur des Ellenbogens plus ein akuter oder chronischer Überlastungsprozess eine Rolle. 

Der Ort des Krankheitsheitsgeschehens ist der Knochen-Sehnen-Übergang der Streckermuskulatur am Ellenbogen. Hier kommt es zur lokalen Entzündungsreaktion, die sich bei längerer Krankheitsdauer auch häufig auf die Muskelhülle, die sogenannte Faszie, ausbreitet.

Die Symptome sind belastungsabhängige Schmerzen im Bereich der Streckermuskulatur des Ellenbogens. Eine Tasse zu halten oder eine Flasche zu öffnen, verursacht dann einen starken Schmerz. Doch auch Ruhe- oder Nachtschmerzen kommen vor.

Durch die Schmerzsymptomatik wird der betroffene Arm häufig ungeschickt, sodass z.B. Gegenstände aus der Hand fallen. Echte Lähmungen kommen allerdings nicht vor. Auch Taubheitsgefühle gehören nicht zum typischen Beschwerdebild.

So wird der Tennisarm behandelt

In der Akutphase kann der Patient für ein paar Tage ein antientzündliches, schmerzstillendes Medikament einnehmen, den betroffenen Arm schonen und regelmäßig Dehnungsübungen der Streckermuskulatur des Ellenbogens durchführen.

Wenn sich die Beschwerden nicht bessern, sollte zeitnah ein Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie aufgesucht werden. Er kann eine entlastende Bandage oder Krankengymmanstik verordnen. 

Als hocheffektiv hat sich bei andauernden Beschwerden die fokussierte Stoßwellentherapie erwiesen. Hier werden in drei bis vier Sitzungen hochenergetische elektromagnetische Wellen mittels Spezialsonde in den Bereich der Entzündung am Sehnen-Knochenübergang appliziert. Das ist ein schmerzarmes und quasi komplikationsfreies Verfahren. Etwa 80 % der Tennisellenbogenpatienten erreichen so Schmerzfreiheit. 

Alternativ besteht die Möglichkeit der Injektionstherapie mit Kortison- oder Hyaluronsäurepräparaten oder plättchenreichem Plasma am Sehnen-Knochenübergang. Es bestehen die üblichen Risiken einer Injektion wie z.B. Blutergüsse oder Infektionen.

Häufig wird die Stoßwellentherapie auch mit der Injektionstherapie kombiniert. Dadurch wird eine Heilungsquote von bis zu 90 % erreicht.

Ein OP sollte erst in Betracht gezogen werden, wenn keine andere Behandlung Wirkung gezeigt hat (© monkeybusinessimages - iStock)
Wann muss ein Tennisellenbogen operiert werden?

Erst wenn alle konservativen Methoden ausgeschöpft sind, sollte eine Operation in Erwägung gezogen werden. 

Die Operation wird ambulant und in der Regel in Teilnarkose durchgeführt. Es gibt zwei verschiedenen Verfahren: 

Hohmann-OP: 

Dabei wird die Streckersehne im Bereich des Sehnen-Knochen-Übergangs eingekerbt, sodass die betroffenen Sehnenanteile entlastet werden und die Entzündung abklingen kann. Das geschieht neuerdings minimalinvasiv über einen ca. ein Zentimeter großen Schnitt.

Wilhelm-OP: 

Sie gleicht der Hohmann-OP, doch hier wird zusätzlich ein Nerv mit Strom abgetötet, der für die Schmerzwahrnehmung am Ellenbogen verantwortlich ist. Hier ist der Schnitt etwas größer, in der Regel drei bis fünf Zentimeter. 

Nach der Operation muss der Arm für ca. eine Woche geschont werden, selten wird für ein paar Tage zur Ruhigstellung eine Kunstharzschiene angelegt. Danach sollte der Arm frei bewegt werden. Das Heben schwerer Lasten ist für 4-6 Wochen zu vermeiden. Eine spezielle Nachbehandlung ist nicht von Nöten. Die Arbeitsunfähigkeit für eine mittelschwere Tätigkeit beträgt in der Regel 6 Wochen.

Gibt es Statistiken zu den Eingriffen?

Die Erfolgsrate der Hohmann-OP liegt bei ca.80 %, die der Wilhelm-OP bei ca. 90 %.

Da es auch bei der Operation "Therapieversager" gibt und die Erfolgsrate nicht höher ist als die kombinierte Stoßwellen-Injektionstherapie, sollte die Operation immer als letztes Therapieverfahren in Betracht kommen. 

Wichtig ist vor allem Prävention. Achten Sie auf eine gute Balancierung der Strecker- und Beugermuskulatur und trainieren Sie die schwächere Muskelgruppe mit speziellen Übungen. 

Präventive Dehnungsübungen regelmäßig durchzuführen, ist hocheffektiv und ausdrücklich zu empfehlen. Gesundheit zu erhalten und zu fördern, muss wieder zum vordergründigen Ziel der Ärzte werden - nicht nur Krankheit zu behandeln. 

Tun Sie mir einen Gefallen und bleiben oder werden Sie gesund.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (9)

Romy N., 29.09.2020 - 09:22 Uhr

Guten Tag. Hatte vor acht Tagen die Operation. Meine schmerzen sind noch genauso stark wie vor der Operation. Ist das normal? Viele Grüße

Andreas, 23.12.2019 - 18:40 Uhr

bei mir hat es erst angefangen mit dem Tennisarm habe aber bereits Schmerzen bis in die Schulter, der eigentliche Herd ist oben unterhalb des Ellenbogens, da sticht es in der Muskulatur. Meine Frage ist, wenn man sich die alternativen Heilmethoden nicht leisten kann, welche Alternative außer einer OP hat man dann noch? MfG Andreas

Gisela L., 04.09.2019 - 16:31 Uhr

Hallo, ich leide seit Februar 2019 unter einem Tennisellenbogen rechts. Ich bin in der Hauswirtschaft tätig, d. h. viel wischen usw. Ich habe bereits Salben, Umschläge, Tape, Stoßwellentherapie, Kältetherapie, diese Armspange - mit der Handgelenksbandage, Physiotherapie und sogar Blutegel ausprobiert. Nichts hilft dauerhaft. Nun Spiele ich mit dem Gedanken an eine OP. Oder gibt es sonst noch Möglichkeiten zur Behandlung?

Jolanda M., 01.09.2019 - 17:20 Uhr

Hallo, habe meinen chronischen Tennisarm am 24.7.19 operiert, die Schmerzen begannen im September 18. Ich gehe auch 2 mal die Woche in die Physiotherapie. Jetzt sind es dann sechs Wochen her, kann mein Ellenbogen schon ziemlich beugen, aber noch nicht ganz, und es zieht noch. Kann ich schon wieder arbeiten, oder soll ich noch warten? Arbeite seit Mai 19 nicht, Ellenbogen war extrem entzündet, konnte den Ellenbogen nicht mehr beugen, dann kam raus, dass die Sehne ziemlich eingerissen war. Was meinen Sie? Arbeite als Verkäuferin. Danke!

Nadine B., 06.05.2019 - 22:23 Uhr

Hallo! Ich habe bisher schon drei Cortisonbehandlungen bekommen. Auch Krankengymnastik gab es schon. Nun möchte meine Ärztin den Arm 10 bis 14 Tage eingipsen. Davon bin ich gar nicht begeistert und habe mich für eine Behandlung mit Blutegeln versucht. Was würden Sie mir raten?

Björn H., 22.06.2018 - 20:03 Uhr

Durch meinen Minijob im Stadion als Parkplatzeinweiser muss ich bei Heimspielen des 1. FC Köln während der Arbeitszeiten die Pöller, damit die PKW's den Parkplatz befahren können, rausziehen und wieder reinstecken. Doch ich glaube nicht, das es daran liegt. Weiterhin muss ich ja auch noch für mich einkaufen. Und da ich seit Dezember 2016 auch noch Nierenpatient bin (Entfernung von zunächst 3 Nierensteinen, danach noch 1 Nierenstein), muss ich sehr viel trinken. Da ich nicht mobil bin muss ich die schweren Plastikflaschen in Mehrwegtaschen selbst manuell transportieren, da es niemanden gibt, der den Einkauf für mich erledigen kann. Mit 41 Jahren ist das noch etwas zu früh. Aber das Gewicht der Getränkeflaschen zieht ganz schön die Arme runter. Und vielleicht liegt es daran, das ich einen Tennisarm habe. Nur was soll ich machen?

Antwort von Dr. med. Eugen Gaiser, verfasst am 25.06.2018

Ursächlich ist häufig ein Ungleichgewicht der Unterarmmuskulatur mit Verkürzung der Streckermuskulatur, häufig verursacht durch einseitige Belastungen. Hier hilft zur Therapie und Prophylaxe in der Regel die konsequente Durchführung von Dehnungsbehandlungen. Anleitungen finden Sie sehr detailliert dargestellt in der Patientenbroschüre "Tennisellenbogen" der Arcus-Klinik Pforzheim. MFG Dr.Gaiser

Björn, 22.06.2018 - 19:52 Uhr

Seit Anfang Mai habe ich Schmerzen im Ellbogengelenk. Ich bin daraufhin zu meinem Hausarzt gegangen, der eine Überlastung festgestellt hat und mir unnötige Arbeiten ich will nicht sagen direkt verboten, aber untersagt hat. Weiterhin habe ich eine Überweisung zum Orthopäden bekommen. Dort bin ich am 20. Juni 2018 gewesen. Er hat bei mir einen Tennisarm diagnostiziert und mir dazu geraten, den Arm stündlich mit Salbe einzureiben. Dem bin ich bis heute gefolgt. Wie lange dauert der Vorgang, bis sich der Schmerz verflüchtigt und sollte im Vorfeld nicht schon ein Röntgenbild erstellt werden um zu sehen, wie weit der Entzündungsherd schon fortgeschritten ist? Für ihre Antwort bedanke ich mich schon jetzt im Voraus. Mit freundlichen Grüßen Björn H.

Antwort von Dr. med. Eugen Gaiser, verfasst am 25.06.2018

Anstelle des Röntgens sollte eine Ultraschalldiagnostik durchgeführt werden, denn nur diese kann eine Entzündung dargestellt werden. Am schnellsten sind Therapieerfolge durch die Stoßwellenbehandlung zu erzielen-leider wird diese jedoch nicht von den Kassen übernommen. Eine einmalige Kortisoninjektion kann schnellen Behandlungserfolg bringen, birgt jedoch das Risiko der Gewebeschrumpfung. Hier sind kortisonfreie Injektionstherapien (z.B. Hyaluronsäure oder plättchenreiches Plasma) zu bevorzugen. MFG Dr.Gaiser

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