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Was Rheuma und Depression verbindet: Symptome & Behandlung

Dr. Ahmadi-Simab

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© Andrzej Wilusz - fotoliaKörperliche und psychische Symptome stehen oft in einem engen Verhältnis. (© Andrzej Wilusz - fotolia)Die Depression ist kein einheitliches Krankheitsbild, sondern eine Gruppe verschiedener Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen. Ein Großteil von ihnen könnte auf Entzündungen zurückzuführen sein und mit entzündungshemmenden Medikamenten erfolgreich behandelt werden.

Wie wirken sich körperliche Beschwerden auf unsere Psyche aus?

Zwischen dem Immunsystem und dem Gehirn gibt es viele Verbindungen und Interaktionen. Eine entscheidende Rolle spielen dabei spezielle Botenstoffe. Diese sogenannten Zytokine regulieren das Immunsystem, haben aber auch Effekte auf das Gehirn und können sogar unser Verhalten beeinflussen.

Das erklärt auch, warum Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Rheumatoider Arthritis, Schuppenflechte oder Morbus Crohn deutlich häufiger unter depressiven Verstimmungen, Antriebs- und Appetitlosigkeit, Angstgefühlen, bleierner Müdigkeit und gesteigertem Schmerzempfinden leiden.

Erhalten die Betroffenen bestimmte entzündungshemmende Medikamente, verbessert sich oft auch ihre Stimmungslage. Im Labor bestätigt sich dieser Zusammenhang: Bei etwa jedem dritten Patienten mit Depression finden sich erhöhte Entzündungsmarkerwerte wie C-reaktives Protein (CRP), Tumornekrosefaktor (TNF), Interleukin 1 (IL-1) und Interleukin 6 (IL-6) im Blut.


Entzündungsbotenstoff IL-6 spielt Schlüsselrolle

Eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Depressionen und vielen anderen Erkrankungen scheint das Zytokin IL-6 zu spielen. Es gelangt auf verschiedenen Wegen ins Gehirn und beeinflusst hier Strukturen des limbischen Systems wie die sogenannte Amygdala.

Sie ist zuständig für die emotionale Bewertung und Wiedererkennung von Situationen, wird aber auch mit der Entstehung von Depressionen in Zusammenhang gebracht. Auch bei anderen Erkrankungen, die bei Menschen mit Rheuma gehäuft auftreten, zum Beispiel Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Diabetes mellitus, scheint IL-6 involviert zu sein.

Für diese Theorie spricht, dass eine Rheumatherapie mit sogenannten IL-6-Hemmern häufig auch positive Einflüsse auf depressive Symptome und andere Begleiterkrankungen hat.


Unterschiedliche Erkrankungen – ähnliche Symptome: eine Therapie?

Zumindest bei einem Teil der depressiven Patienten liegt der Depression also vermutlich eine Entzündung zugrunde, die sich mit entzündungshemmenden Rheumamedikamenten behandeln ließe.

Solche komplexen Zusammenhänge zu erkennen und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen, erfordert in der Praxis aber viel Erfahrung und eine enge Zusammenarbeit vieler verschiedener Fachdisziplinen, wie z. B.:

Körpermediziner sollten generell öfter an die Möglichkeit denken, durch Psychotherapie zusätzliche Unterstützung für die Behandlung chronischer Erkrankungen zu gewinnen. Die psychotherapeutische Behandlung ist oft eine gute Ergänzung.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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