Kreuzbandplastik: Was hilft bei einer Lockerung des Transplantats?

Dr. Gaiser

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© Halfpoint - fotoliaBevor das Kreuzband behandelt werden kann, ist es wichtig, dass die Schwellung komplett zurückgegangen ist. (© Halfpoint - fotolia)Die Kreuzbandplastik kommt vor allem bei jungen Patienten zum Einsatz. Doch was tun, wenn es zu einer Lockerung des Transplantats kommt?

Die vordere Kreuzbandruptur ist eine sehr häufige Verletzung in der sportmedizinischen Orthopädie, viel häufiger als die hintere Kreuzbandruptur.

Ursache ist häufig ein Überstrecktrauma mit gleichzeitiger Drehkomponente. Dann treten Schmerzen mit Schwellungen und Bewegungseinschränkungen auf. Sportliche Aktivitäten können in der Regel nicht fortgeführt werden. 

Wie wird eine Verletzung am Kreuzband behandelt?

Nach den üblichen Akutmaßnahmen (Pause - Eis - Compression - Hochlagern; das sogenannte PECH-Schema) sollte zeitnah ein Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie aufgesucht werden. Neben der körperlichen Untersuchung, die vor allem eine Instababilität aufdeckt, werden Röntgenbilder gemacht. Sie schließen einen knöchernen Kreuzbandausriss aus.

Beim jungen sportlichen Patienten wird die vordere Kreuzbandruptur in der Regel operiert. Das geschieht meistens nach vier bis sechs Wochen nach dem Unfallereignis, sodass sich die Schwellung vollständig zurückbildet und das volle Bewegungsmaß wiederhergestellt ist. Wird bereits früher operiert, besteht die Gefahr der Arthrofibrose. Dann wäre die Bewegung dauerhaft durch Verklebungen eingeschränkt.

Bei der operativen Versorgung ist es heute üblich, beide Bündel des Kreuzbandes aus einer oder zwei Sehnen des Beinbeugerapparates in arthroskopischer Technik zu rekonstruieren. Nach der Operation sind in der Regel zwei Wochen Teilbelastung einzuhalten und sechs Wochen eine die Beugung limitierende Orthese zu tragen. Eine intensive krankengymnastische Übungsbehandlung zur Verbesserung der Beweglichkeit und muskulären Stabilisierung ist absolut erforderlich. Insgesamt sind die Ergebnisse nach einer operativen Versorgung einer vorderen Kreuzbandruptur hervorragend.

Was sollte ich tun, wenn sich das Implantat lockert?

Das Implantat lockert sich nur selten. Ursachen können ungenügende Primärverankerung, schlechte Knochenqualität (z.B durch beginnende Osteoporose) oder zu rasche Belastung im Rahmen der medizinischen Trainingstherapie sein. Klinisch tritt dann wieder eine größere vordere Schublade, subjektiv ein vermehrtes Instabilitätsgefühl auf. 

Zunächst sollte der Patient versuchen, die muskuläre Stabilisation zu verbessern. Außerdem sollten Übungen für die Propriozeption, die für die Stellungswahrmehmung des Gelenkes verantwortlich sind, durchgeführt werden. Hier werden vornehmlich Übungen im Einbeinstand auf unruhigen Untergrund (z.B. Balancepad) eingesetzt. Häufig kann die Stabilität nach einer Lockerung damit  wiederhergestellt werden. 

Wenn sich die Stabilität durch die Übungen nicht verbessert, sollte zunächst eine Schnittbildgebung des Kniegelenkes (MRT) durchgeführt werden. Hier kann oft zusätzlich zur Lockerung eine Teilruptur des Transplantes festgestellt werden. Ist das der Fall, sollte eine Revisionsoperation vorgenommen werden, bei der erneut eine Kreuzbandplastik durchgeführt wird. Dabei kann das Transplantat entweder aus der Kniescheibensehne mit anhängenden Knochenblöcken der betroffenen Seite oder aus dem Sehnenapparat der Beinbeugemuskulatur der Gegenseite gewonnen werden. Diese Art von Revisionsoperationen haben oftmals einen deutlich zeitverzögerten postoperativen Verlauf und sollten nur durch ausgewiesene Experten durchgeführt werden.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Revisionoperationen wegen der Lockerung der Kreuzbandplastik nur bei jungen Patienten mit hohem sportlichen Anspruch durchgeführt werden. 

Oftmals zeigt eine gezielte Physiotherapie langfristig ähnliche Ergebnisse bezüglich Beweglichkeit und Stabilität.

Ich wünsche Ihnen eine verletzungsfreie Zeit.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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