Mit chinesischer Medizin gegen Schlaflosigkeit vorgehen

Frau Kolvenbach

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© igor - FotoliaSchlaflosigkeit wirkt sich stark auf die Psyche und den Alltag aus (© igor - Fotolia)Schlafstörungen sind immer stärker verbreitet und bringen den Körperrhythmus völlig durcheinander. Es kommt zu Unkonzentriertheit, schlechter Laune und mangelnder Kraft den Alltag zu meistern. Werden im Frühjahr und im Herbst dann noch die Uhren umgestellt, ist der Mini-Jetlag eine zusätzliche Belastung, die weder an Mensch noch Tier spurlos vorbei geht.

Wann besteht eine Schlafstörung?

Unsere biologische Uhr und die damit verbundene Aktivität kann man mit Igeln und Amseln vergleichen. Während der nachtaktive Igel morgens schwer in Tritt kommt und deshalb ungern frühstückt, wacht die Amsel meist schon vor dem Wecker auf, startet direkt munter in den Tag und ist daher abends recht früh schon wieder müde. In Mitteleuropa haben die Igel eine knappe 2/3-Mehrheit. Woher sonst sollte der Begriff Abendland stammen? Doch können sie schwerlich ihrem natürlichen Rhythmus folgen, da die meisten ja dennoch früh aufstehen müssen. Folglich leiden sie unter regelmäßigen Schlafentzug.
Wie viel Schlaf wir brauchen ist individuell verschieden. Als normal gilt ein Zeitraum zwischen 5 und 10 Stunden. Eine Schlafstörung liegt als Diagnose erst dann vor, wenn mindestens 4 Wochen Probleme beim Ein-oder Durchschlafen vorliegen. Von einer chronischen Insomnie spricht man bei Zeiträumen von mehr als 6 Wochen. Fakt ist, dass unser Körper die nächtliche Ruhephase braucht, um sich zu erholen und regenerieren. Wir brauchen ihn für unsere körperliche, geistige und psychische Gesundheit! Schlaf erhält die Stabilität unseres Immunsystems, fördert die Zellerneuerung, wandelt Nahrung in Energie um, bildet neues Blut, Enzyme und Hormone. Somit hält er nicht nur fit, sondern auch länger jung und vital.

Auslöser von Schlafstörungen: Stress

Aber auch andere Faktoren spielen eine Rolle. An erster Stelle steht der Stress, körperlich wie emotional. Stress löst im vegetativen Nervensystem, das wir bewusst nicht steuern können, die Ausschüttung der Hormone Cortisol und Adrenalin aus. Das lässt Blutdruck und Puls ansteigen, die Muskelspannung erhöht sich. Die Situation ist vergleichbar mit einem Steinzeitmenschen, der - aus Angst vor dem Säbelzahntiger - sich innerlich auf Kampf oder Flucht vorbereitet. Von solchen Strapazen muss er sich anschließend in seiner Höhle erst wieder erholen. Heutzutage fehlt diese Höhle. Wir haben durch die ständige Belastung im Alltag kaum noch Erholungsphasen. Zudem setzen uns immer währende Gedankenspiralen unter zusätzlichen Druck. Wir nehmen sie oft mit in den Schlaf und grübeln leistungssportverdächtig. Normalerweise sinkt im Schlaf der Cortisolspiegel und wechselt sich mit der Ausschüttung von Wachstumshormonen ab. Das regelt den Schlaf-Wach-Rhythmus, unsere Innere Uhr. Ist der Cortisolspiegel jedoch stressbedingt zu hoch, funktioniert das nicht mehr.

Künstliches Licht beeinflusst den Hormonhaushalt

Ein weiterer Faktor ist das „Schlafhormon“ Melatonin. Es wird ausgeschüttet, wenn der Tag sich mit der Nacht abwechselt und es dunkel wird. Ist es zu lange hell, bleibt die Freisetzung des Melatonins aus. Künstliches Licht hat dabei die gleiche Wirkung, denn unsere Sehnerven sind hier großzügig und machen keinen Unterschied, ob die Lichtquelle von der Straßenlaterne, der Beleuchtung im Haus, dem Fernsehgerät, dem Rechner, Tablet oder Smartphone kommt. Die Augen davor sinnbildlich zu verschließen bringt keine Hilfe. Das Licht durchdringt die dünne Haut der Augenlider und gelangt trotzdem zum Sehnerven im Augeninnern.

Schlafstörungen aus Sicht der Chinesischen Medizin

Die traditionelle chinesische Medizin geht davon aus, dass der Schlaf vom Herzen geregelt wird. 3 Formen können diese Regelung stören:

  1. Einschlafstörungen: bedingt durch Anspannung aufgrund übermäßiger innerer Aktivität und Ehrgeiz, nicht Loslassen- können.
  2. Durchschlafstörung durch falsche Ernährung: Übermäßiger Genuss von Milchprodukten und anderen tierischen Eiweißen (Eier und Fleisch), Industriezucker und Weißmehl führt zur Bildung von Schlackenstoffen (Schleim). In Kombination mit ungeklärten emotionalen Problemen „gärt“ es regelrecht in einem und es kommt zu Erregungszuständen (Hitzeschleim) die nach oben zum Herzen steigen und den Schlaf stören.
  3. Durchschlafstörung durch Erschöpfung: Emotionale Erschöpfung des Herzens führt zum Verlust der substanziellen Kraft, greift die körpereigenen Reserven an und kann nicht mehr regeneriert werden.

Patienten werden oft mit schulmedizinischen Medikamenten behandelt, sehen jedoch keine oder nur wenige Verbesserungen. Die Chinesische Medizin betrachtet die Symptome aus einem völlig anderen Blickwinkel und wählt daher andere Ansätze in der Therapie. Für einen erholsamen Schlaf bietet die Chinesische Medizin mit Hilfe der Akupunktur, Ernährungsberatung und Kräutermedizin eine sehr hilfreiche Unterstützung, um zu einem ausreichenden und erholsamen Schlaf zurückzufinden. Denn nur über den Schlaf kann der Körper das nötige Maß an Erholung erfahren und gemeinsam mit einer ausgewogenen Ernährung in Verbindung mit regelmäßiger Bewegung seine Kraftreserven wieder aufbauen.

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Kommentare zum Artikel (1)


17.01.2016 - 10:22 Uhr

Ich habe heute Nacht von Aromastoffen gehört, die...

von Hermann B.

... den Durchschlaf fördern sollen. Ich bitte Sie um einen entsprechenden Hinweis dazu. Danke! H. B.

Frau Kolvenbach

Antwort vom Autor am 26.01.2017
Petra Kolvenbach

Es ist richtig, dass die Aromatherapie wertvolle Beiträge zur Förderung eines erholsamen Schlafes bieten kann. Besonders Aromen wie Lavendel, Vanille oder Mandarine aber auch der Duft von Zirben verhelfen zu einer entspannten Raumatmosphäre und regulieren auf sanfte Art Blutdruck und Puls, was sich positiv auf das Schlafverhalten auswirkt. Die Chinesische Medizin bietet darüber hinaus auch im Rahmen der Kräutertherapie wertvolle Hilfe.


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