Depressionen und Ängste in der Ganzheitlichen Medizin: So hilft TCM

Wie kann TCM bei Ängsten und Depressionen helfen? (© qimono - pixabay)

Depressionen und Ängste sind Warnzeichen der Seele. In der Ganzheitlichen Medizin wird die Dreiheit von Körper, Geist und Seele als zusammenwirkende Einheit gesehen und fließt in die Diagnose mit ein.

Das heißt also, dass nicht nur unser emotionaler und psychischer Zustand Einfluss auf die körperlichen Funktionen hat (Herzschlag, Verdauung usw.), sondern auch, dass über den Körper wohltuender Einfluss auf den Körper zu nehmen ist (durch frische Luft, Bewegung und Sonnenlicht).

Es ist kein Zufall, dass Hippokrates, der berühmte Arzt, im alten Griechenland auf der sonnigen Insel Kos, genau diese drei Ingredienzen als unerlässlich für die Gesundung und Gesundheit erachtete, und sie in seinem ersten Krankenhaus Europas, bereits vor 2.500 Jahren, ergänzt noch durch sauberes, frisches Wasser, anwandte. Auf diesen Arzt schwört jeder Arzt und jede Ärztin in unserer Gesellschaft den „Eid des Hippokrates“, der u. a. besagt, dass der Arzt/die Ärztin alles zum Wohle des Patienten anwenden muss, was seiner Gesundheit dient und nichts für die persönliche Bereicherung oder den Vorteil des Arztes durchführen darf, was diesem Wohl entgegensteht.

Dinge der Psyche, die so oft mit dem Körperlichen und den Gedanken zusammenhängen

In der TCM, Traditionellen Chinesischen Medizin, und der ihr ursprünglich zugrundeliegenden taoistischen Sichtweise (Tao) werden Emotionen als ein wichtiger Bestandteil zur Gesundheit gesehen. Unschwer zu erkennen ist, dass ihnen eine große Energie innewohnt. Wer kennt nicht die Kraft eines Wutausbruchs, der oft mit einem Gewitter zu vergleichen ist? Aber auch in den Emotionen Angst und Freude sind große Energiereservoirs, die uns lähmen, binden oder erleichtern und befreien können.

In der taoistischen Medizin, später TCM, wird nun die Emotion als wichtiger Bestandteil des Lebens und der Gesundheit gesehen. Allerdings soll sie nicht stagnieren, sondern frei fließen dürfen und dadurch auch wieder aus dieser Emotion herausführen.

Zum Beispiel, es ist wichtig, wahrzunehmen: "Vor mir ist eine Gefahr.", dadurch werden die Sinne geschärft, wir werden wacher, aufmerksamer (Flight-or-fight-Zustand im Körper mit der entsprechenden Ausschüttung von Hormonen, etwas Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin u.a.). Dies ermöglicht uns schnell zu handeln, uns selbst oder ein Kind aus der Gefahrenzone zu bringen. „Gefriert“ jedoch dieser Zustand, handeln wir nicht, gestehen uns die Gefühle der Angst nicht ein oder weigern uns, der Situation ins Gesicht zu sehen, wird die innere Situation zu einem Dauerzustand, inkl. der Ausschüttung der Stresshormone. Wir kommen gar nicht mehr „runter“, zur Ruhe, weil eben durch die ungelöste Situation, die beruhigenden und glücklich machenden Hormone, z. B. Serotonin, Melatonin, Oxytocin (die Gegenspieler, die Antagonisten der Stresshormone), nicht ausgeschüttet werden.

Das heißt, in der ganzheitlichen Medizin ist es von äußerster Wichtigkeit, die Emotion, Trauer, Wut, Angst, Freude und Sorge, wahrzunehmen, kurz und eventuell in therapeutischer Begleitung zu spüren, und dann Hilfestellungen zu bekommen, sie loszulassen – und damit die darin feststeckende Energie wieder ins Fließen kommen zu lassen.

So kann Naturmedizin weiterhin unterstützen

Dazu bedarf es in den meisten Fällen naturmedizinische Maßnahmen, wie die Unterstützung durch Pflanzenpräparate und Urtinkturen sowie auch der Akupunktur (sie kennt die wohltuende Wirkung der Akupunkturpunkte auf die Psyche bereits seit Jahrtausenden) und ggfls. Chi-Nei-Tsang-Massage, des Bauchraums und der Organe, wo der Sitz der Energie der Emotionen in den Faszien gesehen wird, gemäß der taoistischen Sichtweise.

Auch bei anderen Emotionen, wie der Wut, verhält es sich ähnlich. Wut ist ein etwas unglücklich übersetzter Begriff aus der asiatischen Medizin. Er impliziert eigentlich die Kraft des Lebensimpulses, wie bei einem Keimling, die Nu-Kraft, die Drachenkraft. Dazu gehört die Durchsetzungskraft, die mit einem freien Fließen der Leberenergie zu tun hat. Jede Unterdrückung, jedes Niederdrücken dieser Leberenergie, die u.a. mit der Bewegungsfreiheit zu tun hat, wirkt sich bedrückend auf die Lebensenergie und damit auch auf die Psyche aus.

Das Mittel zur Freisetzung des freien Flusses der Leberenergie ist die Mariendistel, lat. Carduus marianus. Allerdings sollten für den medizinischen Einsatz die Urtinkturen der jeweiligen Pflanzen, die in der Apotheke erhältlich sind, eingesetzt werden, da ein Tee allein oft nicht genügt.

Um den freien Fluss der Nierenenergie wieder anzuregen, ist die Pflanze, lat. Solidago virgaurea, die Goldrute, das Mittel der Wahl. Auch diese erhalten sie in der Apotheke. Jedoch ist jeder Mensch ein ganz eigenes Individuum, das sich aus vielen Komponenten und Erfahrungen zusammensetzt, sowie in einer ganz besonderen Situation ist.

Daher empfiehlt es sich immer, wenn das möglich ist, mit einem gut ausgebildeten und empathischen Therapeuten oder Arzt eine Individualanamnese (Erhebungsgespräch) durchzuführen. Denn ja, auch die Herzverbindung von Arzt zu Patient zählt! Sie kann im Bereich der Psyche und der Psychosomatik kaum hoch genug eingeschätzt werden.

Also keine Angst vor der Angst. Vielleicht möchten Sie sich ja auch einmal durch eines der hervorragenden Bücher „Die 4 Grundformen der Angst“ von Fritz Rieman oder „Krankheit als Weg“ von Dahlke, den Ängsten und ihrem Sinn stellen.

Denn es ist für den Weg der Heilung unschätzbar, wenn der Patient seine Krankheit und die Gefühle, die damit einhergehen, als Weg und irgendwann sogar als Geschenk seiner Seele empfinden kann!

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (2)

Jana, 10.06.2022 - 14:45 Uhr

Ich bin sehr beeindruckt durch diese Sichtung, MfG Jana

Petra R., 05.01.2022 - 06:16 Uhr

Vielen Dank, toller Artikel!

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