Ist Hypnosetherapie wissenschaftlich anerkannt? Das sind die Anwendungsgebiete

Hypnose kommt für ein sehr breites Gebiet an Anwendungsmöglichkeiten in Frage. (© GlobalStock - iStock)

Hypnose ist immer noch ein Reizwort, das teils durch Unwissen, teils durch eine falsche Darstellung in den Medien bei vielen Patienten für Misstrauen und Ängste sorgt. Das ist umso tragischer, denn sie kann bei einer Vielzahl von Störungen und Erkrankungen eine wertvolle Hilfe sein.

Nach 17 Jahren professioneller Arbeit mit klinischer Hypnotherapie kann ich mit Sicherheit sagen, dass Hypnose, in der Hand eines professionellen Therapeuten eine traditionsreiche, aber dennoch moderne Methode ist.

Als Hypnotherapeut gehört die Aufklärung der Patienten mindestens genauso zum Alltag wie die Anwendung dieses Verfahrens. Vorurteile müssen sachlich widerlegt werden und der Patient hat dann die Möglichkeit, auf Basis der Faktenlage selbst zu entscheiden, ob dieses Verfahren etwas für ihn ist oder nicht.

Im heutigen Artikel möchte ich mich mit der Frage beschäftigen, ob Hypnose ein wissenschaftlich anerkanntes Behandlungsverfahren ist oder nicht.

Hypnosetherapie ist ein, in Deutschland seit 2006 anerkanntes, wissenschaftliches Therapieverfahren. In Amerika ist es sogar schon seit dem Jahr 1952 anerkannt.

Welche Institution kann so eine Anerkennung gewähren?

In Deutschland ist es der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie.

Was bedeutet wissenschaftliche Anerkennung genau?

Damit eine Therapie wissenschaftlich anerkannt wird, muss sie gewisse Kriterien erfüllen:

1. Die Therapie muss "diagnoseübergreifend" oder spezifisch auf eine oder mehrere Diagnosen eine sogenannte empirische Wirksamkeit nachweisen.

Empirische Wirksamkeit wird durch die Auswertung von Statistiken gewonnen. Es reicht also nicht, Einzelfälle darzulegen, sondern die Forscher betrachten dabei eine gewisse Anzahl von Fällen oder Testpersonen. Je größer die Versuchspersonenanzahl, desto genauer ist dieser Wert. 

2.Es sind Wirksamkeitsnachweise erforderlich. Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie, legt hierbei vier Haupt- und acht Nebenbereiche fest.

Wo kann Hypnose angewendet werden?

Als Hauptbereiche zählen die affektiven Störungen (Depression / Manie und Bipolare Störungen), Angst- und Panikstörungen, Psychosomatische Störungen (Somatoforme Störungen) und Stoffgebundene Abhängigkeiten (also Sucht).

Dank der Universitäten in Tübingen und Konstanz konnten bis 2001 in zahlreichen Studien bei folgenden Störungen Wirksamkeiten wissenschaftlich belegt werden:

Weiter gibt es in folgenden Bereichen mittlerweile aus der Beobachtung heraus gute Ergebnisse, die aber noch nicht empirisch belegt sind:

  • bei affektiven Störungen (vor allem bei der Depression)
  • bei Panikattacken
  • bei Zwangsstörungen
  • Bulimie
  • sexuellen Präferenzstörungen (früher Deviationen oder Paraphillien genannt)
  • bei Störungen des Sozialverhaltens
  • in der Rehabilitation

Das Bild des skurrilen und extravaganten Hypnotiseurs hat sich geändert und die Hypnose ist aus der mystischen Welt der Geheimnisse in den Alltag der psychologischen und medizinischen Praxen angekommen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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