Übergewicht aus Sicht der TCM - Das besondere Problem unserer "Mitte"

Dr. Borgmann

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© kevinruss_iStock© kevinruss_iStockÜbergewicht stellt bei vielen von uns heutzutage ein zunehmendes Problem dar.
Betrachtet man die Fülle um Bauch und Taille aus dem Blickwinkel der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), so entpuppt sich die „Stärke der Mitte“ recht schnell als eine Schwäche. Ursächlich ist meist der „stressige Alltag“, in dem allzu oft keine Zeit für selbst gekochte warme Mahlzeiten bleibt. Stattdessen wird der Hunger mit schnell verwertbaren Kohlenhydraten oder Fertiggerichten (häufig angereichert mit versteckten Zuckern) gestillt.

Solche industriell gefertigten Speisen weisen oft einen sehr hohen Anteil an Weizen auf, welcher durch Prozessierung einen übernatürlich hohen Glutenanteil enthält (50% statt früher 5%). Gluten ist das Klebeeiweiß des Weizens, welches die industrielle Verarbeitung von Teigwaren wesentlich erleichtert. Das Protein Gliadin stellt einen besonders schwer verdaulichen Bestandteil des Glutens dar. Sein übermäßiger Verzehr resultiert in Wassereinlagerungen und Müdigkeit, zudem wirkt es durch seinen hohen glykämischen Index appetitanregend. Der schnelle und hohe Anstieg des Blutzuckerspiegels gefolgt von einem ebenso schnellen Abfall führt zu Heißhungerattacken, denen man sich meist nur schwer zu entziehen vermag. Überdies führt Gluten nicht selten zu einer Immunreaktion der Schleimhäute des Verdauungstraktes. Folgen sind ein unangenehmes Völlegefühl, Bauchschmerzen und Blähungen.

Auch ein Übermaß an Rohkost und kalten Speisen, Südfrüchten, Milchprodukten und Stress wirkt sich ungünstig auf unsere Verdauung aus. Milz und Magen sind in ihrer Funktion gehindert, was der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) nach negative Auswirkungen auf den Energiefluss hat. Es kommt zu Störungen der Nährstoffresorption und Nahrungstransformation, die Verdauungskraft ist geschwächt und die Schleimproduktion stark erhöht. Bezeichnend hierfür ist die vermehrte „Feuchtigkeit“ im Bauchbereich, aus welcher sich Folgen wie Cellulitis, Konzentrationsschwäche, Übergewicht und Trägheit herleiten.

Entgegenwirken kann man durch regelmäßige, gekochte, warme Mahlzeiten, die die Verdauung wenig belasten. Gerichte mit Reis, Hirse, Gerste, Gemüse wie Karotten, Fenchel, Kürbis und hochwertige Öle helfen Blockaden zu lösen und die Verdauung zu reaktivieren.
Die Berücksichtigung natürlicher Rhythmen im Tagesablauf schlägt sich ebenfalls wohltuend auf den Energiehaushalt nieder. Morgens sind Magen und Milz sehr aktiv, daher empfiehlt sich ein vitalstoffreiches Frühstück. Abends sollte Wert gelegt werden auf leichte Gerichte, die für einen ungestörten, regenerativen Schlaf sorgen.

Einige Hormone haben ebenfalls ihren Anteil am Übergewicht. Cortisol wird als Stresshormon ausgeschüttet und bewirkt indirekt eine Erhöhung der Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse. Ein weiteres zentrales Organ unseres Stoffwechsels ist die Leber. Bei einer Leber-Qi-Stagnation kann die Leber keine optimale Entgiftung des Körpers mehr vollbringen, was sich wiederum negativ auf die Verdauungsleistung auswirkt. Pflanzliche Bitterstoffe, zum Beispiel aus Chicorée, Löwenzahn und Rucola unterstützen die Leber in ihrer Funktion und wirken zudem regulierend auf Appetitgefühl sowie Hungerverhalten.

Die Akupunktur kann Sie bei einer geplanten Ernährungsumstellung unterstützen. Spezielle Punktkombinationen aktivieren den Stoffwechsel, fördern die Verdauungsorgane und steigern die Entgiftungsleistung des Körpers. Zudem wirken sie positiv regulierend auf den Stimmungshaushalt ein: gegen Frustration und Heißhunger, für seelische Entspannung und mehr Lebensfreude.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (2)


28.04.2017 - 13:58 Uhr

Kann ich nur alles bestätigen! Super recherchiert...

von Antonie B.

... und geschrieben. Herzliche Grüße Antonie

06.01.2015 - 12:55 Uhr

Danke für die Infos. Mein Problem ist, dass...

von Hartmut

... ständig friere. Besonders an Händen und Beinen. Was könnte ich hier tun. Bin 74 jahre und Esse eigentlich bewußt. Mit bestem Gruß zum Jahr 2015 und Ihnen alles Gute. Hartmut

Dr. Borgmann

Antwort vom Autor am 03.10.2015
Dr. med. Raúl Borgmann

Sehr geehrter Hartmut, verzeihen Sie bitte, dass ich Ihnen nicht geantwortet habe!!! Ich habe Ihren Kommentar erst eben gsehen!!! Pauschal kann ich Ihnen Ihre Frage nicht beantworten, da giebt es viele mögliche Ursachen. Wenn Sie sich bei mir in der Praxis vorstellen und ich eine Umfangreiche Anamnese und Untersuchung machen kann, schaue ich gerne was ich für SIe tuen kann. Verzeihen Sie nocheinmal die verspätete Antwort! Viele herzliche Grüße Dr. R. Borgmann


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