Wie finde ich die richtigen Heilpraktiker*in für mich?

Sind Sie auf der Suche nach einer Heilpraktiker*in? Diese Tipps können Ihnen helfen. (© fotofabrika - fotolia)

Eine naturheilkundliche Behandlung kann in vielen Fällen sinnvoll sein. Allein oder als Begleitung zur schulmedizinischen oder psychotherapeutischen Therapie. Besonders bei chronischen Erkrankungen und therapieresistenten Problemen bietet die Naturheilkunde wirksame Verfahren und Behandlungskonzepte an, die erheblich zur Verbesserung des Befindens und der Lebensqualität beitragen können. Heilung bedeutet dabei nicht nur, Symptome zu beseitigen (oder zu unterdrücken), sondern auch die Sicht auf das Geschehen zu wandeln und besser mit den Gegebenheiten des Lebens zurecht zu kommen.

Wie findet man die passende Therapeut*in?

Möchten Sie natürliche Heilmethoden in Anspruch nehmen? Oder Sie möchten einen neuen Therapieansatz ausprobieren, weil bisherige Methoden bei Ihren Beschwerden nicht wie erhofft geholfen haben? Die passende Therapeut*in zu finden, ist oft gar nicht so leicht. Vor allem, wenn man neu auf diesem Gebiet ist. In diesem Artikel versuche ich, ein paar Tipps für die Therapeut*innen- und Methoden-Suche zu vermitteln.

Um einen geeigneten Therapeuten für unsere Thematik zu finden, können wir auf verschiedene Weise vorgehen:

  1. Suche nach Kompetenz
  2. Suche nach bestimmten Therapieverfahren
  3. Suche, basierend auf der Lösung der vorhandenen medizinischen Probleme

Ein gutes Ergebnis ist Ihnen sicher, wenn Sie zwei oder drei Ansätze bei Ihrer Suche verbinden und all Ihre Fragen im Kontaktgespräch am Telefon offen und klar mit der Heilpraktiker*in besprechen.

1. Suche nach Kompetenz

Bevorzugen Sie die Suche nach Kompetenz, schauen Sie sich in Suchportalen wie z. B. jameda oder auf den jeweiligen Websites der Therapeut*innen neben Bewertungen durch Kunden vor allem auch den Lebenslauf an.

Wie lange ist die Therapeut*in schon im Geschäft? Wie sind die Praxiszeiten? Arbeitet die Anbieter*in in Vollzeit (= viele Praxisstunden) oder nebenberuflich (= nicht so viel Erfahrung)?
Welche Aus- und Weiterbildungen hat die Therapeut*in absolviert und über welchen Zeitraum wurden diese belegt? Wie vielfältig sind die Fortbildungen? – Wenig Differenzierung kann das diagnostische und therapeutische Denken einschränken. Zu viele verschiedene Methoden in zu kurzer Zeit können allerdings ein Hinweis auf eine fehlende Tiefe im Wissensspektrum hinweisen.

Achten Sie hier auf Ausgewogenheit. Sind die Angaben im Lebenslauf präzise oder schwammig formuliert oder fehlen sogar ganz? Je klarer Sie sehen können, wer sich da präsentiert, desto besser können Sie entscheiden, ob Ihnen die Person vertrauenswürdig und kompetent vorkommt und ob Sie sich eine Zusammenarbeit wünschen.

Welche Diagnose- und Therapieverfahren werden angewendet? – Es gibt die „großen“ Verfahren, wie z. B.:

Diese tragen allesamt die Möglichkeit in sich, auch bei schwerwiegenderen und chronischen gesundheitlichen Problemen ausreichend therapeutisches Potenzial für eine Heilung bereitzustellen.

Werden die „großen“ Verfahren noch durch „kleine“ Methoden wie z.B.:

  • Heilpilze,
  • Orthomolekularmedizin,
  • Arbeit mit Essenzen,
  • Pflanzenheilkunde,
  • Reflexzonentherapien,
  • Taping,
  • Ausleitungsverfahren,
  • psychotherapeutische oder kreative Methoden usw.

ergänzt, haben Sie jemanden gefunden, der Sie umfangreich und ganzheitlich zu mehr Gesundheit begleiten kann.

Finden Sie im Methodenkatalog jedoch nur „kleine“ Behandlungsverfahren vor, wie z. B. Fußreflexzonenmassage, Heilsteine und NLP, die in bestimmten Bereichen gut wirken können, denen aber möglicherweise die Kraft für „größere“ Gesundheitsthemen fehlt, dann erfragen Sie in einem Telefongespräch, ob Ihre Beschwerden mit dem zur Verfügung stehenden Therapiespektrum wirksam behandelt werden können. So ersparen Sie sich Enttäuschungen und unnötige Kosten.

2. Suche nach bestimmten Therapieverfahren

Wenn Sie bereits einmal mit einer bestimmten Methode gute Erfahrungen gemacht haben oder sie für Ihre Behandlung empfohlen bekommen haben, können Sie wieder darauf zurückgreifen. Bleiben Sie aber offen für andere Ideen!

Heilen ist wie Zwiebelschälen: eine Schicht nach der nächsten. In verschiedenen Phasen des Behandlungsprozesses kann es nützlich sein, mit unterschiedlichen oder ergänzenden Methoden zu arbeiten, um den Fortgang des Behandlungsprozesses zu gewährleisten. Manchmal, besonders bei langfristigen Behandlungen chronischer Beschwerden, kann es Phasen im Verlauf geben, in denen die „Gefahr“ besteht, sich festzufressen. Dann kann es gut sein, „das Pferd zu wechseln“. Ob und wann dies der Fall ist, bemerkt die erfahrene Therapeut*in.

Versteifen Sie sich nicht. Wenn beispielsweise Ihr Osteopath eine begleitende medikamentöse Therapie oder eine Unterstützung bzgl. der seelischen Faktoren Ihrer Erkrankung bei einem Kollegen vorschlägt, ziehen Sie dies in Erwägung. Oftmals kann hier ein deutlicher gesundheitlicher Schub erfolgen.

Manchmal gibt es Patient*innen, die sehr auf eine bestimmte Methode fixiert sind, z. B. weil sie diese vielleicht im Internet für ihr Problem als nützlich recherchiert haben. Ist die Meinung aber schon verfestigt und schlägt der Heilpraktiker eine andere, aus seiner Sicht wirkungsvollere Methode vor, bleiben Sie offen, denn sonst könnten Sie sich um einen Behandlungserfolg bringen.

Hier ein Beispiel aus der Praxis. Eine Frau ruft an, weil sie jemanden sucht, der Ihren Mann nach einem Schlaganfall mit der Neuen Schädelakupunktur nach Yamamoto (NSAY) behandelt. Die Heilpraktikerin lässt sich die Symptomatik des Mannes beschreiben und erkundigt sich danach, ob der Mann der Anruferin schon Erfahrungen mit der NSAY gemacht habe und dadurch Besserungen aufgetreten seien. Beides wird verneint. Aufgrund der Beschwerden hält die Heilpraktikerin die Arbeit mit Craniosacraler Therapie und hier insbesondere die Arbeit, die die Durchblutung des Kopfes verbessert, für wirkungsvoller. Das teilt sie der Anruferin mit. Sie bietet außerdem an, NSAY, wenn sie sie im Kontakt mit dem Patienten für angezeigt hält, begleitend einzusetzen. Genauso wie sie andere Therapiebausteine in Betracht zieht, damit ein bestmögliches Ergebnis erzielt werden kann. Die Anruferin war (erstaunlicherweise) nicht begeistert. Sie lehnte die Behandlungsvorschläge ab, machte keinen Termin aus und verabschiedete sich mit den Worten, dass sie jemanden suche, der ihren Mann nur mit der NSAY behandeln würde.

Wie schade! – Ganz offensichtlich hatte die Frau eine kompetente Heilpraktikerin gefunden, die anhand des Beschwerdebildes sogleich einen vorläufigen Therapieplan vorschlagen konnte und ein Interesse daran hatte, dem Klienten eine wirkungsvolle Behandlung anzubieten. Obwohl die Anruferin die von ihr gewünschte Methode nicht kannte – und obendrein nicht für sich selbst, sondern für ihren Partner eine Entscheidung traf – blieb sie bei ihrer (festgefahrenen) Meinung und vereitelte so für ihren Mann möglicherweise eine heilsame Erfahrung.

Seien Sie aufmerksam. Natürlich gibt es Kolleg*innen, die teure und langfristige Therapien aus eigennützigem, finanziellem Interesse vorschlagen. Schwarze Schafe gibt es überall. Aber es gibt auch zahlreiche Therapeut*innen, denen das Wohl ihrer Patient*innen sehr am Herzen liegt. Fragen Sie nach dem Sinn der vorgeschlagenen Methoden. Hören Sie gut zu. Und prüfen Sie, ob Inhalt und Klang des Gesagten zusammenpassen.

3. Suche, basierend auf der Lösung der vorhandenen medizinischen Probleme

Auf die Frage „Was hilft bei …?“ erhalten Sie im Internet hunderte von Antworten. Wie können sie also den Wald und die Bäume unterscheiden? – Schalten Sie auf jeden Fall Ihren gesunden Menschenverstand ein. Wenn möglich, besuchen sie einmal einen Vortragsabend in der VHS, nehmen an Gesundheitstagen teil oder gehen direkt zu Infoabenden, die von Therapeuten veranstaltet werden und informieren sie sich dort über Behandlungsmöglichkeiten oder Körperwissen. So lernen Sie, worauf es bei bestimmten Beschwerden ankommt und wie die verschiedenen Körperfunktionen zusammenwirken.

Nehmen wir als Beispiel wiederkehrende Nasennebenhöhlenentzündungen. Viele Menschen haben damit Probleme. Daher möchte ich hier vorstellen, wie Sie mit den verschiedenen Ebenen des Themas umgehen können.
Da gibt es die Schleimhäute, die dauerhaft oder immer wieder entzündet sind. Hier können Arzneien und Pflanzenpräparate zum Einsatz kommen, die abschwellend und entzündungshemmend wirken oder das Immunsystem stärken, wie z. B. Meerrettich, Inhalation, Heilpilze, spagyrische Mittel oder Biochemie nach Dr. Schüssler.

Auch Craniosacrale Therapie kann helfen, die Zirkulation der Flüssigkeiten (Nasenschleim, Blut, Lymphe) und deren Abfluss zu verbessern. Insbesondere dann, wenn bekannt ist, dass der Kopf in der Vergangenheit mechanischen Belastungen ausgesetzt war. Das kann eine Boxer- oder Kampfsportkarriere sein oder ein Unfall oder Operation im Gesicht. Hier können die Ohrfeigen aus der Kindheit oder auch eine schwierige Geburt eine Rolle spielen. Wenn die Person ebenfalls mit den Zähnen knirscht oder Migräne und Nackenverspannungen hat, kann sich dies auf die Nebenhöhlen auswirken. Dann liegt neben der Schleimhautreizung auch ein knöchernes, mechanisches Problem vor, dass allein durch Medizin nicht gelöst werden kann. Helfen die eingenommenen Präparate nicht und kommen die Beschwerden immer wieder, sollten Sie an eine mechanische Ursache denken und sie behandeln lassen.

Zusätzlich spielt auch die Seele eine Rolle und sollte bei chronischen Beschwerden jeder Art immer als ein möglicher Faktor in Betracht gezogen werden. Die Nasennebenhöhlen stehen als Teile des Gesichtsschädels mit unserem sozialen Nervensystem, d. h. mit unserer Art, in Beziehung zu treten, in Verbindung. Das bedeutet, dass wiederkehrende Nasennebenhöhlenentzündungen mit Beziehungsproblemen in Zusammenhang stehen können. Hier geht es nicht darum, dass jemand anders schädlich für uns ist, sondern vielmehr darum, wie wir selbst der Welt und anderen Menschen begegnen. Hier helfen beispielsweise systemische Ansätze, Kreativtherapie oder Methoden, die uns unsere unbewussten Verhaltensweisen bewusster machen.

4. Welches Behandlungsziel habe ich?

Neben den oben genannten Suchkriterien ist ein weiterer wichtiger Faktor für eine gute Therapeut*innenwahl, ihr Behandlungsziel.

Haben Sie sich darüber schon Gedanken gemacht? Worin Ihr Ziel bei der Behandlung besteht? Viele Klienten haben das vor Beginn einer Behandlung noch nicht getan und hoffen einfach, dass Ihr Symptom verschwindet und dass die Behandler*in es schon richtet. Vertrauen ist gut. Aber ist Ihnen bewusst, wie wichtig Ihre Einstellung oder Ihre Absicht für den Erfolg bei der Heilung ist?

Hier ein kleines Beispiel: Wenn Sie eine Reise machen wollen, überlegen Sie sich zunächst, wohin Sie fahren möchten. Sie schauen sich Bilder im Katalog, in Büchern oder online an und schauen genau, wo es Ihnen am besten gefällt. Anschließend beraten Sie sich mit Freunden oder der Partner*in. Während Sie sprechen, werden Ihre Vorstellungen immer klarer. Sie können den Urlaubsort schon ziemlich gut vor Ihrem geistigen Auge sehen und haben eine Idee von Reisedauer und -kosten. Dann buchen Sie die Reise. Jetzt wissen Sie genau, wohin Sie wollen, was Sie dort machen wollen und können dementsprechend Ihr Gepäck zusammenstellen. Es nützt Ihnen wenig, wenn Sie Schneestiefel in die Karibik mitnehmen. So ist es auch mit einem Heilungsprozess. Je klarer wir unser Ziel vor Augen haben. Manchmal ändern oder erweitern sich die Ziele, während des Heilungsprozesses. Das ist okay. Es ist nicht erforderlich und vielleicht auch gar nicht möglich, zu Beginn schon alle Facetten der Geschichte zu sehen. Das ergibt sich dann Schritt für Schritt. Der Weg entsteht im Gehen.

Beschäftigen Sie sich daher auch mit diesen oder ähnlichen Fragen: Soll „nur“ das Symptom verschwinden? Wollen Sie Zusammenhänge verstehen? Beispielsweise zwischen Ihrem Körpersymptom und Ihrer Seele oder zwischen mehreren Symptomen, die Sie seit längerem haben? Möchten sie sich auf Spurensuche begeben und den Ursprung, die tiefsitzende Ursache, für eine Reihe von Symptomen?

Den ganzen Menschen zu behandeln, bezieht immer alle Aspekte des Lebens mit ein. Erkundigen Sie sich beim Kontaktgespräch, ob die Heilpraktiker*in ein solches Spektrum zur Verfügung stellen kann.

Fazit

Ich hoffe, Ihnen mit diesem Artikel ein wenig weiter zu helfen, um sich im Dschungel der Anbieter*innen von Heilbehandlungen und Gesundheitsdienstleistungen ein bisschen besser zurechtzufinden. Stellen Sie Fragen. Vergewissern Sie sich. Und vertrauen Sie Ihrem Instinkt, Ihrem Gefühl. Dann hilft nur Ausprobieren. Wenn Sie Zweifel bekommen, ob Sie den richtigen Weg eingeschlagen haben, geben Sie sich selbst und der Therapeut*in ein bisschen Zeit, vielleicht 2-4 Sitzungen, bis Sie Ihr Urteil fällen und die Behandlung beenden. Und sprechen Sie diese Zweifel in jedem Fall an. Nur so haben Sie und die Behandler*in, die Möglichkeit, Missverständnisse auszuräumen, Behandlungskonzepte zu erklären oder die Zielsetzungen zu überprüfen und neu einzustellen.

Ich wünsche viel Erfolg und alles Gute für Ihre Gesundheit!

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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