Blasenkrebs: Was tun, wenn die Blase entfernt werden muss?

Dr. Thiel

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© Kurhan - iStockDiese Verfahren bieten einen uneingeschränkten Alltag auch bei einer entfernten Blase. (© Kurhan - iStock)Bei einem Teil der Blasenkrebserkrankungen ist der Tumor schon so weit fortgeschritten, dass eine endoskopische Therapie durch die Harnröhre nicht mehr zur Heilung ausreicht. In diesen Fällen kann es sein, dass die gesamte Harnblase chirurgisch entfernt werden muss. Das wird notwendig, wenn der Krebs schon tief in die Blasenwand eingebrochen ist, aber auch noch nicht in den Körper gestreut hat.

Die komplette Entfernung der Harnblase (Zystektomie) ist an vielen urologischen Kliniken eine Standardmethode, weil die Techniken schon seit Jahrzehnten bekannt und bewährt sind. Neben den klassischen offenen Operationsmethoden mit Bauchschnitt haben sich in den letzten Jahren auch zunehmend minimal invasive, vornehmlich robotergesteuerte Operationstechniken verbreitet.

Oftmals wird die Ausstattung der Klinik sowie die Erfahrung und Spezialisierung des Operateurs ausschlaggebend für diese oder jene Technik sein. Die Vor- und Nachteile für den Patienten können durchaus variieren.


Neoblase: Neue Blase aus körpereigenem Material

Nach der Entfernung einer Harnblase stellt sich aber die Frage, wie der Urin in Zukunft ablaufen kann – es muss also eine sogenannte Harnableitung her. Diesbezüglich haben sich in den letzten Jahrzehnten mehrere Alternativen herausgebildet. Oftmals ist es auch der Wille des Patienten oder der Patientin eine möglichst natürliche und dem Gesunden ähnliche Harnableitung zu bekommen.

Dies ist am ehesten mit einer sogenannten Neoblase zu erreichen. Eine neue Blase muss man aus körpereigenem Gewebe herstellen, da jedwedes Fremdmaterial wie Kunststoff zu einer Verkrustung und Verkalkung durch den mineralhaltigen Urin neigen würde.

Als Gewebe hat sich dabei die Verwendung von Darmanteilen bewährt. Die meisten Operateure wenden heutzutage dafür Teile des Dünndarms an. Der Dünndarm ist beim Menschen mehr als 6 Meter lang, so dass ein kleines Teilstück von etwa 60 cm Länge für eine neue Blase verwandt werden kann, ohne die Darmtätigkeit maßgeblich zu beeinflussen. Aus einem 60 cm langen Rohr formt der Chirurg durch Auftrennen und Zusammenlegen eine Kugel, die wasserdicht vernäht wird.

Diese neue Blase wird dann mit den beiden von den Nieren kommenden Harnleitern verbunden und wieder an die Harnröhre genäht. So ist dann für den Patienten nach einigem Üben wieder ein nahezu natürliches Wasserlassen möglich.

Diese Methode hat sich insbesondere für „jüngere“ Männer bis 75 Jahre und für noch jüngere Frauen ohne starke Blasensenkungen bewährt. Aufgrund der langen Harnröhre des Mannes gelingt es bei diesen meist viel besser eine ausreichende Kontinenz, also Urin-Haltevermögen, zu erzielen. Dies kann bei Frauen mit kurzer Harnröhre deutlich schwieriger sein.

Welche Behandlung kommt für einen künstlichen Urinausgang in Frage?

In den Fällen, in der eine Neoblase aus Darm wenig erfolgversprechend ist oder die Patienten zu krank dafür sind, kann auch ein künstlicher Urinausgang mit Beutel, ein sogenanntes Urostoma angelegt werden.

Die gängigste Methode dafür ist das sogenannte Ileum-Conduit, bei dem nur ein kleiner Darmanteil (20 cm) benötigt wird. In diese ausgeschaltete Darmschlinge werden auf der einen Seite die Harnleiter eingepflanzt und das andere Ende wird durch die Bauchwand etwa in Nabelhöhe gelegt.

Auf diese künstliche Öffnung (= Stoma) wird ein wasser- und geruchsdichter Beutel aufgeklebt, in dem sich etwa 500 ml Urin sammeln können. Das Stoma ist unter der Kleidung nicht zu erkennen, so dass auch diese Patienten ein relativ normales Leben inklusive Schwimmen, Tauchen, Theatergänge u.Ä. führen können.

Diese beiden Harnableitungen sind die wichtigsten im Bereich der operativen Urologie und machen die Mehrzahl der Eingriffe aus. Für Spezialfälle gibt es auch Sonderlösungen. Welche Harnableitung beim einzelnen Patienten die beste ist, muss dann nur vom Experten/Operateur zusammen mit dem/der Patienten/in und ggf. den Angehörigen individuell besprochen werden.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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