Blasentumore erkennen und richtig behandeln: Leuchtende Krebszellen

Dr. Thiel

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© rendix_alextian - freepikWie können Blasentumoren erkannt werden? (© rendix_alextian - freepik)Kleine Gewächse (Tumore) kommen in der Harnblase mit zunehmendem Alter recht häufig vor. Fast alle diese Tumore gehen von der Schleimhaut der Blase aus und sind meist bösartig. Es kommt jedoch sehr darauf an, wie tief der Tumor in die Blase eingewachsen ist und wie bösartig er ist.

Ursache von Blasentumoren ist einerseits eine genetische Komponente, vor allem aber die langjährige Exposition mit karzinogenen Chemikalien einschließlich des Tabakrauchens und anderer Umweltfaktoren. Aus diesen Gründen ist der Blasenkrebs in den hochindustrialisieren Ländern dieser Erde am häufigsten.

Wie entstehen Blasentumore?

Blasentumore entstehen meist aus sehr kleinen blumenkohlartigen Polypen in der Blase, die nur wenige Millimeter groß sein können. Sie machen sich beim Patienten oft durch eine schmerzlose Blutbeimengung im Urin oder Irritationen der Blase bemerkbar. Es gilt der Leitspruch, dass Blut im Urin ohne Schmerzen immer verdächtig auf das Vorliegen eines Tumors ist und entsprechend abgeklärt werden muss.

Andere Ursachen für Blutbeimengungen im Urin wie Steine oder Entzündungen der Harnwege gehen dagegen meistens mit Schmerzen einher. Eine Eigenart von Tumoren, die von der Harnwegschleimhaut (Urothel) ausgehen, ist auch die Tatsache, dass sie sehr zum Wiederauftreten (Rezidiv) neigen. Das kann auch nach Monaten und Jahren der Fall sein.


Diagnosestellung

Die Entdeckung eines Blasentumors geschieht entweder per Ultraschall oder durch eine harmlose, ambulant in örtlicher Betäubung durchgeführte Blasenspiegelung beim Urologen. Manchmal kann auch eine spezielle Mikroskopuntersuchung (Zytologie) des Urins hilfreich sein. Einfache Urintests durch Teststäbchen haben sich aufgrund fehlender Genauigkeit nicht durchsetzen können. An solchen Markern wird aber weiter wissenschaftlich geforscht.


Minimalinvasive endoskopische Therapie

Der nächste Schritt ist dann fast immer die endoskopische Entfernung und Gewebegewinnung des Tumors durch einen kleinen Eingriff durch die Harnröhre in Narkose. Ziel ist erstens eine Gewebeprobe und damit eindeutige Diagnostik der Art, des Stadiums und der Bösartigkeit des Tumors und zweitens die möglichst komplette Entfernung des Tumors sowie die Heilung.


Flureszenzdiagnostik bringt Tumore zum Leuchten

Sehr häufig wird diese Methode heute kombiniert mit einer sogenannten Fluoreszenzdiagnostik. Das bedeutet, dass der Arzt ein Medikament in die Blase gibt, das Tumorzellen zum Leuchten bringt (photodynamische Diagnostik oder PDD). Dies ist insbesondere für schwer erkennbare Tumoren, die flach in der Schleimhaut wachsen, von Bedeutung, da es für die Heilung sehr wichtig ist, alle Tumorzellen komplett zu entfernen.


Endoskopische Chemotherapie und Vorbeugung

In vielen Fällen wird der Arzt nach der Operation zusätzlich noch ein Medikament in die Blase einfüllen, das eventuell noch verbliebene Tumorzellen abtöten soll. Diese Rezidivprophylaxe wird mit Chemotherapeutika (meist Mitomycin) durchgeführt. Sie gelangen nur über einen Katheter in die Blase und nicht in den übrigen Körper. Daher bleiben auch die gefürchteten Nebenwirkungen einer Chemotherapie aus.

Neben dieser Chemotherapie durch Einfüllung in die Blase (Instillation) kann auch eine Immuntherapie mit abgetöteten Tuberkulosebakterien eines bestimmten Stammes (BCG) notwendig werden. Durch diese Behandlung bildet der Körper selbst Abwehrzellen, die auch Tumorzellen abtöten können. In diesen Fällen muss die Behandlung regelmäßig wiederholt werden, damit Blasentumore nicht oder weniger oft wiederkommen (sogenannte Rezidive).

Zum Glück sind die meisten Blasentumore bei rechtzeitiger Entdeckung noch oberflächlich gelegen und können mit relativ kleinen endoskopischen Eingriffen entfernt werden. Danach sind aber aufgrund der Rezidivneigung jahrelange Kontrolluntersuchungen nach festem Schema erforderlich.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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