Das jameda-Interview: 10 Fragen an Herrn Dr. med. Timo Strunk

Dr. Strunk - UPK

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© StrunkHerr Dr. Strunk praktiziert als Urologe in Köln. (© Strunk)Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Dr. med. Timo Strunk interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Urologe.

jameda: Herr Dr. Strunk, was hat Sie motiviert, Urologe zu werden?

Herr Dr. Strunk: Für die Urologie habe ich mich entschieden, weil das Fach schon während des Studiums mit sehr positiven Erlebnissen verbunden war. Ich erinnere mich noch gut an den ersten Kurs in der Urologie. Meine Ausbilder waren sehr engagiert und „gut drauf“ und ich war von den vielfältigen Aspekten des Faches fasziniert. Wir behandeln ein großes Patientenspektrum und nutzen dabei das gesamte Untersuchungs- und Behandlungsspektrum.

jameda: Was macht Ihnen im Praxisalltag am meisten Freude? Wo sehen Sie  die größten Herausforderungen?

Herr Dr. Strunk: Besonders freut mich, wenn mir Vertrauen in „delikaten“ Angelegenheiten, z.B. bei sexuellen Problemen oder bösartigen Krankheiten entgegengebracht wird. Noch mehr freue ich mich, wenn meine Patienten durch mein Handeln oder meinen Rat zu einem gesünderen und / oder glücklicheren Leben kommen.

Die größte Herausforderung ist für mich, zu akzeptieren, dass ich nicht alle Anforderungen, die von verschiedenen Seiten an mich gestellt werden, erfüllen kann. Insbesondere durch zahlreiche Gesetze und Regelungen fühle ich mich „gegängelt“.

jameda: Welchen Vorurteilen begegnen Sie häufig in Ihrer Praxis?

Herr Dr. Strunk: Das Häufigste Vorurteil ist: „Urologen sind doch nur für Männer“. Stimmt nicht, denn wir behandeln ca. 30-40% Frauen. Denn wir sind Fachärzte für Niere und ableitende Harnwege und die haben Frauen auch.

Ein weiteres Vorurteil ist: „Die Urologische Untersuchung ist unangenehm“: Stimmt nicht. Die meisten Urologen schaffen es, Vertrauen herzustellen und auf Scham und Ängste einzugehen. Es ist meistens nicht so, wie man es sich vorgestellt hat, sondern wird viel positiver erlebt. 

jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Was raten Sie Patienten in solchen Situationen? 

Herr Dr. Strunk: Konfuzius sagt: „Auch der weiteste Weg beginnt mit dem ersten Schritt“. Ich rate meinen Patienten, sich Problemen und unangenehmen Situationen zu stellen, Widerstände zu brechen und sich auch an kleinen Erfolgen zu freuen. Ich bin fest davon überzeugt, dass eine positive Einstellung und Abbau von Angst entscheidend zum Wohlbefinden beiträgen.

jameda: Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?

Herr Dr. Strunk: Mein Ziel bei jeder Behandlung ist, dass Patienten verstehen, warum sie eine Behandlung machen (sollen). Ich praktiziere dabei, wann immer es möglich ist „shared decision making“, d.h. die Patienten suchen mit mir gemeinsam nach ihrem besten Weg.

Wenn sie den Weg dann verlassen, dann erinnere ich an das gemeinsam Besprochene und frage, ob denn der Weg noch der Richtige ist. Wenn nicht, suchen wir nach Alternativen. Meistens klappt das.

jameda: Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als Erstes tun?

Herr Dr. Strunk: Das ist eine sehr schwere Frage, denn das Gesundheitssystem ist sehr komplex geworden. Ich würde, denke ich, die quartalsabhängigen Handlungen abschaffen. Es ist mir nicht nachvollziehbar, dass ein Patient alle drei Monate erst einmal mit der Chipkarte zum Arzt laufen muss (denn viele können das gar nicht!), bevor der überhaupt eine Leistung erbringen kann. Das lässt sich heute sicher einfacher lösen. Dann muss dringend ein einfacheres Vergütungssystem her, damit Ärzte sich um jeden Kranken angemessen kümmern können und nicht zur „5-Minuten-Medizin“ gezwungen ist.

jameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?

Herr Dr. Strunk: Meiner Erfahrung nach haben Ärzte große Probleme mit der Achtsamkeit für sich selbst. Viele überschreiten dauerhaft ihre persönliche Leistungsgrenze. Das schädigt nicht nur Ärzte selbst, sondern verzerrt auch das Bild des Gesundheitssystems. Defizite des Systems werden kompensiert.

Verbessert werden müsste auch die Zusammenarbeit mit Kollegen oder zwischen den sogenannten Sektoren. Aus meiner Sicht werden teilweise zu wenig Informationen über Patienten ausgetauscht. Allerdings ist das Problem auch durch Gesetze verschärft. Die Datenschutzgrundverordnung z.B. hat das Problem eher verschärft.

© StrunkDer Empfangsbereich der Praxis Urologie-Bayenthal. (© Strunk)jameda: Die Welt der Medizin verändert sich ständig. Gibt es neue Therapieverfahren oder Gerätschaften, die Sie in Ihrer Praxis anwenden?

Herr Dr. Strunk: Unsere Praxis hat Schwerpunkte auf dem Gebiet der Uro-Onkologie und der Andrologie / Sexualmedizin. Wir bieten klinische Studien an, die Zugang zu neuen Medikamenten eröffnen. Des Weiteren sind wir Teil der erst kürzlich ins Leben gerufenen „Ambulanten Spezialfachärztlichen Versorgung (ASV)“ und nutzen moderne Untersuchungen bei Geschlechtskrankheiten und Spermiogrammen.

jameda: Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Praxis, das Sie nie vergessen werden?

Herr Dr. Strunk: Es gibt einen Patienten, den betreue ich bereits seit dem Beginn meiner Ausbildung, erst in der Uniklinik Bonn, aktuell in meiner Praxis. Wir haben schon einige schwierige Situationen gemeistert und es bisher immer hinbekommen. Diese besondere Art von Vertrauen wird mir immer in Erinnerung bleiben.

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Herr Dr. Strunk: Es klingt so einfach, ist aber manchmal so schwer: Fordere und nutze den Körper, den Geist und die Seele und achte darauf, dass Sie sich anschließend wieder gut erholen können … mit Genuss und Verstand!

Zur Person 

Seit 2015 bin ich als Arzt in der „UPK“ tätig. Nach meiner Facharztausbildung (2005 bis 2010) war ich als Fach- und Oberarzt in der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Bonn tätig.

Ich habe Weiterbildungen in Med. Tumortherapie, Andrologie, Palliativmedizin und Labordiagnostik erworben.

Zur Praxis

Die Praxis liegt im Kölner Stadtteil Bayenthal. Gemeinsam mit meinem Kollegen Dr. Jörg Klier bieten wir täglich Sprechstunden für gesetzliche und privat Versicherte Patienten an. Die Einrichtung ist modern und die Medizin zukunftsorientiert. Wir möchten, dass Sie gesund bleiben oder es Ihnen bald besser geht.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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