Anzeichen von Burnout erkennen: So schützen Sie sich

Was sind die Warnsignale einer Burnout-Erkrankung? (© contrastwerkstatt - fotolia)

Ganz bestimmte Menschen, die unter Burnout leiden, sind davon überzeugt, alles im Griff zu haben.

Sie glauben, wenn sie nur noch mehr leisten, sich noch mehr anstrengen, dann können sie ihre Ziele erreichen. Sie überschätzen sich und häufig auch die an sie gestellten Anforderungen. Sie sind leistungsbereit und leistungsfähig.

Immer erreichbar sein, ständig unter Strom, Projekte, Stress, keine Pausen und ein unmenschlich hartes Verhältnis der eigenen Person gegenüber, die Ignoranz eigener Bedürfnisse, die Bereitschaft, sich ohne Rücksicht auf sich selbst für Aufgaben einzusetzen: Das ist das Rezept für den Burnout.

Das bedeutet: Achten Sie auf sich und achten Sie auf Ihren Körper! Er wird Ihnen signalisieren – jetzt ist es genug! Machen Sie Pausen! Seien Sie im Urlaub und nach der Arbeit nicht erreichbar – jedenfalls nicht immer.

Behalten Sie Ihre sozialen Kontakte und gehen Sie den Aktivitäten nach, die Ihnen Freunde machen. Und zwar regelmäßig! Schätzen Sie realistisch ein, was Sie leisten können und wollen, was Sie fordert - und was Sie überfordert. Das ist gar nicht so einfach - aber wenn Sie immer mal wieder checken, ob Sie auf sich achten, dann vermeiden Sie die Burnout-Falle.

Was aber, wenn Sie schon die ersten Anzeichen wahrnehmen – bei sich oder anderen?

Dann ist es ein Warnsignal, etwas zu verändern. Dass etwas nicht im Lot ist.

Wenn Sie oder jemand in Ihrem Umfeld immer erschöpft ist, jemand der früher immer voller Elan alles geschafft hat, wenn derjenige mental und physisch ausgebrannt ist. Da geht nichts mehr. Da glimmt kein Funke. Da ist das Feuer einfach aus.

Und das ist für Menschen, die sich über Leistung definiert haben, ganz schwer zu akzeptieren. Sie verstehen die Welt nicht mehr und versuchen, sich weiter anzutreiben. Irgendwann müssen sie feststellen, dass alles Antreiben nicht hilft. Sie leiden darunter, dass nichts mehr geht. Und dass ihnen – die sich so voller Energie und Idealismus ständig abgerackert haben! Denen nie etwas zu viel war.

Wer sich über Arbeit definiert, empfindet Burnout auch als persönliche Niederlage.

  • Wenn jemand sich ständig abrackert, aber nie die erwartete Belohnung bekommt – in Form von Anerkennung oder auch Beförderung...
  • Wieder eine Umstrukturierung, bei der man sich auf die eigene Position, die man hat, nochmal bewerben muss...
  • Degradierungen oder Versetzungen, die nicht begründet werden...
  • Die Aufhäufung von Arbeiten und Ziele, die unerreichbar sind...

Das sind Faktoren, die diese mentale und physische Erschöpfung hervorrufen. Die Betroffenen haben das Gefühl, sie kämpfen auf verlorenem Posten.

Und dann geht die Anerkennung verloren, die man früher bekommen hat, weil man es immer "gerissen" hat. Der beliebte Macher, dem nichts zu schwierig und zeitaufwendig war. Und während man Richtung Burnout schlittert (immer krampfhaft bemüht, durch mehr Anstrengung und noch mehr Leistung und 24 Stunden für den Chef/das Unternehmen doch noch zu erreichen, was nicht erreichbar ist), geht ganz viel verloren: die sozialen Kontakte, die eigenen Bedürfnisse und der Verlust von Einfühlungsvermögen.

Es entstehen Schwierigkeiten, anderen zuzuhören. Gleichzeitig können sich die Betroffenen nicht konzentrieren, vergessen viel und haben Mühe, Entscheidungen zu treffen. Die Abwärtsspirale läuft.

Auf welche Burnout-Symptome man achten sollten

Deshalb – wehret den Anfängen! Checken Sie sich selbst. Wo stehen Sie? Sind Sie chronisch erschöpft, macht Ihnen nichts mehr so recht Freude? Wenn ja, können das Alarmzeichen sein. Und: haben Sie Ihren Freundes- und Bekanntenkreis eigentlich noch im Blick? Machen Ihnen Ihr Leben und Ihre Arbeit noch Freude? Geben Sie Ihrem Körper, was er braucht – Pausen, Sport, Bewegung?

Kennen Sie Ihre eigentlichen Bedürfnisse und achten Sie auf sich? Wenn Sie das bejahen können, dann kann ich Ihnen nur gratulieren! Bleiben Sie dabei – und beobachten Sie aufmerksam, wenn sich da die Überforderung einschleicht.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (6)

Christoph F., 14.06.2021 - 17:01 Uhr

Habe mich selber gesehen, das ist erschreckend! Meine Kur ist seit April 2020 genehmigt und meinen Termin habe ich im April 2022. Ist das nicht toll?

Antwort von , verfasst am 18.06.2021

Lieber Christoph - das ist wirklich frustrieren. Vllt haben Sie ja Lust, ein bisschen Unterstützung davor zu bekommen? Lassen Sie uns doch in Kontakt treten... Ihnen auf jeden Fall all the best - Ihre Désirée Bethge

Heiko W., 30.04.2021 - 17:27 Uhr

Hervorragender, informativer Artikel. Sehr interessant zu lesen. Und sich selbst zu prüfen: Mache ich es richtig?

Antwort von , verfasst am 04.05.2021

Lieber Heiko W., Das freut mich besonders - und manchmal ist so ein Innehalten und sich selbst überprüfen wirklich hilfreich.... ganz herzlichen Dank für Ihren Kommentar und liebe Grüße, Désirée Bethge

Hans-Peter G., 10.03.2021 - 20:02 Uhr

Erschöpfung ist leider nicht immer eine Überforderung, sondern häufiger eine nicht erkannte Stoffwechselstörung oder eine Mangelerscheinung. Auch chronische Infektionen (Borreliose, Corona, Chlamydien, Eppstein-Barr-Viren) können dann eskalieren und zusätzliche Probleme verursachen. Eine genaue Diagnostik ist immer sinnvoll und auch (bei Indikation) Leistungen der Kassen.

Antwort von , verfasst am 13.03.2021

Danke für Ihren Kommentar - und ja, ich bin immer dafür, dass Menschen mit welchem Leiden auch immer, eine möglichst exakte Diagnose bekommen. Und die Möglichkeit, beim Arzt bestimmte Erkrankungen auszuschließen, ist natürlich sinnvoll. Mir geht es darum, das wir achtsam mit uns umgehen, darauf achten, was hat sich warum wann zum Schlechten verändert und woran können wir es 1. erkennen und wie können wir 2. Hilfe suchen. Auch der Arzt wird genau diese Fragen stellen. Nämlich, seit wann die Beschwerden bestehen, ob es einen Auslöser gibt etc. Wenn wir zu der Gruppe von Menschen gehören, die sich nur über Arbeit und Leistung definieren und dann in Bedrängnis geraten, macht es Sinn, selbst zu überprüfen, wo wir denn gerade stehen. Burnout ist keine Grippe - der schleicht sich hinterrücks ein. Da aufmerksam zu sein, ist wichtig und ersetzt nicht den Arzt - hilft aber dem vielleicht bei einer exakten Diagnose. Wobei wir wissen, daß Burnout im ICD 10 gar nicht vorkommt - aber im Leben schon. Herzliche Grüße, freue mich, wenn Sie sich nochmal melden. Désirée Bethge

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