Chronische Borreliose und Schlafstörungen

Dr. Riedel

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© Alexander Raths fotolia© Alexander Raths fotoliaChronische Borreliose und Schlafstörungen - Möglichkeiten der Biologischen Medizin

Die chronische Borreliose ist eine Multisystemerkrankung, d.h. es sind fast alle Organsysteme mehr oder weniger stark betroffen. In dem vielfältigen Beschwerdemuster treten Schlafstörungen sehr häufig auf.

Leicht nachzuvollziehen ist, dass Schmerzen oder die psychischen Belastung in Folge der chronischen Erkrankung den Schlaf negativ beeinflussen. Darüber hinaus sind es aber vor allem biochemische Veränderungen im Neurotransmitterhaushalt (Nervenbotenstoffe), welche zu Schlafstörungen und anderen psychischen Symptomen führen.

Aus dem Eiweißbaustein Tryptophan (ein Nahrungsbestandteil) wird über eine Zwischenstufe (5H-Tryptophan) das Glückshormon Serotonin und aus diesem wiederum das Schlafhormon Melatonin gebildet. Genau dieser Stoffwechselschritt ist bei Multisystemerkrankungen wie der chronischen Borreliose beeinträchtigt. Die Folgen sind ein Serotonin-Mangel (das führt zur Depression) und ein Melatonin-Mangel (Schlafstörung).

Die zwei wesentlichen Ursachen:

1. Nitrostress:
Jede Zelle bildet durch Entzündungs- und Immunbotenstoffe sehr reaktionsfreudige Stickstoffverbindungen (sog. Peroxynitrit). Diese Zellgifte töten Krankheitserreger ab. Der so genannte Nitrostress wird bei chronischen Infektionen, dauernder Stressbelastung, Schwermetallbelastungen und durch andere Faktoren jedoch zum Selbstläufer. Dauerhaft erhöhtes Peroxynitrit blockiert die Energiegewinnung in den Zellen (Müdigkeit, Leistungsminderung), aktiviert Glutamatrezeptoren im Gehirn (Gedächtnisstörungen, Reizbarkeit), verändert die Vorstufen der Schilddrüsenhormone (Stoffwechselstörungen), von Serotonin (Depression) und Melatonin (Schlafstörungen), erweitert die Blutgefäße (Kopfschmerzen) und aktiviert Cox-Enzyme (chronische Entzündungen an Gelenken, Haut, Muskulatur).
Bestehen entsprechende Symptome, kann das Vorliegen von Nitrostress mit hinreichend großer Wahrscheinlichkeit angenommen werden. Mittels eines Urintests ist der biochemische Beweis möglich.

2. Darmstörung:
Das Vorliegen einer Störung im Darm mit Fehlbesiedlung (Dysbiose), Schleimhautentzündung, Verdauungs- und Aufnahmestörungen ist bei Patienten mit chronischer Borreliose sehr häufig (u. a. auf Grund von Antibiotika-Nebenwirkungen). Die Folge ist, dass Tryptophan im Darm nicht mehr aufgenommen wird und zusätzlich die Umwandlung in 5H-Tryptophan in den entzündeten Schleimhautzellen nicht mehr ausreichend erfolgt. Ein Serotonin- und Melatonin-Mangel im Zentralnervensystem tritt durch die verringerte Verfügbarkeit von Tryptophan auf!

Auch hier ist die Anamnese oft wegweisend. Die Tryptophanstoffwechselstörung lässt sich bei Bedarf mit Hilfe eines Urintests nachweisen, die oben aufgeführten Darmstörungen durch eine Stuhluntersuchung.

Therapeutisch kann rein symptomatisch vorgegangen werden. Treten nur Schlafstörungen ohne depressive Beschwerden auf, hilft oftmals die Einnahme von Melatonin vor dem Einschlafen. Bei gleichzeitig bestehender depressiver Symptomatik bietet sich 5H-Tryptophan an, weil dadurch gleichzeitig der Serotonin-Spiegel beeinflusst wird. Serotonin selbst kann nicht die Blut-Hirn-Schranke überwinden und ist dadurch für den therapeutischen Einsatz ungeeignet.

Wann immer möglich sollte auch eine ursächliche Therapie erfolgen. Vor allem die Reduktion des Nitrostresses kann über die Schlafstörungen hinaus viele Beschwerden der Patienten positiv beeinflussen. Dazu müssen die Faktoren erkannt und behandelt werden, welche die ständige Bildung von Peroxynitrit triggern. Neben der Behandlung von persistierenden Krankheitserregern umfasst das unter anderem Maßnahmen zur Entgiftung (vor allem Schwermetallausleitung) und Entsäuerung sowie der Vitalstoffsubstitution (ggf. als Infusionsbehandlung). Aber auch relativ einfache Schritte, wie die Nahrungsergänzung mit Substanzen, welche die Peroxynitrit-Bildung reduzieren, führen bei konsequenter Anwendung zu positiven Effekten.

Ebenso hat eine Darmsanierung vielfältige günstige Effekte. Bestandteile einer Darmsanierung können Probiotika („gesunde“ Darmkeime), Ballaststoffmischungen und Darmentgifter (Clinoptiolite), Entzündungshemmer (z. B. Kurkuma) oder Immunaktivatoren (Kolostrum) sein.

Darüber hinaus gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Belastungsfaktoren (beispielsweise Elektrosmog, Regulationsstörungen des vegetativen Nervensystems), deren Diagnostik und Behandlung ein ganzheitliches biologisches Therapiekonzept vervollständigen.

Für Patienten mit Multisystemerkrankungen wie der chronischen Borreliose stellt die Biologische Medizin oftmals nicht nur die Alternative, sondern häufig die Basis der Behandlung dar. Das schließt jedoch keineswegs schulmedizinische Therapiekonzepte aus, wie z. B. eine stadiengerechte Antibiose. Die „Wahrheit“ liegt sicher eher im Dialog zwischen Schul- und Biologischer Medizin. Daher wird die hier vorgestellte Arbeitsweise gern mit der Wortschöpfung „DIALOGische Medizin“ benannt.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (9)


16.06.2018 - 21:56 Uhr

Hallo, ich habe bei meiner ältesten Tochter den...

von Karin G.

... Verdacht auf chronische Borreliose. Sie hat seit Jahren massive Schlafstörungen und nimmt zZ natürliche SDH, da auch mittlerweile Hashimotoantikörper vorhanden waren. Tag/Nachtrythmus ist total verdreht und nicht regulierbar! Sie schafft den Alltag kaum noch und Ärzte schieben alles auf die Psyche. Letztes Jahr war sie bei einer Internistin, die Borrelien-Antikörper nachgewiesen hatte, aufgrund des niedrigen Wertes jedoch nichts weiteres veranlasste, denn er sei zu gering sagte sie! Bitte kontaktieren Sie mich, da ich mir große Sorgen um meine Tochter mache. Mit frdl. Grüßen Karin G.

Dr. Riedel

Antwort vom Autor am 18.06.2018
Dr. med. Frank Riedel

Sehr geehrte Frau G., die Höhe der Antikörpertiter lässt keine Aussage zu, ob eine chronische Borreliose vorliegt oder nicht. Häufig sind es gerade die Patienten, deren Immunsystem durch eine Infektion am stärksten geschwächt ist, die keine oder nur geringe Antikörpertiter aufweisen. Natürlich können Schlafstörungen aber auch andere Ursachen haben. Deswegen muss eine Abklärung hinsichtlich einer chronischen Borreliose erfolgen. Dazu sind eine Reihe weiterer Test notwendig, die den Verdacht erhärten oder zerstreuen. In der Regel sollten Sie sich dafür bei einem Spezialisten vorstellen, da viele Tests nicht zum Spektrum des Hausarztes gehören. Mit freundlichen Grüßen Dr. med. Frank Riedel

26.08.2017 - 05:55 Uhr

Ich leide unter Morbus Kron, können Sie helfen?

von Dragorad D.

25.11.2016 - 18:30 Uhr

Hallo, ich leide seit mind. 2 Monaten an täglich...

von Manni Q.

... extremer werdenden Schlafstörungen, ja sogar Schlafunfähigkeit. Ich kann einfach nicht mehr einschlafen. Habe diese Woche vielleicht 7 Stunden geschlafen. Wenn ich Glück habe, schlafe ich 1h pro Nacht. Phytopharmaka und Hormone wirken nicht mehr. Was kann ich tun? Brauche unbedingt Hilfe. Mein Körper kann sich nicht regenerieren. Ich hatte schon ewig keinen REM Schlaf mehr. Konstant erhöhte Temperatur 37,5°C Piepsen in den Ohren (hängt mit Schlafstörung zusammen). Schmerzen im Schultergelenk (da wo der große, runde, blaue Fleck war) Es ist auf jeden Fall etwas in meinem Körper entzündet. Leide ich an den Symptomen einer Vergiftung (Schwermetalle, Umweltgifte, Mykotoxine etc...) oder hab ich eine Borreliose inklusive Co-Infektionen wie z.B. Bartonella henselae und/oder Bornavirus? Soll ich trotz bekannter Schlaf-Apnoe auf Schlafmittel zurückgreifen? Ich bin am Verzweifeln. Wie soll ich ohne Schlaf gesund werden? Vielen Dank!

Dr. Riedel

Antwort vom Autor am 28.11.2016
Dr. med. Frank Riedel

In diesem Fall muss sicher tatsächlich untersucht werden, ob eine chronische Entzündung vorliegt (z.B. als Folge einer Borrelieninfektio oder einer Schwermetallbelastung). Die Behandlung der Entzündung und deren Ursache könnte auf lange Sicht eine Besserung der Schlafbeschwerden bewirken. Sedative und Schlafmittel sind kurzfristig eine Option, sollten aber nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt genommen werden.

22.03.2016 - 08:46 Uhr

Ich bin 80 Jahre alt und bei mir wurde vor Jahren...

von Maria

... Borreliose festgestellt, jedoch ohne Therapievorschläge. Angeblich handelt es sich um mehr als nur einen "Stamm". Ich leide massiv an Schlafstörungen und an Schmerzen, vor allem aber im Schienbeinbereich. Mein Orthopäde konnte auch keine Auffälligkeiten in den Gelenken feststellen und gab mir den Rat ab und zu eine Schmerztablette einzunehmen. Ich wär Ihnen für einen Rat sehr dankbar.

Dr. Riedel

Antwort vom Autor am 23.04.2016
Dr. med. Frank Riedel

Die chronische Borreliose ist eine Multisystemerkrankung, die durch den Befall vieler Organsysteme zu einer Unmenge an unterschiedlichen Krankheitssymptomen führen kann. Da viele Fachärzte oft nur ihr eigenes Gebiet betrachten, kann dem Patienten oft nicht geholfen werden. Daher kann ich Ihnen nur empfehlen, sich eine Ärztin oder einen Arzt zu suchen, der sich mit der ganzheitlichen Behandlung der chronischen Borreliose auskennt.

14.07.2015 - 19:42 Uhr

Dies war ein guter Bericht. Wenn Sie noch mehr...

von Gertrud

... Anregungen zur chronischen Borreliose haben, bitte senden Sie mir diese zu. Habe seit 2006 chronische Borelliose Vielen Dank

10.05.2015 - 11:43 Uhr

Ich kam Nov.2012 mit Schmerzen im ganzen Körper...

von Monika

... ins Krankenhaus. Vorher wurde ich auf Hexenschuss und anschließend Bandscheibenvorfall behandelt. Borreliose wurde festgestellt. Therapie mit Ceftriaxon-saar 2g zur Infusion. Nun kann ich kaum laufen, Gelenkschmerzen, besonders Rückenschmerzen, Schlafstörungen, keine Kräfte. Haus-Arbeiten kaum noch möglich. Ich bin verzweifelt da mich die Ärzte nur vertrösten. Was soll ich tun? Stuhl- und Urinprobleme, zittern des linken Armes.

Dr. Riedel

Antwort vom Autor am 12.05.2015
Dr. med. Frank Riedel

Es sollte bei Ihnen unbedingt festgestellt werden, ob eine chronisch-aktive Borreliose vorliegt. Dazu sind verschieden Untersuchung (z.B. Antikörperdiagnostik, LTT, CD57) notwendig. Darüber hinaus ist eine Untersuchung auf eine systemische Entzündung (TNF-Alpha), eine Mitochondrienschädigung (ATP) sowie auf Schwermetallbelastungen sinnvoll. In der Regel werden diese Untersuchungen nicht durch den Hausarzt durchgeführt. Sie müssten sich dazu einen spezialisierten Arzt in Ihrer Nähe suchen oder ggf. mit mir Kontakt aufnehmen. Dr. Riedel

21.08.2014 - 19:21 Uhr

Ich habe vor 15 Jahren eine Borreliose...

von Ella

... durchgemacht und wurde mit Antibiotika behandelt. Seit ca.10 Jahren leide ich unter massiven immer mehr zunehmenden Schlafstörungen die nur mit die nur mit Schlaftbl. u.Antedepressiva einigermaßen in den Griff zu bekommen sind.Kann das ev. mit der durchgemachten Borreliose zusammenhängen?

Dr. Riedel

Antwort vom Autor am 22.08.2014
Dr. med. Frank Riedel

Eine chronische Borreliose kann sich entwickeln, wenn die Infektion nicht mit dem richtigen Mittel, nicht ausreichend hoch dosiert oder nicht ausreichend lange behandelt wurde. Ein häufiges Symptom der chronischen Borreliose ist die Beeinträchtigung des Schlafs. Wenn bisher keine anderen Ursachen für die Schlafstörungen gefunden wurden, sollten Sie sich auf das Vorliegen einer chronischen Borreliose untersuchen lassen. Dazu empfehle ich, neben der obligatorischen Antikörperdiagnostik, unbedingt einen Lymphozytentransformationstest (LTT) durchführen zu lassen. Nur anhand des LTT kann zur Zeit unterschieden werden, ob es sich um eine durchgemachte oder um eine aktive Borreliose handelt.

07.08.2014 - 15:16 Uhr

Guten Tag, man hat bei mir eine Art...

von Mario

... Parkinson-Demenz festgestellt. Ausserdem habe bereits einige Tests (z.B. IRM,MRT, Scintigraphie) gemacht, ohne dabei jedoch ein medizinisches Resultat zu erlangen. Was soll ich machen?

Dr. Riedel

Antwort vom Autor am 07.08.2014
Dr. med. Frank Riedel

Wenn bei Ihnen bereits eine chronische Borreliose diagnostiziert wurde, dann kann diese für dementielle und parkinsonähnliche Symptomatik verantwortlich sein. Sollte noch keine entsprechende Diagnostik erfolgt sein, müsste diese noch durchgeführt werden. Eine langfristig antibiotische Behandlung einer chronischen Borreliose kann auch die neurologischen Symptome bessern. Besteht keine chronische Borreliose, dann wird Ihr behandelnder Neurologe mit Ihnen das weitere Vorgehen besprechen. Mit freundlichen Grüßen Dr. Riedel

16.01.2014 - 17:25 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Riedel, zu Ihrem Vortrag...

von Margit

... über Schlafstörungen bei Borreliose: Herzlichen Glückwunsch! Auch im Borreliose Wissen-Magazin vom Oktober 2013 habe ich Ihre interessanten Ausführungen gelesen. Schon seit drei Jahren leide ich bei chronischer B. an erheblichen Schlafstörungen und nehme jetzt schon seit fast zwei Jahren ein Medikament, abends, zwei Stunden vor dem Schlafengehen. Es ist das einzige Mittel, was hilft. Angeblich soll das Medikament süchtig machen. Sie schreiben, dass auch Melatonin hilft. In welcher Dosis? Ich habe es schon versucht; offenbar in zu niedriger Dosierung und wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir in dieser Sache einen Rat geben könnten. Mit freundlichen Grüßen Margit

Dr. Riedel

Antwort vom Autor am 17.01.2014
Dr. med. Frank Riedel

Die Melatonin-Dosierung kann durchaus 5 mg betragen, in einzelnen Fällen nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt auch mehr.


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