Chronischer Stress: So kann er in der Praxis reduziert werden

Welche Folgen kann chronischer Stress mit sich bringen? (© Dirima - fotolia)

Stress entsteht im Gehirn im so genannten „Hypothalamus“ als chemisches Signal. Dieses Signal wird ein paar Etagen tiefer an unsere Nebennieren geschickt, welche dann ein weiteres chemisches Signal aussenden: Das Adrenalin (von „Ad Ren“; Neben-Niere).

Das Adrenalin ist biochemisch das was wir „Stress“ nennen. Seine Funktion ist simpel: Energie mobilisieren. Durch Adrenalin steigt der Blutzuckerspiegel, der Blutdruck und die Muskelspannung. Somit wird unsere Wahrnehmung wird fokussierter, aber schmaler.

Daraus wird ziemlich schnell klar warum chronischer Stress ein Problem ist. Chronisch hohe Blutzuckerspiegel, hoher Blutdruck, hohe Muskelspannung und eingeschränkte Wahrnehmung sind ein Problem.


Wann schüttet unser Körper Adrenalin aus? Also wann hat er „Stress“?

Dafür gibt es zwei Gründe: Motion und E-Motion

Motion

Wenn wir uns intensiv bewegen (oberhalb von 60% unserer Leistungsgrenze), dann wird Adrenalin ausgeschüttet. Kombiniert mit Muskelaktivität ist dieser Stress auch kein Problem, weil die freigesetzte Energie sofort von den Muskeln verbraucht wird.

Wenn dieses Adrenalinsystem jedoch täglich gefordert wird, dann kann daraus eine Erschöpfung der Hypothalamus-Adrenalin Achse entstehen. Das nennen wir in dem Fall „Übertraining“. Autopsien von russischen Athleten mit Übertraining zeigen eine Atrophie der Nebennieren, was zeigt, dass dieses Organ nicht mehr hinterherkam mit den Adrenalinanforderungen.


E-Motion

Angst, Schuld, Scham, und vieles weitere was uns unter „Druck“ setzt und uns in den inneren Dialog des „ich muss“ zwingt, aktiviert die Adrenalinachse. Wenn wir also chronisch im „ich muss“ leben, dann haben wir chronischen Stress. Und dazu müssen wir noch keine 2 Minuten gearbeitet haben. So kann es sein, dass jemand der äußerlich gar nix zu tun hat, extremen chronischen Stress erlebt und zwar wirklich physiologisch/biochemisch. Dieser führt zu dem was wir „Burnout“ nennen. Es ist eine chronische Überlastung der Adrenalinachse.

Diese ist deshalb trügerisch, weil Adrenalin uns ja wachhält und Energie mobilisiert. Außerdem schränkt es die Wahrnehmung ein. Diejenigen, die am gefährdetsten für Burnout sind, sind deshalb die, die sagen: „Alles super!“

Erstes Anzeichen für Probleme in der Adrenalinachse: Abendliche Einschlafprobleme (weil Adrenalin chronisch hoch ist).

Gleichzeitig kann jemand, der 70 Stunden pro Woche arbeitet, weil er es „möchte“ kein bisschen physiologischen/chemischen Stress erleben.

So lässt sich Stress reduzieren

Wichtigste Stressprävention ist es daher sich mit Ruhe, Zeit und Raum hinzusetzen, mal 15 Minuten entspannt durchzuatmen (kein Handy, kein Buch, kein nix), nur zu atmen, zu sitzen und sich dann ganz tief und ehrlich zu fragen: „Bin ich glücklich? Was muss ich machen? Was möchte ich machen?“

Denn wenn man das macht was das eigene Herz wirklich möchte, dann ist man frei von Stress. Und jedes muss lässt sich in ein möchte wandeln. Alles eine Frage der Perspektive. Dabei helfen Methoden wie die Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion. Denn natürlich gibt es viele Dinge, die wir Menschen machen müssen, aber es ist möglich diese Dinge zu tun und dabei ein inneres Erleben des „ich möchte“ zu haben. Das reduziert unsere Adrenalinspiegel und optimiert dadurch unsere Gesundheit, unsere Wahrnehmung, und unsere Lebensfreude.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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